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Verstanden
Beratung

Tee ist eines der weltweit am häufigsten konsumierten Getränke. Tee enthält eine Vielzahl unterschiedlicher Polyphenole, besonders aber Flavanol-3-ol-Derivate. Den Flavanol-3-olen, die im Tee und im Kakao reichlich vorhanden sind, wird ein hoher gesundheitlicher Wert zugeschrieben. Sie fangen Sauerstoffradikale ab, verhindern die durch freie Sauerstoffradikale ausgelösten Oxidationen, erhöhen die NO-Konzentration der Gefäße und verhindern oder verzögern arteriosklerotische Veränderungen im Gefäßsystem. Besitzen Tee-Polyphenole einen Einfluss auf die Inzidenz ischämischer Herzerkrankungen? In einigen prospektiven Studien konnte ein positiver Einfluss nachgewiesen werden, der durch andere Studien nicht bestätigt wurde. Da die meisten Studien bisher nur mit geringen Fallzahlen durchgeführt wurden, haben die Autoren Daten der China Kadoorie Biobank (CKB) verwendet.

Für die CKB-Studie wurden 512.891 Teilnehmer im Alter zwischen 30-79 Jahren zwischen 2004 und 2008 aus fünf urbanen und fünf ländlichen Regionen Chinas rekrutiert. Nach Ausschluss von Männern und Frauen mit Krebs-, Herz- und Schlaganfallerkrankungen konnten 199.293 Männer und 288.082 Frauen im Alter zwischen 30-79 Jahren in die Studie übernommen und ihre Ergebnisse ausgewertet werden. In einem Fragebogen zu Studienbeginn wurde die Häufigkeit des Teekonsums in den letzten 12 Monaten in 5 Kategorien (nie, nur gelegentlich, zu definierten Zeiten (monatlich, wöchentlich, wenigstens einmal pro Woche) und die Tage (1-2 Tage/Woche; 3-5 Tage/Woche oder jeden Tag), an denen in der Woche Tee und welche Menge getrunken wurde, abgefragt.

Von den 487.375 Studienteilnehmern berichteten 128.280 (26,3%), dass sie fast jeden Tag Tee konsumieren. Im Vergleich zu Teilnehmern, die in den letzten 12 Monaten keinen Tee getrunken hatten, waren tägliche Teetrinker jünger, lebten in Städten, rauchten und tranken Alkohol. Sie benutzten auch mehr Teeblätter. Grüner Tee war die am häufigsten getrunkene Sorte bei den täglichen Teetrinkern. Während der 7,2-jährigen Nachverfolgung traten 24.665 Fälle einer ischämischen Herzerkrankung (IH) auf (7,19 Fälle/1000 Personenjahre) und 3.959 Fälle größerer koronarer Ereignisse (GKE; eingeschlossen 2.601 Todesfälle und 1.358 nicht-tödlich verlaufende Herzinfarkte). Für alle Kategorien von Teetrinkern konnten folgende Ergebnisse ermittelt werden: Eine Hazard Ratio (HR) für IH von 0,97 (95% KI 0,82-0,99) für gelegentliche und tägliche Teetrinker und für GKE von 0,90 (95% KI 0,94-1,00) konnte im Vergleich zu Studienteilnehmern, die in den letzten 12 Monaten keinen Tee getrunken hatten, ermittelt werden. Der schützende Effekt von Tee war bei den Probanden noch größer, die Tee über drei Jahrzehnte getrunken hatten, in ländlichen Gebieten wohnten, einen normalen oder erniedrigten BMI und keinen Diabetes zu Studienbeginn aufwiesen.

Mit dieser großen prospektiven Studie konnte gezeigt werden, dass Tee-Konsum das Risiko für das Auftreten ischämischer Herzerkrankungen senkt.

Kommentar:

Flavanole (Flavan-3-ole) sind unter anderem im Tee, Kakao und in Früchten enthalten. Flavanole liegen in monomerer Form als Catechine und Epigallocatechingallat, in dimerer Form als Theaflavine und in oligomerer und polymerer Form als Proanthocyanidine und Proanthocyanide vor. Ihnen wird eine allgemeine, gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Die Ergebnisse dieser an einer großen chinesischen Probandengruppe (487.375 Studienteilnehmer) durchgeführten epidemiologischen Studie bestätigen, dass der Konsum von grünem Tee sowohl mit einem geringeren Risiko für eine allgemeine koronare Herzerkrankung und mit einem reduzierten Risiko für eine ischämische Herzerkrankung verbunden ist. In einer Subgruppen-Analyse war der positive kardiovaskuläre Effekt stärker bei den Probanden ausgeprägt, die grünen Tee über einen längeren Zeitraum konsumiert hatten. In einer großen japanischen Studie von Saito et al. mit 90.914 Studienteilnehmern im Alter zwischen 40 und 69 Jahren konnte ein inverser Zusammenhang zwischen Tee-Konsum, Herzerkrankungen, cerebrovaskulären Erkrankungen und Atemwegserkrankungen nachgewiesen werden. Der Zusammenhang zwischen Tee-Konsum, kardiovaskulären Erkrankungen und allgemeiner Mortalität wurde kürzlich von Zhang et al. in einem Review und einer Meta-Analyse prospektiver Studien untersucht und bestätigt. In einer von Dower et al. über 25 Jahre durchgeführten prospektiven Kohorten-Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass die Epicatechin-Aufnahme (ein Flavanol-3-ol) invers mit der Mortalität koronarer Herzkrankheiten bei älteren Männern korreliert. Die bisherigen Ergebnisse lassen vermuten, dass der schützende Effekt der im Tee, im Kakao und in weiteren Früchten vorhandenen Flavanol-3-ole für die positiven gesundheitlichen Auswirkungen verantwortlich ist.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Li, X et al. Tea consumption and risk of ischaemic heart disease. Heart 2017 May; 103(10): 783-789
Saito, E et al. Association of green tea consumption with mortality due to all causes and major causes of death in a Japanese population: the Japan Public Health Center-based Prospective Study (JPHC Study). Ann Epidemiol 2015 Jul; 25(7): 512-518
Zhang, C et al. Tea consumption and risk of cardiovascular outcomes and total mortality: a systematic review and meta-analysis of prospective observational studies. Eur J Epdiemiol 2015 Feb; 30(2): 103-113
Dower, JI et al. Dietary epicatechin intake and 25-y risk of cardiovascular mortality: the Zutphen Elderly Study. Am J Clin Nutr 2016 Jul; 104(1): 58-64

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