Beratung

Senkt der Kaffee-Konsum das MS-Risiko?

Frühere Studien zum Kaffeekonsum und dem Multiple Sklerose-Erkrankungsrisiko haben keine eindeutigen Ergebnisse ergeben. Deshalb haben die Autoren der aktuellen Studie diese Frage erneut aufgegriffen. Wird die Multiple Sklerose durch den Kaffee-Konsum beeinflusst?

Hierzu haben die Autoren zwei, für die schwedische (1620 Fälle, 2788 Kontrollen) und die amerikanische (1159 Fälle und 1172 Kontrollen) Bevölkerung, repräsentative, retrospektive Fall-Kontroll-Studien zum Zusammenhang zwischen dem MS-Risiko und der Höhe des Kaffee-Konsums durchgeführt. Beide Bevölkerungsgruppen unterscheiden sich in ihren Kaffee-Konsum-Gewohnheiten.

Im Vergleich zu den Studienteilnehmern, die keinen Kaffee tranken, war das MS-Risiko bei denen, die über einen hohen Kaffee-Konsum (>900ml) berichteten, signifikant reduziert (schwedische Studie: Odds Ratio OR 0,70; 95% KI 0,49-0,99; amerikanische Studie: OR 0,69; 95% KI 0,50-0,96). Insgesamt nahm das MS-Risiko in beiden Bevölkerungsgruppen mit höherem Kaffee-Konsum ab.

In Übereinstimmung mit tierexperimentellen Untersuchungen ist das MS-Risiko mit der Höhe des Kaffee-Konsums verbunden. Koffein, ein wesentlicher Bestandteil der Kaffeebohne, scheint, neuro-protektive Wirkungen zu besitzen und pro-inflammatorische Zytokine zu reduzieren.

Kommentar:

Die Multiple Sklerose (MS) gilt als eine Auto-Immunerkrankung des Nervensystems. In tierexperimentellen und epidemiologischen Untersuchungen wurde versucht, Risikofaktoren für die Entstehung einer MS (Virusinfektionen, Vitamin-Konsum, Sonnen-Exposition und weitere diätetische und Lebensstil-Faktoren) zu definieren. Eine im Kindesalter vorausgehende Epstein-Barr-Virusinfektion, Rauchen und ein Vitamin D-Mangel sind derzeit die robustesten, bekannten MS-Risikofaktoren. Hedström et al. konnten jetzt in zwei Studien, die in den USA und in Schweden durchgeführt worden sind, nachweisen, dass bei Kaffeetrinkern im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern das MS-Risiko reduziert ist. Diese Ergebnisse scheinen, mit den Ergebnissen von tierexperimentellen Untersuchungen übereinzustimmen, in denen eine Up-Regulation des A1 Adenosin-Rezeptors nach Gabe von Kaffee oder Koffein nachgewiesen werden konnte. Dies führte im MS-Tier-Modell zu einer Abschwächung der Entzündung im Gehirn. Diese Ergebnisse sind auch im Hinblick auf Studien von Interesse, in denen ein vergleichbarer Zusammenhang zwischen dem Kaffee- oder Koffein-Konsum und dem Verlauf der Parkinson´schen Erkrankung nachgewiesen werden konnte. Die Ergebnisse klinischer Studien sind insgesamt aber nicht eindeutig. Sie bedürfen deshalb weiterer Bestätigungen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Hedström, AK et al. High consumption of coffee is associated with decreased multiple sclerosis risk; results from two independent studies. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2016 Mar 3 (epub ahead of print)
Pantazou, V et al. Environmental factors in multiple sclerosis. Presse Med 2015 Apr; 44(4 Pt 2):e113-20
D’hooghe, MB et al. Alcohol, coffee, fish, smoking and disease progression in multiple sclerosis. Eur J Neurol 2012 Apr; 19(4): 616-24
Tsutsui, S et al. A1 adenosine receptor upregulation and activation attenuates neuroinflammation and demyelination in a model of multiple sclerosis. J. Neurosci 2004 Feb 11; 24(6): 1521-9
Massa, J et al. Caffeine and alcohol intakes have no association with risk of multiple sclerosis. Mult Scler 2013 Jan; 19(1): 53-8

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