Beratung

Schlaf-Bruxismus und Angststörungen bei Kindern

Mit Bruxismus wird das Knirschen, Aufeinanderreiben und Aufeinanderpressen beider Kiefer
bezeichnet. Dies führt zu einem Abschleifen der Zahnoberfläche und einer Belastung des temporo-mandibulären Halteapparates. In der Literatur wird dies auch als temporo-mandibuläre Dysfunktion bezeichnet.

Die Ätiologie des Bruxismus ist komplex. Bruxismus wird besonders häufig mit emotionalen Störungen, Stress und Angst verbunden.

Jetzt haben brasilianische Autoren das Ausmaß der Angststörung an 84 Kindern im Alter zwischen 6-8 Jahren (45 Mädchen, mittleres Alter 7,1±0,5 Jahre; 39 Jungen, mittleres Alter 7,3±0,4 Jahre) mit (MB) und ohne Bruxismus (OB) miteinander (42 MB und 42 OB) verglichen. Zur Diagnose des Schlaf-Bruxismus wurden die Minimal-Kriterien A plus B der American Academy of Sleep Medicine (AASM) verwandt:

A: Der Patient beschwert sich über Zähneknirschen im Schlaf.
B: Eins von den nachfolgenden Zeichen wird wahrgenommen: Abnormer Abrieb der Zähne, Geräusche, die mit einem Bruxismus verbunden sind oder Beschwerden im Bereich der Kaumuskulatur.

Im Ergebnis zeigten die Daten auf der Angstskala (State-Trait Anxiety Inventory for Children – STAIC) einen deutlichen Unterschied zwischen den Kindern MB und OB (41,3 versus 33,7). Bei der Analyse der einzelnen Items zeigten sich auch deutliche Verhaltensunterschiede zwischen Kindern MB und OB. Kinder MB waren unruhiger, sorgten sich eher um die Schule und waren vergesslicher als Kinder OB.

Kommentar

Schlaf-Bruxismus (SB) ist eine häufig im Kindesalter (und Erwachsenenalter) auftretende Störung. Bruxismus kann zu Zahnschäden, Kopf- und Muskelschmerzen und zu temporo-mandibulären Dysfunktionen (TMD), das heißt zu gestörten Gelenkverbindungen zwischen Ober- und Unterkiefer führen. SB ist, wie die aktuelle Studie und mehrere andere Studien zeigen, nicht nur eine Frage abgeschliffener Zähne, sondern offenbar häufig auch mit einer Vielzahl weiterer Co-Morbiditäten (z.B. nächtliche Atemstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Unruhe, Depressionen, Angststörungen) assoziiert.

Viele Eltern sind irritiert, wenn ihre Kinder nachts mit den Zähnen reiben, knirschen und pressen. Dies kann für das Milchgebiss im Rahmen des kindlichen Wachstums normal sein. Sobald aber die ersten bleibenden Zähne im sechsten Lebensjahr kommen, sollte das Zähneknirschen beendet sein. Bei der Mundinspektion in der Praxis lassen oft Schleifspuren auf den Zähnen einen Bruxismus vermuten, der von den Eltern in der Sprechstunde nur selten erwähnt und wahrscheinlich auch oft von ihnen nicht wahrgenommen wird.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie von Oliveira et al. entsprechen der in der vorhandenen Literatur diskutierten Beziehung zwischen Bruxismus und Persönlichkeits- und Stressfaktoren bei Kindern (und Erwachsenen). Das gesellschaftliche Gefüge scheint, sich in einer Vielzahl von Erkrankungen und auch an den Zähnen widerzuspiegeln.   

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Oliveira, MT et al. Sleep bruxism and anxiety level in children. Braz Oral Res 2015; 29(1):1-5
Rossini, G et al. Risk factors related to sleep bruxism in children: A systematic literature review. Arch oral Biol Nov 2015; 60(11): 1618-1624

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