Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen.

Verstanden
Beratung

Determinanten für einen ausreichenden 25-hydroxy-vitamin D-Spiegel im Serum bei finnischen Kindern

Etwa 13% der untersuchten Bevölkerung (55.844) leiden, unabhängig von ihrer Ethnie, ihrer Altersgruppe und dem Breitengrad ihres Wohnortes, nach den Ergebnissen einer europaweiten Studie im Jahresdurchschnitt unter einem Serum-25-hydroxy-vitamin D-Mangel (S-25(OH)D) von <30 nmol/L (12ng/ml). Bei einem leicht geänderten, aber überwiegend bei 50 nmol/L (20ng/ml) akzeptierten Grenzwert für einen Vitamin D-Mangel, steigt die Prävalenz auf 40,4% an. Dabei wurden 17,7% der Blutproben im Winter zwischen Oktober bis März und 8,3% zwischen April bis November durchgeführt. Dunkelhäutige Menschen, die für die Vitamin D-Synthese in der Haut mehr Licht benötigen, zeigen eine höhere Prävalenz für einen Vitamin D-Mangel als Menschen mit heller Haut.

Finnische Autoren haben in einer aktuellen Untersuchung die Vitamin D-Aufnahme über den S-25(OH)D-Spiegel und die Determinanten und Risikofaktoren für einen Spiegel von <50nmol/L (<20 ng/ml) an 184 Mädchen und 190 Jungen im Alter zwischen 6-8 Jahren untersucht. Ergänzend wurden die Qualität der Nahrung und weitere Lebensstil-Faktoren über 4 Tage mit der Hilfe von Fragebögen ermittelt.

Die mittlere Aufnahme von Vitamin D über die Nahrung betrug 5,9 (SD2,1) mg/d. Von den insgesamt 374 untersuchten Jungen und Mädchen nahmen 82,4% nicht die empfohlene Vitamin D-Menge von 10 µg/d auf. Insgesamt 40,8% nahmen keine Nahrungs-Supplemente ein. Mit Vitamin D angereicherte Milch war die wichtigste Quelle für Vitamin D und deckte 48,7% der täglichen Aufnahme ab. Bei 19,5% der Kinder, die täglich ≥450 g Milch tranken, lag der S-25(OH)D-Spiegel <50nmol/L. Kinder, die täglich ≥2,3 Stunden körperlich aktiv waren und täglich ≥13,1 Stunden dem Tageslicht ausgesetzt oder im Herbst untersucht worden waren, wiesen ein geringeres Risiko für einen S-25(OH)D-Spiegel <50nmol/L auf.

Die Autoren empfehlen, bei Kindern einer ausreichenden Vitamin D-Aufnahme über die Nahrung und über Supplemente eine größere Aufmerksamkeit zu schenken.

Kommentar:

Vitamin D spielt als Hormon/Vitamin eine wichtige Rolle für die Kinder- und Erwachsenen-Gesundheit. Sie geht weit über die Bedeutung für die Knochen-Homöostase, die Gesundheit von Knochen und Zähnen, hinaus. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses pluripotente Hormon in seiner aktivierten Form 1α,25(OH)2D3 etwa ≥36 Zelltypen über Vitamin D-Zellrezeptoren beeinflusst. Die zunehmende Kenntnis der Bedeutung einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung im Kindes- und Jugendalter hat zur Wahrnehmung subklinischer Mangelzustände mit noch unklaren langfristigen Folgen beigetragen. Obwohl der Vitamin D-Status weiter Bevölkerungsgruppen im europäischen Raum in vielen Studien untersucht wurde und das Vitamin D-Mangelrisiko bekannt ist, hat sich nicht viel geändert. Dies wird für Finnland mit der aktuellen Studie von Soininen et al. erneut dokumentiert, obwohl in Finnland eine die Nahrung ergänzende, durchgehende Vitamin D-Supplementierung für Säuglinge und Kinder bis zu 2 Jahren in Höhe von 10 µg/d und für Kinder und Jugendliche bis zu 17 Jahren von 7,5 µg/d empfohlen wird. Dort, wo die Anreicherung der Kuhmilch mit Vitamin D gesetzlich verordnet wurde, scheint zumindest bei den Kindern, die eine ausreichende Milchmenge zu sich nehmen, das Vitamin D-Mangelrisiko begrenzt zu sein. Dies wird unter anderem durch eine kanadische und auch eigene Untersuchung bestätigt.

