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Sind eine abnehmende Schrittgeschwindigkeit und Griffstärke mit kognitivem Abbau verbunden?

Beobachtungen in der Allgemeinbevölkerung haben gezeigt, dass eine langsamere Schrittgeschwindigkeit mit einem fortschreitenden kognitiven Abbau verbunden ist. Es fehlen zum Nachweis dieser Beziehung aber noch Longitudinalstudien.

Die Autoren haben jetzt eine longitudinale Untersuchung an einer niederländischen Gedächtnisklinik durchgeführt, mit der sie zu Studienbeginn die Schrittgeschwindigkeit, die Griffstärke und die kognitive Stärke und den späteren Abfall der motorischen Funktionen und der Kognition gemessen haben. In die Studie wurden 309 Patienten eingeschlossen (mittleres Alter 70 ± 9 Jahre, 108 (35%) Frauen, Mini Mental State Examination 27 ± 3 Punkte). Die Basisgeschwindigkeit des Ganges wurde über 15 Fuß erfasst, die Griffstärke mit einem Hand-Dynamometer gemessen. Die Entwicklung der kognitiven Funktionen wurde gleichzeitig einmal jährlich über 3 Jahre erfasst. 

Ergebnisse: Die Alter und Geschlecht berücksichtigenden linearen Modelle zeigten, dass eine langsamere Gehgeschwindigkeit mit einer schlechteren Aufmerksamkeitsspanne, einem schlechteren Gedächtnis, einer verminderten Informationsverarbeitung und einer verminderten Flüssigkeit im verbalen Ausdruck assoziiert waren. Longitudinal war die Gehgeschwindigkeit mit einer verminderten Informationsverarbeitung und verminderten Exekutivfunktionen verknüpft. Eine schwächere Griffstärke war bereits zu Studienbeginn mit einer verminderten Informationsverarbeitung und verminderten Exekutivfunktion verbunden.

Die Ergebnisse lassen erkennen, dass körperliche Merkmale wie die Ganggeschwindigkeit und die Handgriffstärke mit dem kognitiven Status und, wenn auch in geringerem Maße, mit einem kognitiven Abbau verbunden sind. 

Kommentar: Über Jahrzehnte haben die Menschen geglaubt, dass langsameres Gehen dem normalen Altern entspricht. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass die geringere Mobilität im Alter mit einem Abfall der kognitiven Funktionen verbunden ist. Heute scheint gesichert zu sein, dass der Verlust von Gedächtnis-, Planungs- und Informations-Verarbeitungs-Funktionen auch zu einer Einschränkung der Mobilität führt. Dies gilt für alle Demenzerkrankungen, die zu einem Abbau von Bewegungsfunktionen, vor allem von Lauf- und Balancestörungen, führen und das Sturz- und Verletzungsrisiko erhöhen. Ältere Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung besitzen nicht nur eine geringere Schrittgeschwindigkeit, sondern sind auch nur eingeschränkt in der Lage, diese Geschwindigkeit den aktuellen Erfordernissen anzupassen und, wie zum Beispiel beim Überqueren einer Straße, zu steigern. Mit der aktuellen Studie wurden die Schrittgeschwindigkeit und die Griffstärke in Beziehung zum Abfall kognitiver Funktionen longitudinal untersucht. Beide Mobilitätsmarker sind mit dem aktuellen kognitiven Status verbunden und korrelieren, wenn longitudinal auch nur mäßig, mit dem kognitiven Abfall. An alten Menschen mit einer Demenz-Erkrankung, die in Pflegeheimen leben, konnte aber auch gezeigt werden, dass ein 4-7monatiges intensives Bewegungstraining es immer noch ermöglichen kann, die Schrittgeschwindigkeit ohne Hilfsmittel zu steigern, was auch einer Verbesserung der Kognition dient.

 

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Hooghiemstra, AM et al. Gait Speed and Grip Strength Reflect Cognitive Impairment and Are Modestly Related to Incident Cognitive Decline and Mild Cognitive Impairment: Findings From the 4C Study. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2017 Feb 8
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Toots, A et al. Walking Aids Moderate Exercise Effects on Gait Speed in People with Dementia: A Randomized Controlled trial. J Am Med Dir Assoc. 2017 Mar 1; 18(3): 227-23
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