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Beeinflusst der Vitamin D-Status die geistigen Fähigkeiten und die psychische Gesundheit Jugendlicher?

Die norwegischen Autoren haben mit dieser randomisierten doppelblinden Placebo-kontrollierten Studie untersucht, ob die Vitamin D-Supplementierung einen Einfluss auf den Vitamin-D-Status, die Leistungsfähigkeit und die selbst wahrgenommene psychische Gesundheit bei einer Gruppe norwegischer Jugendlicher im Winter besitzt.

Fünfzig Jugendliche im Alter zwischen 13 und 14 Jahren (32 Mädchen, 18 Jungen) aus 2 Schulen in der Umgebung von Bergen, Norwegen, wurden doppelblind randomisiert und einer Interventionsgruppe (Vitamin D-Perlen, 8 Jungen, 17 Mädchen) oder einer Kontrollgruppe (Placebo-Perlen, 10 Jungen, 15 Mädchen) zugeordnet. Die Interventionsperiode startete mit der täglichen Gabe von 38 µg (1520 IE) im Januar und dauerte bis Ende April. Vor (Vorprüfung im Dezember/Januar) und nach (Nachprüfung im April/Mai) der Interventionszeit wurden die Teilnehmer einem Testverfahren ausgesetzt, das aus Blutabnahme, Durchführung von kognitiven Tests (Tower of Hanoi [ToH]und Tower of London [ToL]) und der Youth-Self-Report-Version der Child Behavior Checkliste bestand. Der ToH und der ToL erfassen das strategische Denken, das für die erfolgreiche Problemlösung erforderlich ist.

Die multivariate Datenanalyse zeigte, dass Teilnehmer mit niedrigem Vitamin D-Status bei dem „Tower of London-Tests“ und den schwierigeren Teilaufgaben bei dem „Tower of Hanoi-Tests“ schlechter abschnitten und tendenziell eine höhere Häufigkeit von Externalisierungsproblemen und Aufmerksamkeitsdefiziten aufwiesen. Beim Vortest betrug der mittlere Vitamin-D-Serumspiegel, gemessen als 25-Hydroxy-Vitamin D, 42 nmol/L (entsprechend 16,8 ng/ml), was allgemein als Mangel (<50 nmol/L oder 20 ng/ml) definiert wird. Die Supplementierung mit Vitamin D führte in der Interventionsgruppe zu einem signifikanten Anstieg des Vitamin-D-Serumspiegels auf einen mittleren Wert von 62 nmol/L (entsprechend 24,8 ng/ml). Im Ergebnis konnte die Interventionsgruppe ihre Leistung bei den anspruchsvollsten Teilaufgaben des ToH verbessern, während sich bei den leichteren Aufgaben kein Unterschied zeigte. Auch die selbst wahrgenommene Gesundheit war in der Interventionsgruppe höher als in der Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Vitamin-D-Serumstatus sowohl die Leistungsfähigkeit als auch das psychische Wohlbefinden bei norwegischen Jugendlichen im Winter beeinflusst.

Kommentar:

