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Super-Agers: Haben sie größere Gehirne oder verlieren sie mit dem Alter weniger an Gehirnvolumen?

„Super-Agers“ werden als Erwachsene bezeichnet, die 80 Jahre oder älter sind und ein episodisches Gedächtnis besitzen, das mindestens der durchschnittlichen Qualität eines Erwachsenen mittleren Alters entspricht. Sie weisen in Anbetracht ihres Alters ungewöhnlich hohe Ergebnisse bei Gedächtnistests auf. Das episodische Gedächtnis ist neben dem semantischen Gedächtnis ein Teil des deklarativen Langzeitgedächtnisses und speichert die Lebensereignisse. Super-Agers scheinen eine dickere Hirnrinde in Bezug auf ihre Altersgenossen mit einem für das Alter überdurchschnittlichen Gedächtnis zu besitzen. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, ob das bessere episodische Gedächtnis auf eine vorhandene höhere Dicke der Hirnrinde oder eine langsamer verlaufende Hirnatrophie zurückzuführen ist.

In die Studie konnten 24 Super-Agers (75% Frauen, mittleres Alter 83,3 Jahre) eingeschlossen werden. Alle eingeschlossenen Probanden wiesen in Tests für das episodische Gedächtnis gleiche oder bessere mittlere Ergebnisse für Erwachsene im Alter zwischen 50 und 65 Jahren auf. Super-Agers zeigten im Vergleich mit 12 kognitiv durchschnittlichen Agers einen geringeren jährlichen Verlust an Hirnvolumen (1.06% für Super-Agers versus 2,24% für Normal-Agers). Dies galt auch, wenn Geschlecht, Händigkeit und Ausbildung berücksichtigt wurden.

Die über einen Studienzeitraum von 18 Monaten gewonnenen Ergebnisse zeigen, dass die bessere Hirnleistung der Super-Ager zumindest zum Teil auf einen geringeren Verlust an Hirnvolumen zurückgeführt werden kann.

Kommentar: Eine der wichtigsten Funktionen des menschlichen Gehirns ist die Sammlung von Wissen, die das Ansammeln von Erfahrungen ermöglicht. Spezies-spezifische axonale Verbindungen legen einerseits fest, welche Neurone auf welche Informationen reagieren. Andererseits schaffen personenspezifische Veränderungen der synaptischen Stärken in den neuronalen Netzen ein zentrales Abbild persönlicher Erfahrung. Dieses Abbild kann nicht genetisch vermittelt werden. Die im Gehirn vorhandenen Neurone unterliegen im Verlauf des Alterns wie der Gesamtorganismus biologischen Abnutzungserscheinungen, die sich im Funktionsverlust und auch im Verlust von Hirnmasse ausdrücken. Schon Voruntersuchungen haben gezeigt, dass Super-Agers eine höhere corticale Dicke aufweisen als 50- bis 60-jährige kognitiv gesunde Normal-Agers. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass auch im fortgeschrittenen höheren Alter überdurchschnittliche mentale Funktionen auf Grund ihres genetischen Make-ups und/oder anderer glücklicher Umstände vorhanden sein können. Das sind die Super-Agers. Sie weisen im Gehirn geringere Alzheimer´sche Veränderungen auf als Gleichaltrige. In wieweit Super-Agers primär mit einem größeren Hirnleistungsvermögen ausgestattet sind, bleibt unklar. Die vorhandenen Untersuchungsergebnisse bildgebender Verfahren zeigen, dass sie gegenüber altersbedingten Rückbildungen des Hirnvolumens widerstandsfähiger sind.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Cook, AH et al. Rates of cortical atrophy in adults 80 years and older with superior vs average episodic memory. JAMA 2017 Apr 4; 317(13): 13731375
Rogalski, EJ et al. Youthful Memory Capacity in Old Brains: Anatomic and Genetic Clues from the Northwestern SuperAging Project. J Cogn Neurosci 2013 Jan; 25(1): 29-36

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