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Verstanden
Beratung

Beeinflusst der Vitamin D-Status in der Schwangerschaft das Multiple Sklerose-Risiko der Nachkommen?

Ein unzureichender Vitamin D-Status wurde in mehreren Studien als Faktor für ein Multiple Sklerose-Risiko (MS) und eine neuro-degenerative Erkrankung identifiziert. In einem Review mehrerer epidemiologischer Studien konnte gezeigt werden, dass Patienten mit einer MS häufiger vor allem in lichtärmeren Ländern im Frühjahr geboren wurden, was auf eine geringere Zufuhr von Vitamin D in utero hinweisen könnte. In zwei prospektiven Studien konnte nachgewiesen werden, dass erhöhte Vitamin D-Serumspiegel bei gesunden Erwachsenen mit einem verminderten MS-Risiko verbunden sind. In einer weiteren Studie an erwachsenen Frauen konnten diese Beobachtungen bestätigt werden.

Die Autoren führten eine in die finnische Maternitäts-Studien-Kohorte (FMK) eingebettete Fall-Kontroll-Studie durch, um zu untersuchen, ob der mütterliche Vitamin D-Status zu Beginn der Schwangerschaft einen Einfluss auf das MS-Risiko der Nachkommen hat. Die Autoren identifizierten 193 Personen mit einer MS-Diagnose vor dem 31. Dezember 2009, deren Mütter an der FMK-Studie teilgenommen hatten und denen Serum-Proben zu Beginn der Schwangerschaft entnommen worden waren. Insgesamt 176 Proben konnten mit 326 Kontrollen verglichen werden. Die Kontroll-Probanden kamen aus der gleichen Gegend, ihnen wurde im vergleichbaren Zeitraum Blut entnommen, das mütterliche Alter und die Geburt des Kindes waren vergleichbar. Ergebnisziel war die Bestimmung des MS-Risikos in Verbindung mit dem mütterlichen Vitamin D-Status während der Schwangerschaft.

Von den 193 an MS erkrankten Studienteilnehmern waren 163 weiblich (326 Kontroll-Probanden, 218 weiblich). Siebzig Prozent der Serumproben waren den Müttern im ersten Schwangerschaftsdrittel entnommen worden. Der mittlere mütterliche Vitamin D-Serumspiegel (SD) lag bei allen Müttern im Mangelbereich, aber höher bei den Fall-Kontroll-Müttern (13,86 ng/ml (SD 5,49) versus 15,02 (SD 6,41). Mütterliche Vitamin D-Serumspiegel unter 12,02 ng/ml in der frühen Schwangerschaft waren mit einem zweifach erhöhten MS-Risiko verbunden (RR (relatives Risiko) 1,90, 95% KI 1,20-3,01; P=0,006) im Vergleich zu Frauen, die keinen Vitamin D-Mangel aufwiesen. Zwischen zunehmenden Vitamin D-Serumspiegeln und der MS konnte keine Beziehung nachgewiesen werden.

Kommentar

Niedrige Vitamin D-Spiegel wurden bereits in der Vergangenheit mit einem erhöhten Multiple Sklerose Risiko assoziiert. Menschen, die an einer MS erkranken, sind eher im Frühjahr geboren. Die mangelnde UV-B-Exposition in den Wintermonaten und die damit verbundenen niedrigen Vitamin D-Spiegel während der Schwangerschaft wurden in mehreren Studien (Kanada, Dänemark, Schottland und Schweden) als kontribuierende Faktoren für den Ausbruch einer MS verantwortlich gemacht. Die finnische Studie bestätigt den Verdacht eines Zusammenhangs zwischen dem Vitamin D-Status der Mutter und dem höheren Risiko für das Auftreten einer MS bei ihren Nachkommen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle:  Kassandra, L et al. Vitamin D Status During Pregnancy and Risk of Multiple Sclerosis in Offspring of Women in the Finnish Maternity Cohort. JAMA Neurol 2016 March 07 (epub ahead of print)
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