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Verstanden
Beratung

Welche Rolle spielt die Vitamin D-Supplementierung bei akut auftretenden Frakturen?

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei der Calcium-Resorption im Darm und für die Entwicklung und Festigkeit des Skelettsystems. Hat Vitamin D einen Einfluss auf das Frakturrisiko und hilft Vitamin D bei der Behandlung akuter Frakturen?

In einem systematischen Review haben die Autoren versucht, die Prävalenz der Hypo-Vitaminose bei Fraktur-Patienten und die eventuelle Wirksamkeit einer Therapie mit Vitamin D-Supplementen zu ermitteln.

Aus den vorhandenen Studien wurde eine mittlere Prävalenz für eine Vitamin D-Hypovitaminose von 70% (95% KI 63,7%-76,0%, I2=97,7) errechnet. Der mittlere, nach einer Fraktur gemessene Serum-Vitamin D-Spiegel betrug 19,5 ng/ml. Studien, in denen die Wirksamkeit von Vitamin D als Supplement gemessen wurde, zeigen, dass die Gabe von Vitamin D zur Erhöhung des Serum-Vitamin D-Spiegels unbedenklich ist. Nur eine Vortragszusammenfassung (meeting abstract) berichtet bisher über einen Trend, dass es unter Vitamin D-Supplementierung zu einer weniger häufigen Heilungsstörung der Fraktur kommen könnte.

Kommentar:

Es ist erstaunlich, dass es bei einer so einfach scheinenden Frage auch im aktuellen Review keine eindeutige, sondern eher nur eine tendenzielle Antwort gibt. Die Antwort auf diese Frage ist nicht trivial, wenn man bedenkt, wie viele Menschen in Deutschland suboptimale (10-20 ng/ml: Männer 41,2%, Frauen 40,8%) oder mangelhafte Serum-Vitamin D-Spiegel (<10 ng/ml: Männer 15,50%, Frauen 17,00%) aufweisen. Mangelhafte Vitamin D-Spiegel werden mit Rachitis, Osteoporose, Myopathie, Hyperparathyreoidismus, schlechter Calcium-Resorption und vaskulärer Verkalkung assoziiert. Der Einfluss von Vitamin D auf ein vermindertes Frakturrisiko wurde bereits in einem Review von Cranney et al. untersucht. Die Ergebnisse von 15 Studien (Vitamin D3 700-800 IU täglich plus 500-1200 mg Calcium) zeigten bei älteren, im Heim lebenden Erwachsenen eine mäßige Evidenz.

Möglicherweise ist der Einfluss von Vitamin D auf das Frakturrisiko nur ein beeinflussender Faktor. Eine epidemiologische, in Oslo durchgeführte Studie von Torbergsen et al. hat gezeigt, dass Vitamin K-Mangel neben Vitamin D ein synergistisch wirkender, unabhängiger Risikofaktor für das Hüftfrakturrisiko sein könnte. Dieses Ergebnis entbehrt nicht der Plausibilität. Vitamin K ist als Cofaktor an der Aktivierung des von Osteoblasten und Odontoblasten gebildeten Osteocalcins beteiligt. Damit Osteocalcin Calcium in die Knochenstruktur einbinden kann, muss Osteocalcin erst durch die Vitamin K-abhängige, g-glutamyl-carboxylase aktiviert werden. Leider ist die Bestimmung von Vitamin K und von uncarboxyliertem Osteocalcin bisher nur wenigen spezialisierten Laboratorien vorbehalten, sodass in der Praxis noch keine ausreichenden Ergebnisse über einen Vitamin K-Mangel bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vorliegen. Inwieweit die Serum-Vitamin D-Spiegel und möglicherweise auch die Serum-Vitamin K-Spiegel das Frakturrisiko bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beeinflussen und ob nach einer Fraktur die Behandlung mit Vitamin D (und vielleicht auch mit Vitamin K?) die Heilung beschleunigt, wird in weiteren Studien geklärt werden müssen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Sprague, S et al. What is the Role Vitamin D Supplementation in Acute Fracture Patients? A Systematic Review and Meta-Analysis of the Prelalence of Hypovitaminosis D and Suppleatation Efficacy. J Orthop Traum 2016 Feb; 30(2): 53-63
Zittermann, A. The estimated benefits of vitamin D for Germany. Mol Nutr Food Res 2010 Aug; 54(8): 1164-71
Cranney, A et al. Effectiveness and safety of vitamin D in relation to bone health. Evid Rep Technol Assess (Full Rep) 2007 Aug; 158: 1-235

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