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Verstanden
Beratung

Calcium+Vitamin D-Gaben in Kombination mit einer Hormon-Therapie haben einen positiven Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen

Die Arteriosklerose und die Osteoporose sind Folgen des Alters. Verkalkungen von Gefäßen sind Indikatoren für ein Arteriosklerose-Risiko. Die Frage, ob Calcium+Vitamin D-Gaben zur Prävention und Therapie der Osteoporose das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen beeinflussen, konnte bisher noch nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Die Autoren haben hierzu eine prospektive, randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie mit Teilnehmern der Womens’s Health Initiative (WHI) mit dem primären Ergebnisziel der Erfassung des Low-Denisity Lipoprotein-Cholesteros (LDL-C) durchgeführt.

Zwischen September 1993 und Oktober 1998 wurden insgesamt 68.132 Frauen im Alter zwischen 50-79 Jahren in die Studie aufgenommen und jeweils auf die WHI-Diät- (n=48.835) und Hormon-Studienarme (n=27.347) randomisiert. In der Folge wurde eine Untergruppe aus beiden Studienarmen in der WHI-Calcium+Vitamin D-Studie auf die Gabe von Calcium+Vitamin D oder Placebo randomisiert. Die von den Autoren analysierte Studiengruppe schloss 1.521 Frauen (6% der Untergruppe) ein, die sowohl eine Hormon-Therapie als auch ein Calcium-Vitamin D-Supplement oder ein Placebo erhielten. Blutproben wurden zu Studienbeginn, nach einem, drei und sechs Jahren entnommen und der LDL-C-Spiegel bestimmt. Der mittlere Behandlungs-Effekt für Serum LDL-C betrug im Vergleich zu Placebo nur für Calcium+Vitamin D -1,6% mg/dl (95% KI -5,5 bis -2,2), nur für die Hormon-Therapie (entweder Östrogene und Progesteron oder nur Östrogene) -9,0 mg/dl (95% KI -13,0 bis -5,1) und für die Kombination -13,8 mg/dl (95% KI -17,8 bis -9,8). Bei der Auswertung zeigte sich nur bei einem niedrigen Vitamin D-Status ein synergistischer Effekt zwischen Calcium+Vitamin D+Hormon-Therapie und dem LDL-C-Serumspiegel.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombination (Calcium+Vitamin D+Hormon-Therapie) einen größeren Einfluss auf den Serum LDL-C-Spiegel ausübt als die jeweils alleinige Gabe von Calcium, Vitamin D und Hormonen. Für Patienten bedeutet dies, dass eine Calcium+Vitamin D-Supplementierung bei einer gleichzeitigen postmenopausalen Hormontherapie zur weiteren Reduktion des kardiovaskulären Risikos beiträgt.

Kommentar

Bei einer alternden Bevölkerung stößt die Calcium+Vitamin D-Supplementierung zur Vermeidung von osteoporotischen Frakturen auf ein zunehmendes Interesse. Calcium ist ein unverzichtbarer Nährstoff für die Knochenbildung und verhindert den Knochenverlust im Alter. Für die Knochenbildung und für den Knochenerhalt sind aber auch noch wie weitere Mikronährstoffe unverzichtbar. Vitamin D erhöht die intestinale Calcium-Resorption und steigert die Osteocalcin-Expression. Osteocalcin, in das zur Knochenbildung Calcium eingelagert wird, gehört zu den Vitamin K-abhängigen Proteinen und muss für seine Funktion über Vitamin K aktiviert werden. Vitamin D und Vitamin K scheinen unabhängig voneinander und neben Calcium an der Entwicklung, Stärke und dem Erhalt des Skeletts beteiligt zu sein.

Vor allem Frauen besitzen nach der Menopause ein erhöhtes Osteoporose- und Fraktur-Risiko. Die tägliche Calcium- und Vitamin D-Aufnahme verringerte das Risiko für eine Osteoporose und eine Osteopenie bei postmenopausalen koreanischen Frauen. Nur bei einer kontinuierlichen Einnahme von Calcium+Vitamin D-Supplementen reduzierte sich in einer Studie der Women’s Health Initiative (Interventionszeit 7 Jahre, mittlere Follow-Up-Zeit 11 Jahre) das Hüftfraktur-Risiko um 23% und das WirbelfrakturRisiko bei Frauen >60 Jahre um 20%. Hat die Einnahme von Calcium+Vitamin D zur Prävention der Osteoporose und Frakturen im Alter einen möglichen Einfluss auf die Entstehung einer Arteriosklerose und damit auf das kardiovaskuläre Risiko? In bisherigen Untersuchungen konnte der Zusammenhang zwischen Calcium+Vitamin D-Gaben und dem kardiovaskulären Risiko noch nicht endgültig gesichert werden. In einer Studie von Hsia et al. wurde für die Calcium+Vitamin D-Supplementierung mit einem 7-jährigen Follow-Up weder ein negativer, noch ein positiver Einfluss auf das koronare und cerebrovaskuläre Risiko nachgewiesen. Diese Ergebnisse fanden in einer Studie der Women’s Health Initiative ihre Bestätigung. Die Gabe von mäßigen Dosen von Calcium+Vitamin D zeigte keinen Einfluss auf die Bildung atherogener koronarer Plaques. Ob möglicherweise höhere oder niedrigere Dosen einen Unterschied machen, ließ sich aus dieser Studie nicht ableiten. Schnatz et al. konnten mit ihrer aktuellen Studie bei postmenopausalen Frauen einen Behandlungseffekt für Calcium+Vitamin D durch einen rückläufigen Serum LDL-C-Spiegel von -9%, in Kombination mit einer Hormontherapie von -13,8% nachweisen. Die Autoren verwendeten das Low-Density-Lipoprotein-Cholesterol als wichtigsten Cholesterol-Transporter und Surrogat-Marker zur Definition des Arteriosklerose-Risikos.

Die Calcium+Vitamin D-Supplementierung scheint nicht nur, wie die Studienlage nahelegt, einen positiven Einfluss auf das altersbedingte Osteoporose-Risiko, sondern auch auf das altersbedingte kardiovaskuläre Risiko zu besitzen. Der positive Nutzen von Calcium+Vitamin D auf das Arteriosklerose-Risiko wird vor allem in Kombination mit einer Hormon-Therapie durch die aktuelle Studie für Frauen bestätigt.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Schnatz, PF et al. Effects of Calcium, Vitamin D, and Hormone Therapy on Cardiovascular Disease risk Factors in the Women’s Health Initiative: A Randomized Controlled Trial. Obstet Gynecol 2017 Jan; 129(1): 121-129
Torbergsen, AC et al. Vitamin K1 and 25(OH)D are independently and synergistically associated with a risk for hip fracture in an elderly population: a case control study. Clin Nutr 2015 Feb; 34(1): 101-106
Nakano, T et al. High prevalence of hypovitaminosis D and K in patients with hip fracture. Asia Pac J Clin Nutr 2011; 20(1): 56-61
Chon, SJ et al. Effects of vitamin D deficiency and daily calcium intake on bone mineral density and osteoporosis in Korean postmenopausal women. Obstet Gynecol Sci 2017 Jan; 60(1): 53-62
Bolland, MJ et al. Calcium supplements with or without vitamin D and risk of cardiovascular events: reanalysis of the Women’s Health Initiative limited access dataset and meta-analysis. BMJ 2011 Apr 19; 342: d2040
Hsia, J et al. Calcium/Vitamin D Supplementation and cardiovascular Events. Circulation 2007 Feb 20; 115(7): 846-854

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