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Verstanden
Beratung

Ist der Vitamin D-Mangel mit sexuellen Funktionsstörungen bei prämenopausalen Frauen verbunden?

Sexuelle Funktionsstörungen (FSD – female sexual dysfunction) beeinträchtigen die Lebensqualität junger aktiver Frauen. Die weibliche Sexualität wird von unterschiedlichen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren beeinflusst. Wird sie auch von Vitamin D beeinflusst? Eine Expression von Vitamin D-Rezeptoren (VDR) konnte in weiblichen Reproduktionsorganen nachgewiesen werden. Inwieweit Vitamin D-Mangel aber die Physiologie der weiblichen Reproduktionsorgane und die Sexualität beeinflusst, ist bisher weitestgehend unbekannt geblieben. Dies wurde in der aktuellen Studie untersucht.

Insgesamt wurden 50 Frauen mit FSD und 58 Frauen ohne FSD (Kontrolle) in die Studie aufgenommen. Von allen Frauen wurde eine detaillierte Vorgeschichte erhoben. Im Serum wurden der 25-hydroxyvitamin D3-Spiegel, das Follikel-stimulierende Hormon (FSH), das Luteinisierungshormon (LH), das Prolactin, das freie und das Gesamt-Testosteron, Östradiol, Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHE-SO4), das Geschlechtshormon-bindende Globulin (SHBG – sexual hormone binding globulin), freies Thyroxin (fT4) und das Schilddrüsen-stimulierende Hormon (TSH) bestimmt.

Das mittlere prämenopausale Alter der Studienteilnehmerinnen betrug 34,9 ± 6,3 Jahre. Der 25-hydroxyvitamin D3-Spiegel war bei den Frauen mit einer FSD signifikant erniedrigt (15,9 ± 8,4 versus 26,3 ± 11,7 nmol/L). Die sexuelle Lust, die sexuelle Erregbarkeit, die Befeuchtung, der Orgasmus, die sexuelle Zufriedenheit und die Schmerzen beim Verkehr korrelierten mit der Höhe des 25-hydroxyvitamin D3-Spiegels. Eine signifikante Korrelation mit den Hormon-Spiegeln konnte nicht nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse lassen eine Beziehung zwischen FSD und einem Vitamin D3-Mangel erkennen.

Kommentar

Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass Vitamin D-Rezeptoren sowohl in den weiblichen als auch in den männlichen Gonaden vorkommen. Ein Vitamin D-Mangel führt im Tierversuch bei beiden Geschlechtern zu einer Gonadeninsuffizienz. Canat et al. konnten mit ihrer klinischen Untersuchung bestätigen, dass Vitamin D-Mangel bei Frauen zu sexuellen Funktionsstörungen (FSD – female sexual dysfunction) führt. In unterschiedlichen Studien wurde eine Prävalenzrate zwischen 40% bis 60% nachgewiesen. Die FSD wird von diversen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren beeinflusst. Viele Einflussfak-toren auf die Physiologie der weiblichen Reproduktionsorgane, wie zum Beispiel ein Vitamin D-Mangel, waren bisher unbekannt.

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Höhe des Vitamin D-Serumspiegels einen signifikanten Einfluss auf die weiblichen Sexualfunktionen im reproduktionsfähigen Alter nimmt. Diese Ergebnisse werden durch eine weitere, ebenfalls aktuelle Studie von Krysiak et al. bestätigt. Auch diese Autoren konnten mit ihrer Pilotstudie zeigen, dass ein Vitamin D-Mangel dosis-abhängig zu sexuellen Funktionsstörungen führt. Die Genese ist komplex. Viele Faktoren werden als Ursache bei sexuellen Funktionsstörungen diskutiert: chronische Erkrankungen, kognitive Funktionsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Geschlechtshormone, Neuro-transmitter, Alter, Ehe(zu)stand und Adipositas. Einer dieser Faktoren, der auf unterschiedlichen Wegen in die Genese weiblicher sexueller Funktionsstörungen eingreift, scheint jedoch Vitamin D zu sein. Die Zusammenhänge müssen in weiteren klinischen Stu-dien aufgeklärt und bestätigt werden.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Canat, M et al. Vitamin D3 deficiency is associated with female sexual dysfunction in premenopausal women. Int Urol Nephrol 2016 Aug 13 (epub ahead of print)
Krysiak, R et al. Sexual function and depressive symptoms in young women with low vitamin D status: a pilot study. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2016 Aug 9; 204: 108-112 (epub ahead of print)

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