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Verstanden
Beratung

Beeinflusst die postmenopausale Hormontherapie das Alzheimer-Risiko?

Die Alzheimer’sche Erkrankung (AE) ist mit 60-80% die häufigste Form der Demenz-Erkrankung. Frauen leiden häufiger unter einer Demenz, was teilweise der höheren Lebenserwartung, vielleicht aber auch dem Abfall der Sexualhormone mit der Menopause geschuldet sein mag. Im Tierversuch wurde ein neuroprotektiver Einfluss von Östrogenen beobachtet, der aber in klinischen Studien bisher nicht bestätigt werden konnte. Einige observationale Studien lassen vermuten, dass eine mit der Menopause beginnende Hormontherapie (HT) vielleicht einen präventiven Einfluss auf die AE ausüben könnte. Die Ergebnisse der „Leisure World Kohorten-Studie“ haben auf ein reduziertes AE-Risiko unter einer Hormontherapie hingewiesen, das in seiner Wirksamkeit von der eingenommenen Dosis und der Therapiedauer abhängig war. Die Autoren haben jetzt den Zusammenhang zwischen HT und der AE in einer prospektiven, longitudinalen Studie untersucht.

Die über 25 Jahre reichenden Daten wurden der finnischen „Kuopio Osteoporosis Risk Factor and Prevention Study Cohort“ entnommen. Allen Frauen im Alter zwischen 47-56 Jahren, die in der Provinz Kuopio wohnten, wurde zwischen 1989 und bis einschließlich 2009 alle 5 Jahre ein Fragebogen zugesandt, den sie ausfüllen mussten. Ab 1995 waren Daten über eine Hormontherapie über ein zentrales Register vorhanden. Wahrscheinliche AE wurden auf der Grundlage von DSM-IV-Kriterien über eine Datenbank der Krankenversicherung zwischen 1999-2009 erfasst. In die Studienpopulation wurden 8.195 Frauen eingeschlossen, davon 227 Frauen mit einer AE.

Das durchschnittliche Alter für Frauen mit einer AE betrug 72,3 Jahre (Spanne 59,2-78,6 Jahre). Die postmenopausale Einnahme von Östrogenen war weder in den Fragebögen (Hazard Ratio; HR 0,92; 95% KI 0,68-1,2), noch im Diagnose-Register (HR 0,99; 95% KI 0,75-1,3) mit einem AE-Risiko verbunden. Die von den Frauen über die Fragebögen angegebene Langzeit-Hormontherapie wies auf ein verringertes AE-Risiko (HR 0,53; 95% KI 0,31-0,91) hin. Ähnliche Ergebnisse wurden für Demenz-Erkrankungen aus anderer Ursache mit den Entlassungsregistern der Krankenhäuser erzielt.

Trotz des beobachteten Abfalls des AE-Risikos bei einer Langzeiteinnahme von Östrogenen lassen diese Ergebnisse noch keinen gesicherten Schluss über eine mögliche protektive Wirkung von Östrogenen auf die Inzidenz von Demenzerkrankungen zu.

Kommentar

Vor einigen Jahrzehnten war die postmenopausale Hormonersatz-Therapie das Allheilmittel zur Verringerung des weiblichen Alterungsprozesses. In nachfolgenden Studien konnte der vermutete gesundheitliche Nutzen zur Prävention des kognitiven Abbaus nicht bestätigt werden. Die bilaterale Oophorectomie vor der natürlichen Menopause führt zu einem Anstieg kognitiver Beeinträchtigungen, dessen Risiko mit einer Östrogen-Ersatztherapie verringert werden kann. In der frühen Menopause durchgeführte Studien zur Hormonersatz-Therapie konnten im Gegensatz zu den ersten Studien, die im höheren Lebensalter durchgeführt worden waren, positive Einflüsse auf die Kognition nachweisen. Die Frage, ob eine Hormontherapie den Ausbruch einer AE hinauszögern oder vielleicht verhindern kann, konnte auch durch die Studie von Imtiaz et al. nicht zweifelsfrei geklärt werden und bedarf weiterer Untersuchungen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Imtiaz, B et al. Postmenopausal hormone therapy and Alzheimer disease: A prospective cohort study. Neurology 2017 Feb 15 (epub ahead of print)
Wroolie, TE et al. Cognitive Effects of Hormone Therapy Continuation or Discontinuation in a Sample of Women at Risk for Alzheimer Disease. Am J Geriatr Psychiatry 2015 Nov; 23(11): 1117-1126
Davey, DA. Prevention of Alzheimer’s disease, cerebrovascular disease and dementia in women: the case for menopause hormone therapy. Neurodegener Dis Manag 2017 Feb; 7(1): 85-94
Pines, A. Alzheimer’s disease, menopause and the impact of the estrogenic environment. Climacteric 2016 Oct; 19(5): 430-432

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