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Prävalenz und Determinanten des Vitamin D-Mangels im dritten Trimester der Schwangerschaft

Vitamin D-Mangel ist ein in vielen Bevölkerungsgruppen verbreitetes ganzjähriges Phänomen und ist mit gesundheitlichen Folgen verbunden. Aus diesem Grund wurden in Deutschland die Vitamin D Aufnahme-Empfehlungen im Jahr 2012 von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vervierfacht. Diese Empfehlungen schließen auch Schwangere mit ihrem erhöhten metabolischen Bedarf ein. Ein ausreichender Vitamin D-Status ist für die mütterliche und kindliche Entwicklung unverzichtbar. Mangel scheint in dieser Lebensphase mit besonders negativen gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind verbunden zu sein. Es liegen nur wenig belastbare Daten zum Vitamin-D-Status Schwangerer vor. Krieger et al. haben in den Geburtsabteilungen von Zürich, Bellinzona und Samedan (Schweiz) eine Studie zur Erfassung der Prävalenz und Determinanten des Vitamin-D-Mangels (Serum 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D) <50 nmol/l; <20 ng/ml) bei in der Schweiz lebenden Schwangeren (n=305) zum Zusammenhang zwischen 25(OH)D bei Schwangeren und ihren Nachkommen bei der Geburt (n=278) durchgeführt. Mit Fragebögen wurde versucht, Determinanten für einen Vitamin D-Mangel zu finden.

Die mediane 25(OH)D Serum-Konzentration im dritten Schwangerschaftstrimester betrug 46,0 nmol/l (18,4 ng/ml), was einer Vitamin D Mangel-Prävalenz von 53,4 % entspricht. Der mediane 25(OH)D-Spiegel im Nabelschnurblut-Serum betrug 50,0 nmol/l (20 ng/ml) und korrelierte mit dem mütterlichen 25(OH)D-Serumstatus (Spearmans Korrelation ρ=0,79; P<0-001). Multivariable logistische Regressionsanalysen zeigten, dass einige Determinanten den Vitamin-D-Mangel bei schwangeren Frauen signifikant beeinflussen. Dazu gehören das Herkunftsland, der Zeitpunkt der Geburt und die Einnahme von Vitamin D-Supplementen. Kurz vor der Geburt ermöglichten noch der body-mass-index (BMI), die Hautfarbe, die Verwendung von Sonnenschutzmitteln und die mütterliche Ausbildung, wenn auch jeder einzelne dieser Faktoren nicht signifikant war, insgesamt den vorhandenen Vitamin-D-Status zu erklären. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel war in dieser Kohorte Schwangerer und Neugeborener üblich. Die Einnahme eines Vitamin D-Supplements war die wichtigste Determinante zur Beeinflussung des Vitamin-D-Status, was darauf hinweist, dass der ergänzenden Vitamin D-Gabe in der Schwangerschaft mehr Aufmerksamkeit in der klinischen Praxis zukommen sollte.

Kommentar:

Vitamin D-Supplementierung während der Schwangerschaft scheint mit einer besseren neonatalen Gesundheit verbunden zu sein, wie eine aktuelle Meta-Analyse in JAMA Pediatrics erkennen lässt. Die Forscher analysierten 24 Studien, in denen 5400 schwangere Frauen zur Vitamin-D-Supplementierung in einen Interventionsarm oder eine Kontrolle (Placebo oder keine Supplementierung) randomisiert wurden. Die mütterliche Vitamin-D-Supplementierung war insgesamt mit einem um 28% (95% KI 1%-48%) geringeren Risiko für eine Mangelgeburt (ohne Einfluss auf die fetale oder neonatale Mortalität) verbunden. Die mütterliche Einnahme von  2000 IU/Tag führte zu einem signifikanten, um 65% geringeren fetalen und neonatalen Mortalitäts-Risiko. Die Studie von Krieger et al. leistet einen wichtigen Beitrag zur Erfassung des Serum-Vitamin D-Status von Schwangeren und Neugeborenen in der Schweiz und mag auch für andere europäische Länder von Interesse sein. Die schweizerische Vitamin D-Mangel-Prävalenz Schwangerer entspricht mit 53% in etwa der für die Nachbarländer berichteten Prävalenz von 77% (Deutschland), 85% (Nord-Italien), 41% (Frankreich), 45% (Belgien), 60% (Finnland) und 65% (Schweden). Der im Nabelschnurblut gemessene Vitamin D-Status korreliert variabel mit den mütterlichen Blutwerten.

