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Verstanden
Beratung

Corticosteroide (CS) sind anti-entzündlich wirkende Substanzen, die seit Jahrzehnten bei unterschiedlichen Erkrankungen eingesetzt werden. Ein wichtiges therapeutisches Ziel für ihren kurzfristigen Einsatz ist die schnelle Symptomfreiheit der durch Entzündungen verursachten Symptome. Der langfristige Gebrauch von CS wird möglichst vermieden, um Komplikationen wie Infektionen, venöse Thromboembolien und chronische Erkrankungen, wie einen Diabetes, eine Osteoporose mit den dadurch verursachten Knochenbrüchen zu vermeiden. Die Autoren der aktuellen Studie haben jetzt die Häufigkeit der kurzfristigen Verordnungen und ihrer Nebenwirkungen untersucht.  

Sie bedienten sich einer landesweiten privaten US-amerikanischen Datenbank für Arzt- und Krankenhaus-Abrechnungen. In die Analyse wurden die Daten Erwachsener im Alter zwischen 18 bis 64 Jahren zwischen 2012 und 2014 aufgenommen. Primäre Ergebnisziele waren die Erfassung der kurzfristigen Einnahme von CS (definiert als <30 Tage), die Inzidenz der durch die Medikation ausgelösten Nebenwirkungen, in einem Zeitraum von 30 Tagen und von 31 bis 90 Tagen nach der Einnahme, im Vergleich zu Probanden, die keine CS eingenommen hatten. 

Insgesamt nahmen 1.548.945 Erwachsene an der Studie teil. Von den Teilnehmern erhielten 327.452 (21,1%) wenigstens eine ambulante CS-Verordnung im Studienzeitraum. Das mittlere Alter der Patienten betrug 45,5 Jahre (SD 11,6 Jahre), der Kontrollpatienten 44,1 Jahre (SD 12,2 Jahre). CS wurden im Mittel über 6 Tage (Interquartil-Spanne 6-12 Tage) verordnet, wobei 47,4% (n=155.171) der Patienten die Therapie über mehr als 7 Tage erhielten. Die häufigsten Indikationen waren Infektionen der oberen Atemwege, spinale Erkrankungen, Bandscheibenvorfälle und Allergien. Die Verordnungen wurden von unterschiedlichen ärztlichen Fachgruppen getätigt und schwankten nach Region. Die mediane Prednison äquivalente CS-Dosis betrug 20mg/Tag (Interquartil-Spanne 17,5-36,8mg/Tag), wobei 23,4% (n=76701 von 327.452) ≥40mg/Tag erhielten. Die meisten Patienten (70,5%; n=230.980) erhielten nur eine, 20,7% (n=67.732) eine zweite Behandlung und 8,8% (n=28.740) drei oder mehr Behandlungen. Im Vergleich zu den Studienteilnehmern, die keine CS einnahmen, waren die CS-Patienten eher weiblich, älter und hatten Begleiterkrankungen. 

Innerhalb von 30 Tagen nach Einnahme stiegen die Raten (Inzidenz-Quotient) für eine Sepsis auf 5,30 (95% KI 3,80-7,41), für venöse Thrombo-Embolien auf 3,33 (95% KI 2,78-3,99) und für Frakturen auf 1,87 (95% KI 1,69-2,07) an. Dieser Anstieg schwächte sich in der zweiten Beobachtungsperiode (31-90 Tage) ab. 

Einer von fünf in einem privaten Gesundheitsplan versicherten Amerikanern erhielt während des dreijährigen Beobachtungszeitraums ein Rezept zur kurzfristigen Einnahme eines CS. Die Ergebnisse zeigen, dass eine sorgfältige Indikationsstellung auch bei kurzzeitiger Behandlung angezeigt ist und die Patientensicherheit erhöht. 

Kommentar:

Die Nebenwirkungen einer längeren Einnahme von Corticosteroiden (CS) sind im Gegensatz zur kurzfristigen Einnahme bekannt. Einer von 5 Versicherten in den USA erhielt über einen Zeitraum von drei Jahren in der von Waljee et al. durchgeführten aktuellen Studie eine kurzfristige CS-Therapie. Die Ergebnisse zeigen, dass auch eine kurzfristige CS-Therapie zu einem Anstieg von Nebenwirkungen führt. Warum aber bereits bei einer kurzfristigen Einnahme das Fraktur-, Sepsis- und Thrombo-Embolie-Risiko ansteigt, konnte nicht geklärt werden. Möglicherweise muss dies auf die vorhandenen Grunderkrankungen der Patienten zurückgeführt werden. Dies sollte allerdings weiter geklärt werden. Die typischen Leitlinien zur CS-Verordnung im Rahmen von Asthma-Exazerbationen empfehlen die niedrigste therapeutische Dosis für den kürzesten Zeitraum, um Nebenwirkungen soweit wie möglich auszuschließen. Dies mag auch für andere Indikationen gelten, bei denen CS verordnet werden müssen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin 
Quellen: Waljee, AK et al. Short term use of oral corticosteroids and related harms among adults in the United States: population based cohort study. BMJ 2017 Apr 12; 357
Expert Panel Report 3 (EPR3): Guidelines for the Diagnosis and Management of Asthma-Summary Report 2007. J Allergy Clin Immunol 2007 Nov; 120(5 Suppl): S94-138

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