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Der Vergleich der Vitamin D-Serumspiegel von Kindern mit einer schweren frühkindlichen Karies mit dem von Kindern ohne Karies

Vitamin D-Mangel ist ein globales Gesundheitsproblem, von dem weltweit mehr als eine Milliarde Kinder und Erwachsene betroffen sind. Die Folgen eines Vitamin D-Mangels sollten nicht unterschätzt werden. Als Health Claims wurden bisher von der EFSA (European Food Safety Authority – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) der Einfluss auf die Knochenmineralisation und die Immunregulation bestätigt. Mit der aktuellen Studie haben die Autoren den Vitamin D-Serumspiegel von Kindern mit einer schweren frühkindlichen Karies mit dem von Kindern ohne Karies verglichen.

Insgesamt wurden 30 Kinder jeweils aus der Fallgruppe (mit Karies) und der Kontrollgruppe (ohne Karies) im Alter zwischen 3 und 6 Jahren aus der Abteilung für Pädodontologie und Präventivzahnheilkunde der Fakultät der SGT Universität Gurugram, Indien, ausgewählt. Der Karieszustand der Kinder wurde mit Hilfe des DEFT-Index für 6jährige Kinder (DEFT - decayed, extracted and filled temporary teeth) erfasst. Jedem Kind wurden Blutproben zur Bestimmung des Serum 25(OH)D-Status entnommen.

Die Fallgruppe wies einen mittleren Serum-25(OH)-Vitamin-D-Spiegel von 12,19 ng/ml ±4,37 SD (95% KI [Konfidenzintervall] 10,5-13,8 ng/ml) und die Kontrollgruppe einen mittleren Serum-25(OH)-Vitamin-D-Spiegel von 20,11 ng/ml ±4,12 SD (95% KI 18,56-21,65 ng/ml) auf. Der Unterschied in der mittleren 25(OH)D-Serumkonzentration zwischen der Fall- und der Kontrollgruppe war statistisch signifikant (p-Wert <0,0001). In der linearen Regression zeigte sich eine signifikante inverse Korrelation zwischen dem Vitamin D-Status und der Karies-Inzidenz.

Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass Vitamin D-Mangel ein modifizierbarer Risikofaktor sowohl für die Häufigkeit als auch für die Schwere von Zahnkaries bei Kindern ist.

Kommentar:

Karies tritt nicht nur in Entwicklungsländern häufig auf, sondern stellt auch in Industrieländern immer noch ein Problem dar. Karies ist eng mit der oralen und allgemeinen Gesundheit, den sozio-ökonomischen Verhältnissen und der Lebensqualität verbunden. Neben Mundhygiene und Ernährung spielt Vitamin D eine wichtige Rolle bei dem Erhalt der Mund- und Zahngesundheit. Unzureichende Konzentrationen von 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D) werden in der Literatur mit Zahnfleisch-Erkrankungen (Gingivitis), Zahnverlust und Karies in Verbindung gebracht. Diese Erkenntnisse sind nicht neu und gehen auf wegweisende Untersuchungen von Mellanby und Mitarbeitern in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zurück. Vitamin D fördert nicht nur die Knochen- und Zahnmineralisation, sondern beeinflusst auch die Immunregulation der Mundhöhle. Vitamin D fördert die Bildung antimikrobieller Peptide (AMPs). Hierzu gehören Cathelicidin (LL37) und die humanen Defensine. AMPs sind körpereigene Antibiotika, die den menschlichen Organismus an den Grenzflächen seines Körpers, der Haut und den Schleimhäuten vor eindringenden Erregern schützen. In den letzten Jahrzehnten sind Prävalenz und Schweregrad der kariösen Dentin-Läsionen in den Industrieländern bei den 5- bis 12-jährigen trotz des erhöhten Zuckerkonsums zurückgegangen. Die niedrigste Karies-Prävalenz zeigt sich aktuell bei den 12-jährigen in Ländern mit hohem Einkommen, die auch die niedrigste Prävalenz bei den 35- bis 44-jährigen aufweisen. Neben sozialen Faktoren wie Einkommen und Bildungsgrad scheinen auch pränatale Faktoren (Vitamin D-Status in der Schwangerschaft) für die spätere Karies-Inzidenz eine Rolle zu spielen. Eine aktuelle nationale kanadische Querschnittstudie weist bei 6-11-jährigen Kindern und Jugendlichen (KJ) auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen Kariesinzidenz und Vitamin D-Serumspiegeln für Werte <75 nmol/L (<30 ng/ml) und Werte <50 nmol/L (<20ng/ml) hin. Die kanadischen Daten zeigen weiter, dass die optimalen Vitamin D-Serumkonzentrationen zur Vermeidung einer Karies mit Werten von ≥75nmol/L (≥30 ng/ml) zu 57,6% und mit Werten von <75 nmol/L (<30 ng/ml) zu 42,4% vor einer Karies schützt. Für den vom IOM (Institute of Medicine, USA) festgelegten, sich an der Knochenmineralisation orientierenden Schwellenwert von ≥50 nmol/L (≥20 ng/ml), ergaben sich niedrigere, schützende Werte für die Kariesfreiheit, für Werte >50nmol/L (>20 ng/ml) zu 45,2% und für Werte < 50 nmol/L (<20 ng/ml) zu 31,5%. Priemel et al. wiesen mit 675 Beckenkamm-Biopsien über alle Altersgruppen nach, dass erst ein Serum-Vitamin D-Status >30 ng/ml vor Mineralisationsdefekten im Knochen schützt, was auch für Zähne als knöchernes Gewebe zutreffen dürfte. 25(OH)D-Serumspiegel bis über >75 nmol/L (>30 ng/ml) tragen, wie die aktuelle Studie von Chhonkar et al. bestätigen konnte, dosisabhängig zum Schutz gegen Karies bei und sind mit einem verbesserten oralen und allgemeinen Gesundheitsstatus verbunden.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Chhonkar A, Gupta A, Arya V. Comparison of Vitamin D Level of Children with Severe Early Childhood Caries and Children with No Caries. Int J Clin Pediatr Dent 2018;11(3):199-204
Frencken, JE et al. Global epidemiology of dental caries and severe periodontitis – a comprehensive review. J Clin Periodontol 2017 Mar; 44 Suppl 18: S94-S105
Grant, WB. A review of the role of solar ultraviolet-B irradiance and vitamin D in reducing risk of dental caries. Dermatoendocrinol 2011 Jul; 3(3): 193-198
Schroth RJ et al. Prenatal vitamin D and dental caries in infants. Pediatrics 2014 May; 133(5): e1277-1284
Weston-Price, S et al. A multi-variable analysis of four factors affecting caries levels among five-year-old children; deprivation, ethnicity, exposure to fluoriditated water and geographic region. Community Dent Health 2018 Sep 6
Kim, IJ et al. A cross-sectional study on the association between vitamin D levels and caries in the permanent dentition of Korean children. BMC Oral Health 2018 Mar 13; 18(1): 43
Priemel, M et al. Bone mineralization defects and vitamin D deficiency: histomorphometric analysis of iliac crest bone biopsies and circulating 25-hydroxyvitamin D in 675 patients. J Bone Miner Res 2010 Feb; 25(2): 305-312
Schroth, RJ et al. Vitamin D and Dental Caries in Children. J Dent Res 2016 Feb; 95(2): 173-179

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