Der individuelle Vitamin D-Mangel hängt vom Breitengrad des Wohnortes, der solaren Exposition, der Jahreszeit, dem genetischen Make-up und nicht zuletzt vom Lebensstil ab. Eine tierexperimentelle und observationale Evidenz weist auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Status und Kognition. Ein internationales Expertengremium stimmt auch darin überein, dass Vitamin D-Status und Kognition wahrscheinlich zusammenhängen, Einzelheiten aber weiterer Klärung in longitudinalen Studien bedürfen. Für das Erwachsenenalter konnte in Longitudinalstudien gezeigt werden, dass der Vitamin D-Status und die Vitamin D-Aufnahme konsistent mit der Kognition verbunden sind. Die aktuelle, randomisierte, kontrollierte Studie von Grung et al. unterstreicht die Bedeutung von Untersuchungen zur Beziehung von Vitamin D, Kognition, mentaler Gesundheit und Wohlbefinden, auch für Jugendliche. Hierüber liegen, im Gegensatz zum Erwachsenenalter, kaum Untersuchungen vor. Die Autoren konnten mit ihrer aktuellen Studie an norwegischen Jugendlichen erstmals darstellen, dass die winterliche Supplementierung der Vitamin D-Serumwerte von einem mittleren Wert von 42 nmol/L (16,8 ng/ml) auf einen mittleren Wert von 62 nmol/L (24,8 ng/ml) in der Interventionsgruppe die mentale Leistungsfähigkeit und das psychische Wohlbefinden im Vergleich zur Kontrollgruppe im Winter verbessert. Wie sieht der Vitamin D-Versorgungsstatus in Deutschland aus? Die meisten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen (über 60%) weisen im Jahresdurchschnitt Werte unter 50 nmol/L (20 ng/ml), etwa 20% von unter 25 nmol/L (12,5 ng/ml) auf und besitzen damit definitionsgemäß keine optimale Vitamin D-Versorgung. Für Werte unter 25 nmol/L wissen wir, dass sie langfristig zu Knochenmineralisationsstörungen, Rachitis im Kindesalter und Osteomalazie im Erwachsenenalter führen können. Welche Auswirkungen ein suboptimaler Vitamin D-Status <50 nmol/L langfristig auf die weitere Entwicklung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf die Gesundheit, die Knochen- und Zahnmineralisation, die Immunregulation, die Infektresistenz, die mentalen Funktionen und das Krebsrisiko besitzt, bedarf für alle Altersgruppen weiterer Klärung. Wie sieht es mit der Vitamin D-Versorgung in Deutschland aus? Die offizielle Stellungnahme zum Vitamin D-Mangel einer bundesdeutschen Expertenkommission lautet:

„Bei der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland liegt kein Vitamin-D-Mangel vor. Jedoch erreicht mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht die wünschenswerte Konzentration des Markers 25-(OH)D von 50nmol/L (20 ng/ml) im Blut. Bei ca 15% der Bevölkerung liegt die durchschnittliche 25-(OH)D-Serumkonzentration weit unter 25 nmol/L (10 ng/ml).“

Die Empfehlungen der deutschen Expertenkommissionen, eine Vitamin D-Supplementierung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nur bei Mangelkrankheiten und vorliegenden Risikofaktoren durchzuführen, entsprechen nicht den Empfehlungen anderer Länder wie z.B. Skandinavien, USA, Kanada und UK. Wenn erst Mangelerkrankungen zu einer Empfehlung zur Vitamin D-Supplementierung führen, bleiben die Möglichkeiten zur Prävention ungenutzt. Grung et al. haben mit ihrer Studie zeigen können, dass bereits kleine Änderungen im Vitamin D-Serumstatus von 42 nmol/L auf 62 nmol/L über 4 Monate einen positiven allgemeinen Einfluss auf die Gesundheit, das psychische Wohlbefinden und die mentale Leistungsfähigkeit  bei norwegischen Jugendlichen besitzen. 

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Grung, B et al. Linking vitamin D status, executive functioning and self-perceived mental health in adolescents through multivariate analysis: A randomized double-blind placebo control trial. Scand J Psychol 2017 Apr; 58(2): 123-130
Annweiler, C et al. ‘Vitamin D and cognition in older adults’: updated international recommendations. J Intern Med 2015 Jan; 277(1): 45-57
Goodwill AM, Szoeke C. A Systematic Review and Meta-Analysis of The Effect of Low Vitamin D on Cognition. J Am Geriatr Soc 2017 Oct; 65(10). 2161-2168
Beydoun, MA et al. Vitamin D Status and Intakes and Their Association with Cognitive Trajectory in a Longitudinal Study of Urban Adults. J Clin Endocrinol Metab 2018 Apr 1; 103(4): 1654-1668
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen. Stellungnahme zu Vitamin D-haltigen Produkten (01/2016) Revision 1.1 (2017). https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelzulassung/ZulassungsrelevanteThemen/Abgrenzung/Expertenkommission/stellungnahmen/_node.html. Download 04.11.18
Kunz, C et al. No improvement in vitamin D status in German infants and adolescents between 2009 and 2014 despite public recommendations to increase vitamin D intake in 2012. Eur J Nutr May 18 [epub ahead of print]

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