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Gibt es im frühen Kindesalter eine Verbindung zwischen den Serum-Lipiden und dem Serum-Vitamin D-Spiegel?

Kardio-vaskuläre Erkrankungen gehören in den westlichen Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen. Bisherige Daten sprechen für den Beginn arteriosklerotischer Erkrankungen bereits im frühen Kindesalter. Risikofaktoren für eine Arteriosklerose sind veränderte Blutlipide, zum Beispiel erhöhte Low-Density-Lipoproteine (LDL), die bereits früh nachgewiesen und bis ins Erwachsenenalter verfolgt werden können.

Untersuchungen im späteren Kindes- Jugend- und Erwachsenenalter scheinen, für einen Zusammenhang zwischen niedrigen Serum-Vitamin D-Spiegeln und kardio-vaskulären Risikofaktoren zu sprechen. In fast allen Körperzellen konnte wie auch in den Gefäßen ein Vitamin D-Rezeptor nachgewiesen werden.  Ein erhöhter Blutdruck, ein niedriges HDL-Cholesterin, eine Insulin-Resistenz und eine Adipositas tragen zur späteren Arteriosklerose bei.

Unter Bezugnahme auf die bereits vorhandenen Ergebnisse haben die Autoren jetzt untersucht, ob bereits im frühen Kindesalter ein Zusammenhang zwischen dem Serum-Vitamin D-Spiegel und dem Serum-Non-HDL-Cholesterin nachgewiesen werden kann.

Im Rahmen einer Querschnittstudie konnten zwischen 2008-2011 gesunde Kinder (n=1.961) im Alter zwischen 1-5 Jahren, die eine Praxis des TARGet Kids!-Netzwerks zur Vorsorge-Untersuchung aufgesucht hatten, rekrutiert werden.  Primäres Ergebnisziel der Studie war die Erfassung einer möglichen Beziehung zwischen 25(OH)D und dem nicht nüchtern abgenommenen Non-HDL-Cholesterin, dem Gesamt-Cholesterin, den Triglyceriden, dem HDL(high density)- und dem LDL(low density)-Cholesterin. Bei der Auswertung wurden in einer linearen Regressionsanalyse Alter, Geschlecht, Hautpigmentierung, Milch-Konsum, Vitamin D-Supplementierung, die Jahreszeit, der Body-Mass-Index, das Freizeitverhalten sowie die Bildschirmzeit berücksichtigt.

Im Ergebnis war ein Anstieg von 10 nmol/L 25(OH)D (entsprechend 4ng/ml) mit einem Abfall von Non-HDL-Cholesterin um 0,89 mg/dl (95% KI -1,16, -0,50), von Gesamt-Cholesterin um -1,08 mg/dl (95% KI -1,49, -0,50) und von Triglyceriden um -2,34 mg/dl (95%KI -3,23, -1,45) verbunden. Die Beziehungen zwischen 25(OH)D, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin waren statistisch nicht signifikant. Insgesamt waren aber die 25(OH)D-Serumkonzentration invers mit den zirkulierenden Serum-Lipiden assoziiert.

Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen, dass eine frühe und unzureichende Vitamin D-Exposition ein modifizierbarer Risikofaktor für das spätere kardio-vaskuläre Risiko sein könnte.

Kommentar: Die Messung von Non-HDL-Cholesterin (Non-HDL-C) im Kindesalter gilt heute als wichtiger Indikator für das spätere kardio-vaskuläre Risiko. Die von den Autoren gemessene Höhe des Non-HDL-C spiegelt gegenüber den Einzelmessungen von HDL und LDL den  Cholesteringehalt aller atherogenen Lipoproteine wider und bleibt von der Nahrungsaufnahme weitestgehend unbeeinflusst.  Kinder müssen deshalb vor der Blutentnahme nicht nüchtern sein, was einen Vorteil für die Praxis bedeutet. Die Bestimmung des Non-HDL-C im Serum (Gesamt-Cholesterin minus HDL-C) wird als allgemeiner Screening-Test bei Kindern zum Ausschluss einer Dyslipidämie (amerikanisches „National Heart Lung and Blood Institute“ und „American Academy  of Pediatrics“) empfohlen. Hyperlipidämien sollten zur Prävention der Arteriosklerose bereits im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert werden. Die bisherigen Ergebnisse epidemiologischer Studien, wie die der Autoren, lassen vermuten, dass erhöhte Non-HDL-C-Spiegel im Kindesalter mit einem erhöhten späteren kardiovaskulären Risiko verbunden sind. Es gibt auf Grund von Autopsie-Studien (Bogalusa Heart Study) keine Zweifel darüber, dass die Arteriosklerose bereits im Kindes- und Jugendalter mit Gefäßveränderungen in der Aorta und/oder Koronargefäßen beginnt und die Prävention im frühen Kindesalter ansetzen muss. In der „Cardiovascular Risk in Young Finns Study“ konnte zum einen gezeigt werden, dass die im Alter zwischen 12 bis 18 Jahren gemessene Carotis intima (Halsschlagader)-Dicke auf die Carotis intima-Dicke im Erwachsenenalter und damit auf das Arteriosklerose-Risiko schließen lässt, zum anderen, dass niedrige Vitamin D-Serumspiegel im Kindesalter mit einer erhöhten Carotis-Intima-Dicke im Erwachsenenalter verbunden sind.  Epidemiologische Studien, wie die aktuelle Querschnittstudie von Birken et al., lassen einen Kausalzusammenhang zwischen dem kindlichen Vitamin D-Serumspiegel und dem Lipidprofil vermuten. Man kann hoffen, dass in zukünftigen prospektiven Studien bestätigt oder ausgeschlossen werden wird, ob eine Modifikation des Vitamin D-Spiegels im frühen Kindesalter einen ursächlichen Einfluss auf das Lipidprofil besitzt und damit zur Prävention kardio-vaskulärer Erkrankungen im Erwachsenenalter beitragen kann.  Ein generelles, zumindest einmaliges Lipidscreening für Kinder wird nicht nur in den amerikanischen, sondern auch in den deutschen Leitlinien empfohlen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Birken, CS et al. Association between Vitamin D and Circulating Lipids in Early Childhood. PLoS One 2015 Jul 15, 10(7): e0131938
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