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Verstanden
Beratung

Sind Krankengymnastik und Orthesen-Management bei Patienten mit einer idiopathischen Skoliose im Jugendalter gleich wirksam?

Die idiopathische Skoliose im Jugendalter (ISJ) ist mit einer Abweichung von wenigstens 10 Grad und rotierten Wirbelkörpern die häufigste, etwa ab 10 Jahren oder später im Jugendalter auftretende Form der Skoliose. Etwa 10% der Betroffenen benötigen entweder eine konservative oder chirurgische Therapie. In leichten bis mäßig schweren Fällen werden eine weitere Beobachtung, krankengymnastische Übungen oder eine Orthesen-Behandlung empfohlen. Eine Reihe Studien zur konservativen Behandlung der ISJ sprechen für die Wirksamkeit konservativer Maßnahmen (Orthesen-Management und/oder Übungsbehandlung). Es fehlen noch randomisierte Studien, in denen die Wirksamkeit der Orthesen-Behandlung mit der krankengymnastischen Übungsbehandlung verglichen wird. Die Studienautoren haben eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie mit dem Ziel durchgeführt, die Wirksamkeit der Orthesen-Behandlung mit der krankengymnastischen Übungsbehandlung zu vergleichen.

Zur Aufnahme in die Studie wurden die von der „Scoliosis-Research-Society“ (SRS) und von der „International Society on Scoliosis Orthopedic and Rehabilitation Treatment“ (SOSORT) empfohlenen Einschlusskriterien angewendet. Die in die Studie eingeschlossenen Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Orthese-Gruppe oder der Übungsgruppe zugeordnet. Den Patienten in der Orthese-Gruppe wurde eine starre Thorako-Lumbosakrale-Orthese verordnet, die 23 h/Tag getragen werden sollte. Die Patienten in der Übungsgruppe wurden nach dem Protokoll „Scientific Exercise Approach to Scoliosis“ behandelt. Alle 6 Monate wurden Daten zur Rumpfneigung, zum Cobb-Winkel, zur Schulterbalance, zum Körperbild und zur Lebensqualität (QoL) erhoben.

An der Studie nahmen 24 Patienten in der Orthese-Gruppe und 29 Patienten in der Übungsgruppe teil. Im Gruppen-Vergleich zeigte die Orthese-Gruppe bessere Ergebnisse bei der Korrektur der Wirbelsäulenkrümmung (Cobb-Winkel in den ersten 12 Monaten der Intervention, P = 0,039), bei der QoL (P < 0,001) und bei der psychischen Gesundheit (P < 0,001). Die Ergebnisse der Körpersymmetriebewertung unterschieden sich nicht signifikant voneinander. Die Gesamtpunktzahl (P < 0,001) war höher als in der Übungsgruppe. Für den gruppeninternen Vergleich verbesserten sich die Parameter der Wirbelsäulenkrümmung (Baseline vs. 12 Monate, P < 0,03 in der Übungsgruppe und P < 0,001 in der Orthese-Gruppe). Insgesamt verbesserten sich in beiden Gruppen QoL (Baseline vs. 12 Monate, P < 0,001) und TAPS (Trunk Appearance Perception Scale; Baseline vs. 12 Monate, P < 0,033) signifikant über den untersuchten Zeitraum. Die Schulterbalance (Baseline vs. 12 Monate, P < 0,005) zeigte nur in der Orthese-Gruppe eine signifikante Verbesserung.

Mit beiden Interventionen konnte bei der ISJ ein signifikanter Behandlungserfolg erzielt werden. Die Orthese-Therapie war der krankengymnastischen Übungsbehandlung bei der Korrektur der Wirbelsäulenkrümmung und Körpersymmetrie überlegen und mit ihr konnte ein besseres ästhetisches Ergebnis erreicht werden. Über eine bessere QoL wurde im Hinblick auf den funktionellen und psychologischen Status von den Teilnehmern der Übungsgruppe im Vergleich zur Orthese-Gruppe berichtet.

Kommentar:

Es ist schwierig, randomisierte Studien mit Skoliose-Patienten durchzuführen, da viele Eltern die Behandlung ihres Kindes nicht dem Zufall einer Randomisierung überlassen wollen. Dies mag erklären, warum bisher nur wenige randomisierte Studien veröffentlicht werden konnten. Die Studie von Zheng weist im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen eine geringe Abbrecherquote (10% in der Orthese-Gruppe, 3% in der Übungsgruppe) auf. Dies mag daran liegen, dass beide Arme Interventionsarme sind und im Bewusstsein der Patienten und ihrer Eltern in beiden Gruppen etwas gegen die Skoliose getan wurde. In beiden Therapie-Armen verbesserte sich die Krümmung der Wirbelsäule, in der Orthese-Gruppe mehr als in der Übungsgruppe. Beide Therapieformen haben sich als wirksam erwiesen und vielleicht mag es auch sinnvoll sein, beide Therapieformen für bessere Ergebnisse miteinander zu kombinieren. Hierüber liegen allerdings noch keine Daten vor. Die Studiendauer betrug in der aktuellen Studie nur 12 Monate, und wir wissen auch noch nicht, ob der Rückgang der Wirbelsäulenkrümmung bis zum Abschluss des Wachstums erhalten bleibt. Da die Studie andauert, dürfen wir weitere Ergebnisse erwarten.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Negrini, S et al. Braces for idiopathic scoliosis in adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2015 Jun 18; (6): CD006850
Zheng, Y et al. Whether Orthotic Management and Exercise are Equally Effective to the Patients With Adolescent Idiopathic Scoliosis in Mainland China? Spine 2018; 43(9): E494-E503

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