Beratung

Die Lungenembolie als Ursache für eine Synkope

Die Prävalenz von Synkopen bei Patienten mit einer Embolie ist nicht gut dokumentiert und die aktuellen Leitlinien legen in diesem Zusammenhang kein großes Gewicht auf die Abklärung einer möglichen Lungenembolie.

Die Autoren haben in 11 italienischen Krankenhäusern eine systematische Diagnostik der Lungenembolie bei Patienten mit einer ersten Synkope, unabhängig von möglichen anderen Ursachen, durchgeführt. Die Diagnose einer Lungenembolie wurde bei Patienten mit einer niedrigen Prä-Testwahrscheinlichkeit, die nach dem Wells Score in Kombination mit einem negativen D-Dimer-Test definiert wurden, ausgeschlossen. Bei allen anderen Patienten wurde eine pulmonale CT-Angiographie und ein Ventilations-Perfusions-Scan der Lunge durchgeführt.

Insgesamt wurden 560 Patienten (mittleres Alter 76 Jahre) in die Studie aufgenommen. Bei 333/560 Patienten (58,9%) konnte eine Lungenembolie auf Grund einer niedrigen Prä-Testwahrscheinlichkeit und eines negativen D-Dimer-Tests ausgeschlossen werden. Bei den verbleibenden 230 Patienten konnte bei 97 Patienten (42,2%) eine Lungenembolie diagnostiziert werden. In der Gesamt-Kohorte betrug die Prävalenz für eine Lungenembolie 17,3% (95% Konfidenzintervall 14,2-20,5). Bei 25% der Patienten betrug der Perfusionsdefekt mehr als 25% der gesamten Lunge. Eine Lungenembolie konnte auch bei 45/355 Patienten (12,7%) nachgewiesen werden, bei denen die Synkope durch alternative Ursachen erklärt werden konnte, bei 52/205 Patienten war dies nicht möglich.

Eine Lungenembolie konnte bei jedem sechsten Patienten nachgewiesen werden, der erstmals wegen einer Synkope stationär behandelt wurde.

Kommentar

Die Ursachen für eine Synkope sind vielfältig. Sie betreffen ein weites Spektrum neurologischer und kardialer Erkrankungen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass sowohl die  europäischen als auch die amerikanischen Leitlinien zur Diagnostik einer Synkope die Möglichkeit einer Lungenembolie im Rahmen der diagnostischen Aufarbeitung kaum  erwähnenswert finden. Die Ergebnisse der Autoren, dass bei jedem sechsten, wegen einer Synkope eingewiesenen Patienten eine Lungenembolie stattgefunden hat, sind deshalb unerwartet. Die Häufigkeit mag an der Selektion der hospitalisierten Patienten liegen, die neben einer Synkope auch noch weitere Krankheiten (Thrombose, Tachkardie etc.) aufgewiesen haben. Vasovagale Synkopen oder orthostatische Synkopen dürften eher nicht zur stationären Behandlung eingewiesen worden sein. Die Prävalenzraten in der Praxis dürften deshalb niedriger liegen. Trotzdem sollte vor allem bei älteren Patienten mit und ohne Vorerkrankungen bei einer Synkope auch an die Möglichkeit einer Lungenembolie gedacht werden. Sie scheint, jedenfalls häufiger als erwartet aufzutreten.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Prandoni, P et al. Prevalence of pulmonary embolism among patients hospitalized for syncope. N Engl J Med 2016 Oct 20; 375: 1524
Moya, A et al. Guidelines for the Diagnosis and Management of Syncope. (Version 2009). Eur Heart J 2009 Nov; 30(21): 2631-71
Strickberger, SA et al. AHA/ACCF Scientific Statement on the evaluation of syncope: from the American Heart Association Councils on Clinical Cardiology, Cardiovascular Nursing, Cardiovascular Disease in the Young, and Stroke, and the Quality of Care and Outcomes Research Interdisciplinary Working Group; and the American College of Cardiology Foundation: in collaboration with the Heart Rhythm Society: endorsed by the American Autonomic Society. Circulation 2006 Jan 17; 113(2): 316-27

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