Ist eine Allergie-Testung gegen Hymenoptera-Venom (z.B. Bienen, Wespen) bei Patienten ohne systemische Reaktionen nach einem Stich sinnvoll?

Gerade im Sommer werden in der Praxis immer wieder Patienten nach einem Stich durch Hymenoptera (Hymenoptera -  Hautflügler) vorgestellt.  Zu den Hymenoptera werden Bienen, Wespen und Hummeln (neben weiteren) gezählt.

Fast alle Erwachsenen sind mindestens einmal im Leben von Bienen oder Wespen gestochen worden. Bei weniger als 7% der Betroffenen treten schwere systemische Reaktionen (SSR) auf. Dazu gehören Urtikaria, Angio-Ödeme oder anaphylaktische Symptome. Bienenstiche können in seltenen Fällen auch zu neurologischen Symptomen führen. Erst kürzlich wurde über einen Bienenstich bei einem 6jähriges Mädchen berichtet, bei dem innerhalb von 3 Tagen nach dem Ereignis eine symmetrisch aufsteigende Lähmung mit einer motorischen axonalen Neuropathie beobachtet wurde. 

Etwa ein Viertel der gestochenen Patienten entwickeln starke lokale Symptome ohne systemische Reaktionen. Spezifische Antikörper gegen Hymenoptera können aber bei 40% der Erwachsenen nachgewiesen werden, was nahelegt, dass die meisten gegen das Hymenoptera-Venom sensibilisierten Patienten nicht systemisch auf Bienen- oder Wespenstiche reagieren. Eine Venom-Immuntherapie ist auch nur bei systemischen Reaktionen und bei nachgewiesenen Venom-Antikörpern, nicht bei lokalen Reaktionen, indiziert.

Patienten oder Eltern betroffener Kinder mit ausgeprägten lokalen Reaktionen nach einem Bienen- oder Wespenstich sind besorgt, dass sie gegen Bienen- und Wespen-Stiche allergisch reagieren, und bitten häufig um eine Test-Untersuchung. 

Diese Sorge scheint in den meisten Fällen unbegründet zu sein. Lokale Reaktionen nach einem Stich kommen häufig vor, während systemische Reaktionen selten sind. In einer aktuellen Studie wurden an 94 Probanden, die nicht gegen Hymenoptera Venom sensibilisiert waren, im Humanexperiment Bienen- oder Wespenstiche herbeigeführt. Dabei wurden die klinischen und die immunologischen Reaktionen nach 3 Stunden, 1 Woche, 4 Wochen und einem Jahr erfasst. Bei 5 Probanden (5,3%) traten schwere systemische Reaktionen (SSR), bei 41% ausgeprägte lokale Reaktionen (ALR) auf. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung war das Risiko für eine ALR um das 9,5fache erhöht. Dies galt nicht für SSR. Bei 18 Patienten wurde ein erneuter Stich herbeigeführt; dabei zeigten 50% eine erneute ALR, aber keine SSR. Obwohl die spezifischen IgE-Antikörper nach einem Stich anstiegen, war das Risiko für eine SSR gering. Die Autoren weisen darauf hin, dass es derzeit keine Möglichkeit gibt, zwischen einer symptomatischen und asymptomatischen Sensibilisierung zu unterscheiden.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Sturm, GJ et al. Sensitization to Hymenoptera venoms is common, but systemic sting reactions are rare. J Allergy Clin Immunol 2014 Jun; 133(6): 1635-1643
Saini, AG et al. Acute axonal polyneuropathy following honey-bee sting: a case report. J Child Neurol 2014 Jay; 29(5): 674-6

Kontakt

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Services oder allgemeine Anmerkungen?

ALIUD PHARMA GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 19
89150 Laichingen

Fon +49 7333 9651-0
Fax +49 7333 9651-4000

> zum Kontaktformular

Ihr Login in die ALIUD FACHWELT

Die ALIUD FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.