Der Schokoladen-Konsum und das Herzinfarkt-Risiko

Die Untersucher der aktuellen Studie vom Karolinska Institut in Stockholm wollten herausfinden, ob der Schokoladen-Konsum mit einem verminderten Risiko für einen Herzinfarkt verbunden ist.

Sie werteten hierzu Daten einer prospektiven schwedischen Kohorten-Studie aus, in die
67.640 Frauen und Männer eingeschlossen waren, die einen Fragebogen zu ihren Nahrungsgewohnheiten beantwortet hatten und zu Beginn der Studie keine kardiovaskulären Symptome aufwiesen. Das Auftreten eines Herzinfarktes konnte über die Verbindung zum schwedischen Nationalen Patienten Register gesichert werden. Prospektive Studien zum Schokoladen-Konsum und dem Risiko einer ischämischen Herzerkrankung wurden über Embase und PubMed vom Beginn bis zum 4. Februar 2016 identifiziert. Die Ergebnisse aller geeigneten Studien wurden zusammengefasst und ausgewertet.

Während des Follow-Ups der schwedischen Patienten (1998-2010) traten 4.417 Herzinfarkte auf. Der Schokoladen-Konsum war invers mit dem Infarkt-Risiko verbunden. Im Vergleich mit Probanden, die keine Schokolade zu sich nahmen, betrug das multivariable relative Risiko (RR) für Probanden, die ≥ 3-4 mal/Woche Schokolade zu sich nahmen, 0,87 (95% KI 0,77 bis
0,98); P für Trend =0,04). Dies entspricht einer Risikominderung um 13% bei der schwedischen Kohorte. Fünf weitere prospektive Studien zum Schokoladen-Konsum konnten in den Datenbanken identifiziert werden. Die Zusammenfassung dieser Ergebnisse und die Hinzufügung der schwedischen Herzinfarkt-Daten ergaben 6851 ischämische Herzerkrankungen. Das Gesamtrisiko zwischen dem höchsten und niedrigsten Schokoladen-Konsum ergab ein relatives Risiko von 0,90 (95% KI 0,82 bis 0,97), was einer etwas geringeren Risikominderung von 10% entspricht. Die Autoren schließen aus ihren Untersuchungen, dass der Schokoladen-Konsum das Risiko für eine ischämische Herzerkrankung und einen Herzinfarkt reduziert.

Kommentar

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Zahl der Todesfälle an kardiovaskulären Erkrankungen bis 2030 auf 23,6 Millionen ansteigen. Darüber hinaus wird erwartet, dass etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung an einem metabolischen Syndrom leiden wird, das mit vielen kardiovaskulären Risikofaktoren verbunden ist, die zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen können. Bisher haben viele tierexperimentelle und klinische Studien zeigen können, dass Kakao-Flavanole einen positiven Einfluss auf die Blutdruckregulation, die Endothelfunktion, die Insulinempfindlichkeit und das Lipidprofil ausüben. Kardiovaskuläre Risikofaktoren können über den Lebensstil beeinflusst und reduziert werden. Eine bessere Einsicht in vorhandene Risikofaktoren trägt zu einem besseren Verständnis möglicher Präventionsmaßnahmen bei. Die Autoren konnten für die schwedische Kohorte eine Risikominderung für Herzinfarkte von 13%, für ischämische Herzerkrankungen für die Gesamt-Kohorte von 10% nachweisen.

Der Einfluss der Schokolade auf das kardiovaskuläre Risiko wurde bereits in einer prospektiven Studie aus dem Jahr 2010 gesichert. Das kombinierte Ergebnis für Herzinfarkt und Schlaganfall ergab zwischen der obersten und untersten Quartile für den Schokoladenkonsum eine relative Risikominderung von 0,61 (95% KI 0,44-0,87). Der mittlere systolische Blutdruck ging um 1mmHg (95% KI -1,6 bis -0,4 mmHg) und der diastolische Blutdruck um 0,9 mmHg (95% KI -1,3 bis -0,5 mmHg) zurück. Die Risikominderung war für den Schlaganfall höher als für den Herzinfarkt. Schokolade scheint, ein schmackhafter Weg zu sein, das kardiovaskuläre Risiko im Rahmen einer gesunden Ernährung (Polymeal?) zu reduzieren.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle:  Larsson, SC et al. Chocolate consumption and risk of myocardial infarction: a prospective study and meta-analysis. Heart 2016 Mar 2 (epub ahead of print)
Buitrago-Lopez, A et al. Chocolate consumption and cardiometabolic disorders: systematic review and meta-analysis. BMJ 2011; 343: d4488
Buijsse, B et al. Chocolate consumption in relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German adults. Eur Heart J 2010 Jul; 31(13): 1616-23
Franco, OH et al. The Polymeal: a more natural, safer, and probably tastier (than the Polypill) strategy to reduce cardiovascular disease by more than 75%. BMJ 2004 Dec 18; 329(7480): 1447-50

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