In Deutschland ist eine allgemeine Milchanreicherung mit Vitamin D nicht vorgesehen. Hier konnte allerdings zwischenzeitlich mit einer mit Vitamin D angereicherten Kindermilch (2,85µg/100ml) für Kinder im Alter zwischen 2-6 Jahren nachgewiesen werden, dass der winterliche Vitamin D-Abfall durch den Konsum angereicherter Milch abgefangen werden kann. Die mittlere Studienmilch-Aufnahme betrug 7,1 µg/d, was der in Finnland empfohlenen, ganzjährigen Supplement-Aufnahme für diese Altersgruppe fast entspricht. Die mittlere, über die Nahrung aufgenommene Vitamin-Menge war in der Interventions- und Kontrollgruppe mit 1,9 µg/d gleich. Die Ergebnisse zeigen den Nutzen der Vitamin D-Supplementierung auf. Vitamin D-Supplemente müssen nicht als Tabletten oder Tropfen verabreicht werden, sondern können auch über eine mit Vitamin D angereicherte Milch aufgenommen werden. Damit kann bei den meisten Kindern und Jugendlichen ein Vitamin D-Mangel erfolgreich verhindert werden. Unterschiedliche Auffassungen existieren über den Vitamin D-Mangel. Weisen Serum-25(OH)D-Werte unter 20 ng/ml (50 nm/L) oder bereits unter 30 ng/ml (75 nm/L) auf einen relevanten Vitamin D-Mangel hin? Im Rahmen von 675 Beckenkammbiopsien über alle Altersgruppen konnten Priemel et al. zeigen, dass Defizite bei der Knochenmineralisierung bereits bei Werten <30 ng/ml (75 nm/L) beobachtet werden können. Es mag deshalb sinnvoll sein, sich an Serum-Vitamin D-Werten über 30 ng/ml zu orientieren.

Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung kann derzeit bei deutschen Schulkindern, die nur zwischen 1,4-1,9 µg/d über die Nahrung aufnehmen, ohne Supplemente oder angereicherte Nahrungsmittel bei dem vorhandenen Lebensstil nicht gesichert werden. Dies zeigen auch die Ergebnisse einer 6-jährigen, noch nicht veröffentlichten Praxisstudie für Mülheim an der Ruhr (51°N).

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Soininen, S et al. Determinants of serum 25-hydroxyvitamin D concentration in Finnish children: the Physical Activity and Nutrition in Children (PANIC) study. Br J Nutr 2016 Mar 28; 115(6): 1080-91. Epub 2016 Feb 3
Norman, AW. A vitamin D nutritional cornucopia: new insights concerning the serum 25-hydroxyvitamin D status of the US population. Am J Clin Nutr 2008 Dec; 88(6): 1455-6
National Nutrition Council. Finnish Nutrition Recommendations 2014. Recommendations of the National Council for the Dietary Intake of Vitamin D and the Use of Vitamin D Supplements. http//www.ravitsemusneuvottelukunta.fi/portal/en/announcements+and+comments. Download 31.07.16
Lee, GJ et al. Consumption of non-cow’s milk beverages and serum vitamin D level in early childhood. CMAJ 2014 Nov 18; 186(17): 1287-93
Hower, J et al. Vitamin D fortification of growing up milk prevents decrease of serum 25-hydroxyvitamin D concentrations during winter: a clinical intervention study in Germany. Eur J Pediatr 2013 Dec; 172(12): 1597-605
Priemel, M et al. Bone mineralization defects and vitamin D deficiency: histomorphic analysis of iliac crest bone biopsies and circulating 25-hydroxyvitamin D in 675 patients. J Bone Miner Res 2010 Feb; 25(2): 305-12

Ihr Login in die ALIUD® FACHWELT

Die ALIUD® FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA®- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.