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Verstanden
Beratung

Die Ergebnisse großer epidemiologischer Studien lassen vermuten, dass etwa 82% aller kardiovaskulären Erkrankungen und etwa 91% aller Diabetes-Erkrankungen über eine gesündere Ernährung und einen gesünderen Lebensstil verhindert werden könnten. Eine gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil gehören zur Prävention kardiovaskulärer und metabolischer Erkrankungen (Diabetes, Adipositas). Die Botschaft ist bekannt. Aber wird sie auch gehört? Es scheint, den Menschen schwer zu fallen, Lebensstil und Ernährung zu ändern, wie die aktuelle Studie von Jenkins et al. zeigt. Die Autoren haben die Auswirkungen diätetischer Empfehlungen auf das Körpergewicht und auf kardiovaskuläre Risikofaktoren untersucht.  

Gesunde, übergewichtige Männer (n=209) und Frauen (n=710) mit einem mittleren Alter von 44,7 Jahren und einem Body-Mass-Index (BMI) von 32,4 kg/m2 wurden zwischen November 2005 und August 2009 für die Studie rekrutiert. Alle Studienteilnehmer (Kontrollpatienten n=486) erhielten den kanadischen Lebensmittelführer „Health Canada Food Guide“. Sie wurden auf einen Kontrollarm und jeweils auf einen von drei Interventionsarmen über 6 Monate im Verhältnis 3:1:1:1 randomisiert. Gruppe 1: Diätberatung entsprechend den DASH-Empfehlungen (Dietary Approaches to Stop Hypertension) und Beratung zur Nahrungszusammenstellung (n=145); Gruppe 2: wöchentliche, der Beratung entsprechende Nahrungs-Bereitstellung (n=148); Gruppe 3: Nahrungslieferung und Ernährungsberatung (n=140). Ein Nachverfolgung wurde nach 6 Monaten und weiteren 12 Monaten mit Ernährungsfragebögen durchgeführt.

Nach 6 Monaten nahmen noch 91% und nach 18 Monaten noch 81% der Probanden an der Studie teil. Nach Beendigung der Nahrungsbereitstellung waren dies entsprechend noch 67%, respektive 57%. Die Kontrollgruppe und die Interventionsgruppen wiesen nach 6 Monaten einen geringen Rückgang bei Gewicht (-0,8 bis -1,2 kg) und Taillenumfang (-1,1 cm bis -1,9 cm) auf, der über die Beobachtungszeit gehalten wurde. Der mittlere systolische Druck zeigte nach 6 Monaten (0,0 bis -1,1 mm Hg) und fiel weiter ab. Der Framingham Risk Score ging nach 18 Monaten zwischen -0,19 bis -0,42 zurück.

Insgesamt konnte aber kein relevanter Einfluss der Interventionen auf das Ernährungsverhalten im Vergleich zur Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Auch das koronare Risiko wurde nur gering beeinflusst. Die Bereitstellung der Nahrung führte zu einer geringen Erhöhung der Dauer der Studienteilnahme, hatte aber nur einen geringen Einfluss auf die Aufnahme der empfohlenen Nahrungsmittel.

Kommentar:

Medien und Leitlinien konzentrieren sich auf die Ernährung zur Verhütung chronischer Erkrankungen und zur Promotion eines gesunden Lebensstils. Der Erfolg von Leitlinien und der begleitenden Medien-Kampagnen scheint, überwiegend gering zu sein. Lediglich bei den Studienteilnehmern, die kostenfreie Nahrungsmittelkörbe erhielten, konnte ein signifikantes, aber nur gering verbessertes Ernährungsverhalten nachgewiesen werden. Bei allen Probanden (Interventionsgruppen und Kontrollen) zeigte sich eine leichte Zunahme bei der Aufnahme von Pflanzenproteinen und eine leichte Reduktion bei der Aufnahme gesättigter Fettsäuren, was zu einer geringen Gewichtsabnahme, Abnahme des Taillenumfangs, des Blutdrucks, der Blut-Glucose und zu einer Verbesserung des Lipidprofils führte. Das Ergebnis mag enttäuschen. Es entspricht aber den Ergebnissen anderer Studien, mit denen ebenso mit einer intensiven Lebensstil- und Ernährungs-Beratung versucht wurde, Einfluss auf kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren zu nehmen. Die Probanden in der Studie von Jenkins et al., die ihre Nahrung kostenfrei erhalten hatten, hielten die Veränderungen in der Nahrung eher bei als die übrigen Probanden. Über ein vergleichbares Verhalten berichten die Autoren der PREDIMED-(PREvencion con DIeta MEDiterranea)- Studie, in der sie Nüsse und Olivenöl den Teilnehmern kostenfrei zur Verfügung gestellt hatten. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass ökonomische Anreize am ehesten Verhaltensänderungen bewirken könnten. Ernährungsgewohnheiten scheinen, stabil und resistent gegenüber Änderungen zu sein. Die Kernfrage, wie weite Teile der Bevölkerung gewonnen werden können, zu einem gesünderen Lebensstil zu wechseln, bleibt deshalb unbeantwortet.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Jenkins, DJA et al. Effect of Current Dietary Recommendations on Weight Loss and Cardiovascular Risk Factors. J Am Coll Cardiol 2017 Mar 7; 69(9): 1103-1112
Estruch, R, Ros, E. Nutrition Intervention on Cardiovascular Risk Factors in Healthy Individuals. J Am Coll Cardiol 2017 May 7; 69(9): 1113-1115
Huffman, MD et al. Cardiovascular health behavior and health factor changes (1988-2008) and projections to 2020: results from the National Health and Nutrition Examination Surveys. Circulation 2012 May 29; 125(21): 2595-25602
Estruch, R et al. Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet. N Engl J Med 2013 Apr 4; 368(14): 1279-1290

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