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Verstanden
Beratung

Vitamin D in der Schwangerschaft

Schwangeren und stillenden Müttern wird in Großbritannien empfohlen, täglich 10 µg/Tag Vitamin D als Supplement einzunehmen, um sich vor einem Vitamin D-Mangel zu schützen. Während einige glauben, dass höhere Dosen nötig sind, stellen andere die Notwendigkeit insgesamt in Frage (z.B. National Institute for Clinical Excellence). Schottische Autoren haben in einer aktuellen Studie, die am Aberdeen Maternity Hospital zwischen 2000 bis 2006 durchgeführt wurde, die Compliance mit den britischen Empfehlungen untersucht. Dabei wurde auch der Einfluss der Jahreszeit, der Nahrung und der Gabe von Vitamin D-Supplementen auf den Vitamin D-Status Schwangerer (N=1205) und Neugeborener analysiert. Aberdeen liegt auf dem 57. Breitengrad Nord und besitzt nur eine geringe solare Exposition. Der Plasma-Vitamin D-Spiegel der Mütter wurde in der 19. Schwangerschaftswoche gemessen und der der Neugeborenen post partum.

Während der Schwangerschaft nahmen 21% (95% KI 18,5, 23,5) der Frauen Vitamin D-Supplemente bei einer medianen Aufnahme von 5 µg/Tag ein. Nur 0,6% der Schwangeren (95% KI 0,1, 1,0) hielten sich an die empfohlene Dosis von 10 µg/Tag. Die an die Jahreszeit angepasste Supplement-Gabe und die Ernährung erhöhten den mütterlichen Vitamin D-Spiegel (25(OH)D) um 10,5 nmol/L (95% KI 5,7, 15,2; p<0,001). Dies hatte keinen signifikanten Einfluss auf den Vitamin D-Spiegel im Nabelschnurblut. Den größten Einfluss auf den maternalen und Neugeborenen Vitamin D-Blutspiegel hatte die Jahreszeit der Geburt. Die geringsten Vitamin D-Blutwerte der Neugeborenen bei der sinusoidal verlaufenden Vitamin D-Blutspiegelkurve korrelierten mit dem Tiefststand der Sonne zwischen Dezember und Januar (11,7 nmol/L; 95% KI 10,4, 13,0 nmol/L), die höchsten Werte mit den maximalen Sonnenwerten zwischen Juni und Juli (38,5 nmol/L; 95% KI 34,7, 42,3 nmol/L). Auch die mütterlichen Vitamin D-Blutspiegel waren in hohem Maße von der Jahreszeit abhängig. Das mütterliche Kurven-Minimum von Dezember bis Januar betrug 31,3 nmol/L (95% KI 29,1, 33,6 nmol/L), das mütterliche Kurven-Maximum zwischen Juni und Juli betrug 51,7 nmol/L (95% KI 48,3, 55,2 nmol/L). Zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Vitamin D-Spiegel bestand nur eine geringe Verbindung.

Die Autoren schließen aus ihren Untersuchungen, dass mehr für eine angemessene Vitamin D-Versorgung in der Schwangerschaft getan werden sollte.

Kommentar: Die Prävalenz des Vitamin D-Mangels in westlichen Gesellschaften ist hoch. Vor allem Bevölkerungsgruppen, die sich verhüllen oder eine dunklere Hautfarbe besitzen, tragen ein allgemein hohes Mangel-Risiko. Schwangere sind ebenfalls gefährdet. Ein Vitamin D-Mangel von Schwangeren kann zu hypocalcämischen Krampfanfällen der Neugeborenen, zu Hirnschäden und Herzversagen führen. Sollten wir den Vitamin D-Spiegel in der Schwangerschaft und vielleicht bei allen Müttern nach der Geburt  bestimmen? Wie hoch soll der Vitamin D-Spiegel Schwangerer, wie hoch der Vitamin D-Spiegel stillender Mütter sein? Hierüber divergieren die Empfehlungen unterschiedlicher Institutionen. Wir wissen, dass ein Vitamin D-Mangel die mütterliche Gesundheit und die kindliche Entwicklung negativ beeinflusst. Wir wissen aber noch nicht genau, bei welchem Blutspiegel wir von einem Vitamin D-Mangel in der Schwangerschaft oder Stillzeit sprechen sollten.  Dies spiegelt sich in den unterschiedlichen Empfehlungen für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D während Schwangerschaft und Stillzeit verschiedener nationaler und internationaler Gesellschaften wider. Das britische NICE (National Institute for Health and Care Excellence) empfiehlt 400 IU, das amerikanische IOM (Institute of Medicine) 600 IU, die amerikanische „Endocrine Society“ 1500-2000 IU, die „Canadian Pediatric Society“ 2000 IU und der amerikanische „Congress of Obstetricians & Gynecologists“ 1000-2000 IU. Wahrscheinlich ist, dass der Bedarf bei den meisten Schwangeren und Stillenden unabhängig von den kurrenten Empfehlungen nicht nur in Schottland, sondern auch weltweit nicht gedeckt wird. Der Vitamin D-Mangel in Schwangerschaft und Stillzeit ist präventabel. Es fehlt aber eine einheitliche Strategie.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Haggerty, P et al. Vitamin D in pregnancy at high latitude in Scotland. Br J Nutr 2013 Mar 14, 109(5): 898-905
Avoidance of vitamin D deficiency in pregnancy in the United Kingdom: the case for a unified approach in National Policy. Br J Nutr Aug, 104(3): 309-314
Waterfield, T, Checuti-Ganado, C. Vitamin D Deficiency in Neonates – an under recognised and under treated problem. Arch Dis Child 2014, 99(Suppl 1): A1-A212
Davies, JH, Shaw, NJ. Preventable but no strategy: vitamin D deficiency in the UK. Arch Dis Child 2011, 96: 614-615

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