In der MAVIDOS-Studie wurden 569 Schwangere auf einen Plazebo- und 565 Schwangere auf einen Therapie-Arm mit 1000 IU Cholecalciferol randomisiert. Bei 65% der Neugeborenen konnte die Knochendichte als primäres Ergebnisziel untersucht werden. Hierbei unterschied sich die Knochendichte der Plazebo-Gruppe nicht von der Interventionsgruppe. In einer weiteren finnischen Studie konnte gezeigt werden, dass dies auch bis zu einer Vitamin D-Aufnahme von 1200 IU gilt. Das in beiden Studien angestrebte primäre Ergebnisziel, die Skelett-Mineralisation zu steigern, konnte weder in der MAVIDOS, noch in der aktuellen finnischen Studie erreicht werden. Möglicherweise ist die finnische Basisversorgung über mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel bereits so gut, dass eine weitere Supplementierung zumindest auf die Knochendichte keinen Einfluss mehr besitzt. In allen bisherigen Studien wurden die Vitamin D-Supplemente ohne Nebenwirkungen vertragen.

Trotz vieler, noch offener Fragen zu den Auswirkungen und zur Therapie des Vitamin D-Mangels in der Schwangerschaft, wird in vielen Ländern bereits eine generelle Supplementierung mit Vitamin D in der Schwangerschaft empfohlen. Das britische Gesundheitsministerium empfiehlt die Gabe von 400 IU für alle Schwangeren zur Prophylaxe einer neonatalen Hypocalcämie. Eine Supplementierung bis zu 1200 IU pro Tag ist sicher und führt bei den meisten Schwangeren zu einem ausreichenden Vitamin D-Status. In einer australischen Pilot-Studie waren sogar 2000 IU pro Tag notwendig, um bei den meisten Schwangeren einen ausreichenden Vitamin D-Status zu erreichen. Weitere Untersuchungen erscheinen notwendig, um die optimale Wirksamkeit und Sicherheit der Vitamin D-Supplementierung schon vor der Schwangerschaft und in der Schwangerschaft über unterschiedliche Ethnien und Ergebnisgrößen zu prüfen. Hierbei dürfte auch die genetische Fähigkeit zur Metabolisierung von Vitamin D eine wichtige Rolle spielen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Krieger, JP et al. Prevalence and determinants of vitamin D deficiency in the third trimester of pregnancy: a multicenter study in Switzerland. Br J Nutr 2018 Feb; 119(3): 299-309
Bi, WG et al. Association Between Vitamin D Supplementation During Pregnancy and Offspring Growth, Morbidity, and Mortality: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Pediatr 2018 May 29 (epub ahead of print)
Cooper, C et al. Maternal gestational vitamin D supplementation and offspring bone health (MAVIDOS): a multicenter, double-blind, randomized placebo-controlled trial. Lancet Diabetes Endocrinol 2016 May; 4(5): 393-402
Rosendahl, J. Effect of Higher vs Standard Dosage of Vitamin D3 Supplementation on Bone Strength and Infection in Healthy Infants. A Randomized Clinical Trial. JAMA Pediatrics 2018 May 29 (epub ahead of print)
Curtis, EM et al. Maternal vitamin D supplementation during pregnancy. Br Med Bull 2018 Apr 19. (epub ahead of print)
Tran, B et al. Recruitment and results of a pilot trial of vitamin D supplementation in the general population of Australia. J Clin Endocrinol Metab 2012 Dec; 97(12): 4473-4478

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