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Verstanden
Beratung

Besitzt der Plasma-25-Hydroxyvitamin D-Status einen Einfluss auf die Mortalität von Patienten mit einer stabilen Angina Pectoris?

Vitamin D wird eine Rolle in der Ätiologie nicht infektiöser Erkrankungen zugeschrieben. Dazu gehören auch kardiovaskuläre Erkrankungen. Vitamin D scheint, die Entwicklung und das Überleben bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beeinflussen. Calcitriol, das aktivierte 1,25-Dihydroxyvitamin D, regelt die Genexpression von an der Arteriosklerose beteiligten Zellen. Im Mäuseversuch führt eine verminderte Vitamin D-Aktivität als Ergebnis mangelhafter Nahrungsaufnahme zu Stoffwechselstörungen mit verminderter Vitamin D-Rezeptor-Verfügbarkeit und zu kardiovaskulären Erkrankungen.

Die Autoren haben in ihrer Studie nach einer Beziehung zwischen der Konzentration des zirkulierenden Biomarkers 25-Hydroxyvitamin D (25OHD) und dem kardiovaskulären und dem Gesamt-Mortalitätsrisiko gesucht.

25-Hydroxyvitamin D wurde in Plasmaproben von 4.114 Patienten mit Verdacht auf eine stabile Angina pectoris (SAP) analysiert. Dabei wurden saisonale Schwankungen berücksichtigt. Der Gefährdungsquotient (Hazard Ratio-HR) für die allgemeine und kardiovaskuläre Mortalität wurde unter Verwendung eines multivariablen Cox-Modells mit 25(OH)D als Hauptexpositionsvariable geschätzt. Studienort, Alter, Geschlecht, systolischer Blutdruck, Rauchen, Body-Mass-Index (BMI) und die errechnete glomeruläre Filtrationsrate wurden berücksichtigt. Alle Studienteilnehmer wurden bis zum Tod oder bis zum 1. Januar 2013 begleitet.

Der Plasma-25(OH)D-Spiegel schwankte bei einem Mittelwert von 59,7 (Standardabweichung ± 19,2 nmol/L) zwischen 8,4 bis 197 nmol/L. Die Verteilung der Basis-Werte über alle 25(OHD)-Quartile wies eine positive Verbindung zu Vitamin D für körperliche Aktivität, Serum Apolipoprotein A1, LVEF und der Einnahme von Statinen und eine inverse Beziehung für Rauchen, BMI, Diabetes, Nierenfunktion und Serum Triglycerid-Konzentration auf. Der Anteil der Probanden, die in jeder Quartile regelmäßig Vitamin D-Supplemente einnahmen, betrug 20%, 30%, 40% und 50%.

Die mittlere Follow-up-Zeit betrug 11,9 ± 3 Jahre. Während dieser Zeit traten 895 (21,8%) Todesfälle auf. Davon konnten 407 (9,9%) auf kardiovaskuläre Ursachen zurückgeführt werden. Verglichen mit dem ersten 25(OH)D-Quartil betrugen die HRs im zweiten, dritten und vierten 25(OH)D-Quartil für die Gesamtmortalität jeweils 0,64 (95% Konfidenzintervall (KI) 0,54 bis 0,77), 0.56 (95% KI 0,46 bis 0,67) und 0.56 (95% KI 0,46 bis 0,67) und für die kardiovaskuläre Mortalität jeweils 0,70 (95% KI 0,53 bis 0,91), 0,60 (95% KI 0,45 bis 0,79) und 0,57 (95% KI 0,43 bis 0,75). Der Plasma-25(OH)D-Spiegel war im multivariaten Modell invers mit der kardiovaskulären Mortalität mit einer jeweiligen Zunahme von 10 nmol/L 25(OH)D mit einer HR von 0,91 (95% KI 0,88 bis 0,95) für die Gesamt-Mortalität und 0,90 (95% KI 0,85 bis 0,95) für die kardiovaskuläre Mortalität verbunden. Die Schwellenwertanalyse zeigte eine erhöhte Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität für Patienten mit 25(OH)D-Konzentrationen unter 42.5 nmol/L und eine erhöhte Gesamt-Mortalität und kardiovaskuläre Mortalität bei 25(OH)D-Plasma-Konzentrationen >100 nmol/L.

Plasma 25(OH)D-Konzentrationen waren bei kleiner Patientenzahl umgekehrt mit der kardiovaskulären Mortalität und nichtlinear (U-förmig) mit der Gesamtmortalität assoziiert.

Kommentar:

Über einen Zusammenhang zwischen dem 25-hydroxyvitamin D-Plasma-Spiegel und kardiovaskulären Erkrankungen wird seit vielen Jahren in observationalen Studien berichtet. In der prospektiv zwischen 1988 bis 1994 durchgeführten NHANES III Studie zeigte sich bereits eine inverse Beziehung zwischen der 25(OH)D-Serumkonzentration und der kardiovaskulären und der Gesamt-Mortalität. Diese Ergebnisse wurden mit einer Meta-Analyse prospektiver Studien bestätigt. Die Autoren konnten einen linearen inversen Zusammenhang zwischen 25(OH)D-Serum-Spiegeln im Bereich von 20-60 nmol/L und kardiovaskulären Ereignissen nachweisen. Der Zusammenhang zwischen kardiovaskulärer und allgemeiner Mortalität ist konsistent und reproduzierbar, wie eine individuelle Auswertung von Patienten-Daten aus den USA und Europa und jetzt auch die aktuelle Studie von Degerud zeigt. Für eine J-förmige oder U-förmige Beziehung zwischen dem Vitamin D-Status und kardiovaskulären Erkrankungen, wie sie für eine kleine Patientenzahl in der Studie von Degerud gefunden wurde, scheint es bisher keine hinreichende Evidenz zu geben.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Degerud, E et al. Plasma-25-Hydroxyvitaim D and Mortality in Patients with Suspected Stable Angina Pectoris. J Clin Endocrinol Metab 2018 Mar 1; 103(3): 1161-1170
Ginde, AA et al. Prospective study of serum 25-hydroxyvitamin D level, cardiovascular disease mortality, and all-cause mortality in older U.S. adults. J Am Geriatr Soc Sep; 1595-1603
Wang, L et al. Circulating 25-hydroxyvitamin D and risk of cardiovascular disease: a meta-analysis of prospective studies. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2012 Nov; 5(6): 819-829
Schöttker, B et al. Vitamin D and mortality: meta-analysis of individual participant data from a large consortium of cohort studies from Europe and the United States. BMJ 2014 Jun 17; 348: g3656
Grant, WB. Letter to the editor: The J-shaped 25-hydroxyvitamin D concentration–cardiovascular disease mortality relation is very likely due to starting vitamin D supplementation late in life. J Clin Endocrinol Metab 2015 Jun; 100(6): L49-50

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