Bereits ein geringer Zigarettenkonsum erhöht das Risiko für eine koronare Herzerkrankung und einen Schlaganfall

Etwa 900 Millionen Menschen rauchen weltweit. Obwohl die Prävalenz vor allem in den Industrieländern abnimmt, hat die Zahl der Raucher weltweit auf Grund des Bevölkerungswachstums weiter zugenommen. Vor allem in den westlichen Industrieländern werden Raucher über das Risiko des Zigarettenkonsums durch Aufdrucke auf den Verpackungen und über diverse Medien aufgeklärt. Viele Raucher glauben jedoch immer noch, dass Rauchen sicherer wird, wenn nur wenige Zigaretten pro Tag konsumiert werden. Dieser Trugschluss wird durch die Literatur widerlegt. Mit ihrer aktuellen Studie haben die Autoren nach einer Beziehung zwischen leichtem Zigarettenkonsum (eine bis fünf Zigaretten pro Tag) und dem Risiko für Herz-Kreislauf- und für cerebrovaskuläre Erkrankungen in einem systematischen Review und einer Meta-Analyse gesucht. Hierzu haben sie in Medline zwischen 1946 und Mai 2015 prospektive Kohorten-Studien identifiziert, in denen über wenigstens 50 kardiovaskuläre oder cerebrovaskuläre Ereignisse berichtet und die relativen Risiken des Zigaretten-Konsums erfasst worden waren.

In die Meta-Analyse konnten 55 Publikationen mit 141 Kohorten-Studien eingeschlossen werden. Für Männer war das zusammengefasste koronare Risiko für eine Zigarette pro Tag auf 1,48, für 20 Zigaretten auf 2,04 erhöht. Bei Frauen waren die beiden Risiken jeweils auf 1,57 und entsprechend auf 2,84 erhöht. Das zusammengefasste Schlaganfallrisiko war bei Männern auf 1,25 für eine und auf 1,64 für 20 Zigaretten pro Tag erhöht, für Frauen entsprechend auf 1,31 und 2,16.

Das Rauchen nur einer Zigarette pro Tag erhöht das Risiko für eine koronare Herzerkrankung und einen Schlaganfall etwa auf die Hälfte des Risikos für Menschen, die 20 Zigaretten pro Tag rauchen. Dies bedeutet, dass es keine sichere Grenze für Raucher gibt. Raucher sollten deshalb eher mit ihrer Gewohnheit brechen als den Zigarettenkonsum zu reduzieren.

Kommentar:

Die meisten Menschen glauben, dass die Reduktion des Tabakkonsums den gesundheitlichen Schaden mindert. Von 24.685 befragten amerikanischen Jugendlichen glaubten 10%, das „wenig rauchen“ nicht schädlich ist, nur 35% der Befragten assoziierten auch „wenig rauchen“ mit sehr schädlich. Man könnte vermuten, dass „weniger rauchen“ auch das Risiko für einen gesundheitlichen Schaden proportional mindert. Das würde bedeuten, dass eine Zigarette nur ein Zwanzigstel (5%) des Schadens von 20 Zigaretten verursachen würde. Dies mag für Lungenkrebs zutreffen, für den in der „American Cancer Society Prevention Study II“ eine lineare Beziehung zwischen dem Lungenkrebs-Risiko und dem täglichen Zigarettenkonsum nachgewiesen werden konnte. Dies gilt aber offenbar nicht für das kardiovaskuläre Risiko. Hier zeigt die Dosis-Wirkungskurve einen steilen Anstieg im Niedrigbereich, um dann abzuflachen. Jemand, der nur eine Zigarette pro Tag raucht, trägt aber in etwa dasselbe kardiovaskuläre Risiko wie jemand, der „secondhand smoke“ aus der Umgebungsluft einatmet. Die Autoren konnten die bekannte Dosis-Wirkungs-Beziehung mit ihrer aktuellen Studie bestätigen und erneut zeigen, dass ein großer Anteil (55%-65%) des kardiovaskulären und cerebrovaskulären Risikos sich auf den Konsum von nur wenigen Zigaretten (1-5) pro Tag bezieht. Die Studie von Hackshaw et al. bestätigt die Erkenntnis: Jegliche Art von Tabakrauch-Exposition schädigt die Gesundheit.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Hackshaw, A et al. Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports. BMJ 2018 Jan 24; 360: j5855
Johnson, K. Just one cigarette a day seriously elevates cardiovascular Risk. BMJ 2018; 316: k167
Denlinger-Apte, RL et al. Low Nicotine Content Descriptors Reduce Perceived Health Risks and Positive Cigarette Ratings in Participants Using Very Low Nicotine Content Cigarettes. Nicotine Tob Res 2017 Oct 1; 19(10): 1149-1154
Pope, Ca 3rd et al. Lung cancer and cardiovascular disease mortality associated with ambient air pollution and cigarette smoke: shape of the exposure response relationships. Environ Health Perspect 2011 Nov; 119(11): 1616-1621
Pechacek, TF, Babb, S. Commentary: How acute and reversible are the cardiovascular risks of secondhand smoke? BMJ 2004 Apr 24; 328(7446): 980-983
Amrock, SM, Weitzman, M. Adolescents‘ perceptions of light and intermittent smoking in the United States. Pediatrics 2015 Feb; 135(2): 246-254

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