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Vitamin D zur Prävention der Demenz?

Vitamin D-Mangel ist eine weltweite Epidemie mit zunehmender Tendenz. Die aktuellen Schätzungen gehen von einer Milliarde betroffener Menschen aus. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Einflüsse von Vitamin D auf den menschlichen Organismus weit über die „Knochen-Gesundheit“ hinausgehen. Vitamin D-Rezeptoren sind in den meisten Körperzellen vorhanden. Vitamin D scheint, auch eine regulatorische und protektive Rolle im Gehirn zu spielen. In epidemiologischen Studien konnte gezeigt werden, dass die Vitamin D-Hypovitaminose eng mit neurologischen Funktionsstörungen und kognitivem Verfall assoziiert ist.

Die Alzheimer’sche Erkrankung (AE) ist die weltweit häufigste Ursache für eine Alters-Demenz, gefolgt von der vaskulären Demenz. Bei der AE lagern sich mit fortschreitendem Verlauf Amyloid-beta-Peptide [genauer Amyloid-beta 40 (Aß40) und Amyloid-beta 42 (Aß42)] im Gehirn ein. Nach Schätzungen sind 0,3% der 60-69-jährigen, 3,2% der 70-79-jährigen und 10,8% der 80-89-jährigen von dieser Krankheit betroffen, die sich in drei Verlaufsphasen gliedert: 1) Gedächtnisschwund und vermindertes Lernvermögen; 2) Sprachstörungen, Sinnestäuschungen und Orientierungslosigkeit; 3) vollständiger Verlust der Sprache, des Gedächtnisses und der Körperkontrolle.

Vitamin D übt seine Wirkung über Vitamin D-Rezeptoren (VDR) aus, die besonders an Neuronen und Glia-Zellen in den mit der Kognition besonders verbundenen Regionen ausgeprägt sind. Vitamin D scheint, die Plasmaspiegel von Aß40 bei älteren Erwachsenen zu erhöhen, was auf einen Rückgang an Aß40 im Gehirn schließen lassen könnte. Eine aktuelle Studie bestätigt diesen Verdacht. Guo et al. konnten zeigen, dass das aktivierte Vitamin D3 (1,25(OH)2D3) die VDR in vivo und in vitro hochreguliert. Aktiviertes Vitamin D 3 reguliert den zerebralen Aß40-Spiegel über die Ausschüttung der Aß40-Peptide in die Blutbahn. Vitamin D trägt auch zur Synthese neurotroper Faktoren, zur neuronalen Differenzierung und Reifung bei. Darüber hinaus reguliert Vitamin D die genetische Expression von unterschiedlichen Neurotransmittern wie Acetylcholin, Dopamin, Serotonin und 𝛄-aminobuttersäure. Es wird vermutet, dass Vitamin D auch bei neurodegenerativen Erkrankungen einen protektiven Effekt besitzt.

Über positive Auswirkungen von Vitamin D auf den kognitiven Abbau im Alter wurde bisher in mehreren Quer- und Längsschnittstudien berichtet. Niedrige Vitamin D-Spiegel konnten mit Hirnveränderungen, Einschränkungen der Wahrnehmung und vor allem mit einem Abbau von Exekutivfunktionen assoziiert werden. In epidemiologischen Studien wurde ein konsistenter Zusammenhang zwischen einer unzureichenden Vitamin D-Aufnahme, kognitiven Funktionsstörungen und der AE nachgewiesen. Beobachtungen haben gezeigt, dass die Kognition älterer Chinesen ≥ 60 Jahre mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln, die über 2 Jahre begleitet wurden, nach Gabe von Vitamin D-Supplementen über mehrere Monate verbessert werden konnte. Im Vergleich zur Quartile mit den höchsten Vitamin D-Spiegeln betrug die Odds Ratio für den Kognitionsverlust für die Quartile mit den geringsten Vitamin D-Spiegeln 2,0 (95% KI 1,2-3,3). Wenn auch die Daten auf einen Zusammenhang weisen, konnte die zentrale Frage, ob eine Kausalität zwischen einem Vitamin D-Mangel und einem Kognitionsverlust besteht, bisher aber noch nicht eindeutig geklärt werden. Dazu fehlen randomisierte Doppelblind-Studien, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken müssten.

Es mag trotz nicht gesicherter Beweislage vernünftig sein, vor allem im Alter (aber nicht nur da) für ausreichende Vitamin D-Spiegel zu sorgen, um den altersabhängigen Kognitionsverlust möglicherweise zu verlangsamen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Keeney, JT, Butterfield, DA. Vitamin D deficiency and Alzheimer disease: Common links. Neurobiol Dis 2015 Dec; 84: 84-98
Annweiler, C. Vitamin D in dementia prevention. Ann NY Acad Sci 2016 Mar; 1367(1): 57-63
Etgen, T et al. Vitamin D deficiency, cognitive impaiment and dementia: a systematic review and meta-analysis. Dement Geriatr Cogn Disord 2012; 33(5): 297-305
Miller, BJ et al. Vitamin D Supplementation Appears to Increase Plasma Aß40 in Vitamin D Insufficient Older Adults: A Pilot Randomized Controlled Trial. J Alzheimers Dis 2016 Mar 31; 52(3): 843-7
Matchar, DB et al. Vitamin D Levels and the Risk of Cognitive Decline in Chinese Elderly People: the Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2016 Jul12 (epub ahead of print)

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