Beratung

Zeichen und Symptome bei der frühen Fehlgeburt

Was sind die Zeichen und Symptome für eine frühe Fehlgeburt (vor der 20. Schwangerschaftswoche)?

Eine Kohorte von 501 Paaren, die sich in 16 Landkreisen (Counties) in Michigan und Texas nach Absetzen der Antikonzeptiva auf eine Schwangerschaft vorbereiteten, wurde in die Studie aufgenommen. Die Studienteilnehmer wurden über 12 Monate begleitet bis der zu Hause täglich durchgeführte Schwangerschaftstest (hCG-Test) positiv ausfiel. Bei Frauen mit einem positiven Test wurde die Begleitung von der zweiten Woche bis zur siebten post-konzeptionellen Woche ausgedehnt.

Bei 347 Studienteilnehmerinnen wurde der hCG-Test im Verlauf positiv. Nach Ausschluss von Test-positiven, nicht-schwangeren Frauen, blieben 341 Frauen übrig, die zwischen der zweiten bis siebten post-konzeptionellen Woche täglich ihre Symptome, vaginale Blutungen, Krämpfe im Unterbauch, Übelkeit und Erbrechen dokumentierten. Ein früher Schwangerschaftsverlust wurde über einen negativen Schwangerschaftstest, durch eine klinische Untersuchung oder mit dem Wiedereintreten der Regelblutungen in Abhängigkeit vom Schwangerschaftsalter dokumentiert. Für jedes klinische Zeichen wurde die kumulative Inzidenz und das damit verbundene Schwangerschafts-Risiko errechnet.

Von den schwangeren Teilnehmerinnen litten 85% unter abdominellen Krämpfen im Unterbauch, 48% unter Übelkeit, 46% unter Erbrechen. Bei 24% traten in der Frühschwangerschaft leichte bis mäßig starke vaginale Blutungen auf, bei 28% kam es zum Schwangerschaftsabbruch. Die kumulative Inzidenz für einen Schwangerschaftsverlust hing von den Symptomen ab und betrug 19% für Erbrechen, 27% für Krämpfe im Unterbauch, 35% für Übelkeit, 52% für vaginale Blutungen und 81% für mit Unterbauchkrämpfen assoziierte vaginale Blutungen. Die Inzidenz für einen Schwangerschaftsverlust war bei Schwangeren mit vaginalen Blutungen (Hazard Ratio (HR) 3,62, 95% KI 2,29-5,74) erhöht. Das Risiko war noch höher bei Frauen, die neben vaginalen Blutungen zusätzlich unter Unterbauchkrämpfen litten (HR 5,03, 95% KI 2,07-12,20). Die Inzidenz für einen Schwangerschaftsverlust nahm bei Frauen mit Erbrechen ab (HR 0,51, 95% KI 0,30-0,86), bei Erbrechen mit Unterbauchkrämpfen ging sie sogar noch weiter zurück (HR 0,24, 95% KI 0,11-0,56).

Mit Hilfe empfindlicher Schwangerschaftstests haben die Autoren die kumulative Inzidenz früher Schwangerschaftsabbrüche erfasst und ihre klinische Symptomatik charakterisiert. Sie glauben, dass es so möglich sein könnte, mit solchen Daten ein prognostisches Modell zur Einschätzung des Schwangerschaftsverlaufes zu entwickeln.

Kommentar

Fehlgeburten sind häufige Schwangerschaftskomplikationen mit einer Inzidenz von etwa 20%. Vaginale Blutungen führen im ersten Trimester zwischen 5% bis 43% zu einer nachfolgenden Fehlgeburt. Erstaunlicherweise ist wenig über die Risikofaktoren bekannt, die von der bedrohten Schwangerschaft zum Schwangerschaftsverlust führen. Die Autoren haben empfindliche Schwangerschaftstests eingesetzt und klinische Zeichen, über die in der frühen Schwangerschaft berichtet wird, erfasst. Krämpfe im Unterbauch zu Beginn der Schwangerschaft sind eher normal und weisen per se nicht unbedingt auf eine Gefährdung hin. Vaginale Blutungen sind jedoch, je nach Schwere, mit einer höheren Inzidenz für einen Schwangerschaftsabbruch belastet, besonders dann, wenn sie mit Unterbauchkrämpfen verbunden sind. Erbrechen führt im Gegenteil zu einem geringeren Schwangerschaftsabbruch-Risiko, Übelkeit alleine nicht. Während Unterbauchkrämpfe, die mit Blutungen verbunden sind, zu den meisten Abbrüchen führen, weisen Unterbauchkrämpfe mit Erbrechen die geringste Inzidenz auf. Zwei frühere Studien, die ebenfalls vor der Konzeption begonnen wurden, haben ebenfalls ergeben, dass vaginale Blutungen mit einem Schwangerschaftsabbruch assoziiert sind, wobei Übelkeit, und nicht Erbrechen wie in der aktuellen Studie, invers mit dem Schwangerschaftsverlauf verbunden waren. Es mag sinnvoll sein zu versuchen, mit klinischen Zeichen die Risiken einer Schwangerschaft zu erfassen, um die betroffenen Schwangeren nicht nur besser beraten, sondern vielleicht auch besser therapieren zu können.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Sapra, KJ et al. Signs and symptoms associated with early pregnancy loss: findings from a population-based preconception cohort. Hum Reprod 216 Mar 2 (epub ahead of print)
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