Sollten Blutdrucksenker besser abends als morgens eingenommen werden?

Mit der Hygia-Chronotherapiestudie, die im Rahmen der klinischen Primärversorgung durchgeführt wurde, wurde untersucht, ob eine abendliche im Vergleich zur üblichen morgendlichen Einnahmezeit der Blutdruck-Medikamente nach dem Aufwachen zu einer besseren Einstellung des Blutdrucks und damit auch zu einer Reduktion des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) führt.

In dieser multizentrischen, kontrollierten, prospektiven Studie wurden 19.084 Hypertonie-Patienten (10.614 Männer/8.470 Frauen, mittleres Alter 60,5 ± 13,7 Jahre) im Verhältnis 1:1 entweder mit der gesamten Tagesdosis von ≥1 Hypertonie-Medikamenten zur Schlafenszeit (n=9.552) oder nach dem Aufwachen (n=9.532) behandelt. Bei der Aufnahme in die Studie und bei jedem geplanten Klinikbesuch (mindestens einmal jährlich) wurde während der gesamten Nachbeobachtung eine ambulante Blutdrucküberwachung (ABPC Ambulatory Blood Pressure Control) über 48 Stunden durchgeführt. Während der medianen 6,3-jährigen Nachsorge trat bei 1.752 Teilnehmern einer der primär definierten kardiovaskulären Endpunkte ein: kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, koronare Re-Vaskularisierung, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall. Patienten, die zur Schlafenszeit ihre Blutdruckmedikation erhielten, zeigten im Vergleich zur morgendlichen Gabe eine signifikant niedrigere Hazard-Ratio (HR) für alle kardiovaskulären Studien-Endpunkte. Die HR betrug für alle kardiovaskulären Ereignisse 0,55 (95% KI 0,50-0,61; P < 0,001) und für jede Einzelkomponente wie kardiovaskulären Tod 0,44 (95% KI 0,34-0,56), Myokardinfarkt 0,66 (95% KI 0,52-0,84), koronare Re-Vaskularisierung 0,60 (95% KI 0,47-0,75), Herzinsuffizienz 0,58 (95% KI 0,49-0,70) und Schlaganfall 0,51 (95% KI 0,41-0,63). Dabei wurden wesentliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Typ-2-Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Rauchen, HDL-Cholesterin, Mittelwert des systolischen Blutdrucks im Schlaf, relativer Rückgang des systolischen Blutdrucks im Schlaf und frühere kardiovaskuläre Ereignisse berücksichtigt.

Die routinemäßige Einnahme von ≥1 Medikamenten zur Schlafenszeit führte in dieser Studie bei Hypertonie-Patienten zu einer besseren Blutdruckkontrolle als die Einnahme nach dem morgendlichen Aufwachen und war mit einem signifikanten Rückgang kardiovaskulärer Ereignisse verbunden.

Kommentar:

Wie die aktuelle Studie an fast 20.000 Patienten zeigt, ist die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten zur Schlafenszeit mit einer verbesserten Blutdruckkontrolle und einem nahezu halbierten kardiovaskulären Risiko verbunden. Die Ergebnisse betrafen das kombinierte Gesamtrisiko und jede einzelne Komponente der definierten Studien-Endpunkte (Herzinfarkt-, Herzinsuffizienzrisiko, koronares Re-Vaskularisierungs- und Schlaganfallrisiko). Die Daten aus der abschließenden Auswertung der ambulanten Blutdrucküberwachung zeigten einen deutlich niedrigeren mittleren systolischen Blutdruck/diastolischen Blutdruck (SBP/DBP) im Schlaf bei Personen, die zur Schlafenszeit ihre Antihypertensiva einnahmen. Der Blutdruck-Tagesmittelwert war im Vergleich zu den Patienten, die ihre Behandlung beim Aufwachen einnahmen, vergleichbar. Der relative Rückgang des SBP/DBP während des Schlafs war aber in der Gruppe mit abendlicher Medikamenten-Einnahme deutlich stärker. Die Hälfte der Patienten, die ihre Blutdrucksenker beim Aufwachen einnahmen, zeigten im Schlaf keinen Blutdruck-Abfall. Der nächtlich erhöhte Blutdruck ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden. Diese große praxisnahe Studie liefert gute Argumente, Patienten mit einem erhöhten Blutdruck und einer einmaligen Medikamenten-Gabe zu empfehlen, über den Wechsel von der morgendlichen auf die abendliche Gabe nachzudenken. 

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Hermida RC et al. Bedtime hypertension treatment improves cardiovascular risk reduction: the Hygia Chronotherapy Trial. Eur Heart J 2019.

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