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Der Einfluss intellektueller Aktivität auf das Demenz-Risiko

In mehreren Kohorten-Studien wurde bereits über die Verbindung zwischen kognitiver Aktivität und einem verminderten Demenz-Risiko berichtet. Die Autoren der aktuellen Studie sind der Frage nachgegangen, ob die intellektuelle Aktivität im späten Lebensalter mit einem geringeren Demenz-Risiko, unabhängig von einem gesunden Lebensstil (regelmäßige körperliche Aktivität, Konsum von Früchten und Gemüse, Nicht-Rauchen) und anderen sozio-demographischen Faktoren, verbunden ist. Hierzu haben sie eine longitudinale Beobachtungsstudie in allen „Elderly Health Centres“ der Regierung von Hongkong an 15.582 Chinesen durchgeführt, die zu Studienbeginn 65 Jahre oder älter und frei von Demenz waren. Die Ausgangsbewertungen wurden zwischen dem 1. Januar bis 30. Juni 2005 und die Folgebewertungen zwischen dem 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2012 durchgeführt.

Hauptziel war die Erfassung einer von geriatrischen Psychiatern diagnostizierten Demenz, die in Übereinstimmung mit der Internationalen Klassifikation der Krankheiten oder einer klinischen Demenzbewertung in den Stufen von 1 bis 3 durchgeführt wurde. Beispiele für intellektuelle Aktivitäten, die durch ein lokal validiertes Klassifizierungssystem beschrieben wurden, waren das Lesen von Büchern, Zeitungen oder Zeitschriften, die Teilnahme an Brett- oder Kartenspielen und an Wetten bei Pferderennen. Andere wichtige Variablen wie Demografie (Alter, Geschlecht und Bildungsniveau), physische und psychiatrische Komorbiditäten (kardiovaskuläre Risiken, Depressionen, Seh- und Hörbehinderungen und schlechte Mobilität) und Lebensstilfaktoren (körperliche Bewegung, angemessene Obst- und Gemüseaufnahme, Rauchen sowie Freizeit- und soziale Aktivitäten) wurden dabei berücksichtigt und bewertet.

Von den 15.582 Probanden waren 9.950 (63,9%) Frauen. Das mittlere Alter bei Studienbeginn betrug 74 Jahre (interquartile Spanne 71-77 Jahre). Insgesamt 1.349 Personen (8,7%) entwickelten während der medianen Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren eine Demenz. Die Probanden, die eine Demenz entwickelten, unterschieden sich nicht in ihren sozialen und Freizeit-Aktivitäten von denen, die nicht erkrankten. Ein höheres Alter, weibliches Geschlecht und ein niedrigeres Bildungsniveau zu Studienbeginn waren mit weniger Aktivitäten verbunden. Mit einer multivariablen logistischen Regressionsanalyse konnte gezeigt werden, dass die Odds Ratio (OR) für eine spätere Demenz-Erkrankung (OR 0,71, 95% KI 0,60-0,84; P <0,001) für diejenigen, die sich intellektuell beschäftigten, bei Studienbeginn um 29% erniedrigt war. Diese Verbindung konnte auch nicht über eine inverse Kausalität erklärt werden, dass Teilnehmer mit einer zu Studienbeginn vorhandenen präklinischen Demenz sich nicht mehr intellektuell engagierten.

Die Teilnahme an intellektuellen Aktivitäten trägt im Alter dazu bei, das Demenz-Risiko zu verringern und ihren Eintritt zu verzögern.

Kommentar:

Die aktuellen Ergebnisse von Lee et al. sind konsistent mit älteren epidemiologischen Untersuchungen. Intellektuelle Betätigung ist auch im höheren Lebensalter mit besseren kognitiven Funktionen verknüpft. Die Autoren haben in ihrer Analyse Einflussfaktoren berücksichtigt (Gesundheits- und Sozialverhalten), die Einfluss auf das Ergebnis nehmen konnten. Sie haben gezeigt, dass intellektuelle Aktivität das Demenz-Risiko im Alter verringert. Dabei haben sie sich auch mit dem Problem der „Reverse Causation“ auseinandergesetzt, indem sie Studienteilnehmer, die innerhalb von 3 Jahren eine Demenz entwickelten hatten, von der Analyse ausgeschlossen haben. Eine geringe Beteiligung an kognitiven Aktivitäten kann bereits das Ergebnis und nicht der Beginn einer Demenz sein. Ein Rückgang des Demenz-Risikos konnte nicht in gleichem Maße für Aktivitäten mit nicht-intellektuellen Herausforderungen nachgewiesen werden. Aktuelle Daten aus einer MRI-Studie von Suo et al. zeigen, dass progressives Resistance Training und Wahrnehmungstraining die allgemeine Kognition über eine verstärkte funktionale Konnektivität zwischen Hippocampus, Gyrus cinguli und dem frontalen Cortex verbessern. Beide, körperliches und kognitives „Lifestyle Training“, im Lebensverlauf und selbst noch im Alter, nehmen über unterschiedliche neurologische Pfade Einfluss auf Hirnstruktur und Wahrnehmung, die sie unabhängig voneinander beeinflussen und verbessern können. Dies sind vorläufige Ergebnisse, die zur Bestätigung weiterer randomisierter Studien bedürfen, um für eine alternde Bevölkerung therapeutische Ziele zu definieren, die von erheblichem individuellen und gesellschaftlichen Interesse sind.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Lee ATC et al. Association of Daily Intellectual Activities with Lower Risk of Incident Dementia Among Older Chinese Adults. JAMA Psychiatry 2018 Jul 1; 75(7): 697-703
Blacker, D, Weuve, J. Brain Exercise and Brain Outcomes: Does Cognitive Activity Really Work to Maintain Your Brain. JAMA Psychiatry 2018 Jul 1; 75(7): 703-704
Sajeev, G et al. Late-life cognitive activity and dementia: a systematic review and bias analysis. Epidemiology 2016; 27(5): 732-742
Suo, C et al. Therapeutically relevant structural and functional mechanisms triggered by physical and cognitive exercise. Mol Psychiatry 2016; 21(11): 1633-1642

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