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Der Vitamin D-Status in den ersten zehn Lebensjahren und das Allergie- und Asthma-Risiko

Es besteht der Verdacht, dass der Vitamin D-Mangel ein möglicher Risikofaktor bei der Asthmaentwicklung sein könnte. Die bisherigen Untersuchungen im Kindesalter haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Autoren des Telethon-Kids Institute haben jetzt erstmals in Perth, Australien, mit einer prospektiven Studie die Beziehung zwischen 25(OH)D-Spiegeln, der allergischen Sensibilisierung, Asthma und der Infekthäufigkeit von der Geburt bis zum Alter von 10 Jahren verfolgt. Die Plasma-25(OH)D-Spiegel wurden bei der Geburt, mit 6 Monaten, mit 1, 2, 3, 4, 5 und 10 Jahren erfasst und mit dem klinischen Verlauf verbunden. Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die bisher kontrovers geführten Diskussionen zu diesem Thema.

In der Querschnittsanalyse konnte eine inverse Beziehung zwischen dem 25(OH)D-Spiegel und dem Risiko für eine allergische Sensibilisierung im Alter von 6 Monaten, 2 und 3 Jahren nachgewiesen werden. In einer „mixed–effects“-Regressionsanalyse zeigte sich eine inverse longitudinale Beziehung zwischen dem 25(OH)D-Spiegel, der allergischen Sensibilisierung und dem Auftreten von Ekzemen. Im multivariaten Regressionsmodell war die Anzahl der Follow-ups mit einem Vitamin D-Mangel positiv mit dem Auftreten von Giemen, Asthma und allergischer Sensibilisierung mit 10 Jahren verbunden. Die 25(OH)D-Spiegel waren ebenfalls invers mit einer frühen naso-pharyngealen Besiedlung mit Streptokokken und mit dem Alter des ersten fieberhaften Infektes der unteren Atemwege korreliert. Beides gilt als Risikofaktoren für Asthma.

Kommentar:

Die Studie der australischen Autoren konzentriert sich auf eine Geburtskohorte mit einem hohen genetischen Sensibilisierungs-, Asthma- und Allergie-Risiko, die über die ersten 5 Lebensjahre intensiv klinisch und bei Atemwegsinfekten auch intensiv diagnostisch (bakterieller und viraler Erregernachweis) begleitet wurde. Die weitere Entwicklung wurde bis zum 10. Lebensjahr verfolgt. Mit den erhobenen Daten haben die Autoren untersucht, ob eine Verbindung zwischen Infektionen, allergischer Sensibilisierung und späterem Asthma besteht. Dies ist ein Weg, der noch nicht verstanden wird. Zwischen Säuglings- und Kleinkindalter scheint, ein Zeitfenster für ein erhöhtes Asthma-Risiko zu bestehen, vor allem dann, wenn eine Sensibilisierung mit Aero-Allergenen und Infektionen der unteren Atemwege zusammentreffen. Die aktuellen Ergebnisse von Hollams et al. lassen vermuten, dass ein Vitamin D-Mangel während der ersten Lebensjahre einer der möglichen Determinanten für das Asthma-Risiko ist. Diese Ergebnisse werden von einer älteren Untersuchung bestätigt, deren Ergebnisse im Rahmen einer unselektierten Kohortenstudie einen Zusammenhang zwischen einem Vitamin D-Mangel mit 6 Jahren und einer allergischen Sensibilisierung und Atopie im Alter von 14 Jahren aufweisen. In einer weiteren dänischen Studie konnte gezeigt werden, dass bereits ein niedriger Vitamin D-Status im Nabelschnurblut das Risiko für Atemwegsprobleme und Ekzeme bis zum Alter von 7 Jahren erhöht. Wie eine weitere dänische Studie zeigt, kann das Allergie-Risiko gegen Hausstaubmilben durch eine dosisabhängige Gabe von Vitamin D in der Schwangerschaft und im Säuglingsalter (Mutter / Kind Paare 1000IE/400IE oder 2000IE/800IE) bis zum Alter von 18 Monaten reduziert werden. Insgesamt ergaben sich nachfolgende Sensibilisierungswerte für Placebo, Dermatophagoides farinae (Der-f1; Der f2) und Dermatophagoides pteronyssinus (Der-p1; Der-p2): Die Der-f1-Sensibilisierungsrate betrug 18% für Placebo, 10% für die 1000IE/400IE Mutter/Kind-Kombination, 2% für die 2000IE/800IE Mutter/Kind-Kombination, entsprechend für Der-f2 14%, 3%, 2%; für Der-p1 19%, 14%, 3%, und für Der-p2 12%, 2%, 3%. Nicht nur molekularbiologische Befunde, sondern auch klinische Studien sprechen insgesamt für einen frühen immunmodulierenden Einfluss von Vitamin D auf das Allergie-, Asthma- und Ekzemrisiko. Wenn an der Validität der Ergebnisse wenig gezweifelt werden kann, sollten sie in weiteren Untersuchungen bestätigt werden, um die Erkenntnisse in die tägliche Praxis zu übertragen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Hollams, EM et al. Vitamin D over the first decade and susceptibility to childhood allergy and asthma. J Allergy Clin Immunol 2016 Oct 7 (epub ahead of print)
Greiller, CL, Martineau, AR. Modulation of the immune response to respiratory viruses by vitamin D. Nutients 2015; 4240-4270
Hollams, EM et al. Vitamin D and atopy and asthma phenotypes in children: a longitudinal cohort study. Eur Resp J 2011; 38(6): 1320-1327
Grant, CC et al. Vitamin D supplementation during pregnancy and infancy reduces aeroallergen sensitization: a randomized controlled trial. Allergy 2016 Sep; 71(9): 1325-1234
Chawes, BL et al. Cord blood 25(OH)-vitamin D deficiency and childhood asthma, allergy and eczema: the COPSA2000 birth cohort study. PLoS One 2014 Jun 12; 9(6): e99856

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