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Die Behandlung der atopischen Dermatitis im Kindes- und Jugendalter: Womit und wie lange?

Es liegen keine ausreichenden Kenntnisse darüber vor, womit und wie lange Kinder und Jugendliche mit Ekzemen behandelt werden sollten. Die Autoren sind dieser Frage im Rahmen einer schwedischen Kohorten-Studie (Population-Based Birth Cohort Study - BAMSE) nachgegangen.

Fragebogenbasierte Daten über Symptome, Schwere des Verlaufs und die Art der Behandlung wurden bei 3.108 Jugendlichen (Teil einer bevölkerungsbezogenen Geburtskohorte in Schweden – BAMSE) erhoben. Die Schwere der Ekzeme wurde mit dem BAMSE-Ekzem-Schweregrad-Score (BESS) in einem Fragebogen retrospektiv und bei klinisch untersuchten Patienten mit einem aktuellen Ekzem (n = 247) bewertet. Informationen über verordnete topische Glukokortikoide wurden dem schwedischen Arzneimittelverzeichnis entnommen.

Insgesamt berichteten 10% der Jugendlichen über ein Ekzem im Vorjahr. Der Krankheitsverlauf wurde nach den BESS-Skalen von 73% als mild, von 17% als mäßig und von 10% als schwer bewertet. Fast alle Patienten verwendeten Feuchtigkeitscremes, während 55% angaben, topische Glucocorticoide verwendet zu haben. Signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern konnten nicht nachgewiesen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Behandlung mit Feuchtigkeitscremes und topischen Glucocorticoiden stieg, wenn die Jugendlichen Symptome eines aktuellen Ekzems aufwiesen [angepasste Odds Ratio (OR) 5,95; 95% Konfidenzintervall (KI) 1,90-18,8], aber nicht, wenn sie unter schweren Ekzemen im Vergleich zu milden Ekzemen litten (angepasste OR 1,57, 95% KI 0,58-4,25). Unter den Jugendlichen mit einem im Vorjahr erfassten Ekzem waren 24% mit einem topischen Glucocorticoid behandelt worden. Jugendliche mit einem mittleren bis schweren aktuellen Ekzem erhielten nur zu 24% ein potentes topisches Glucocorticoid.

Diese bevölkerungsbezogene schwedische Studie zeigt, dass Jugendliche mit Ekzemen häufig unter- oder unbehandelt sind, auch solche mit schweren Ekzemen.

Kommentar:

Alle Jugendlichen, die unter atopischen Ekzemen litten, verwendeten überwiegend Feuchtigkeitscremes, nur etwa die Hälfte topische Corticosteroide. Jedoch nur 24% der Jugendlichen, die unter mäßigen, bis schweren Ekzemen leiden, nutzten topische Corticosteroide. Die von Lundin et al. erhobenen Daten zeigen, dass Jugendliche in den meisten Fällen weder sich selbst ausreichend behandeln, noch ausreichend behandelt werden. Dies entspricht den von Zuberbier et al. berichteten Ergebnissen. Dies mag auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden. Patienten berichten über ihre Bedenken, über 7 Tage topische Corticosteroide bei beginnenden Ekzemschüben einzusetzen, und verzögern damit den Therapiebeginn. Nur 24% der Patienten oder Betreuungspersonen fühlen sich kompetent genug, über die Therapie zu entscheiden. Die in Schweden erhobenen Daten dürften sich nicht wesentlich von vergleichbaren Ländern unterscheiden. Wie Bos et al. berichten, besteht bei vielen Atopie-Patienten, ihren Eltern, manchen Krankenschwestern und Ärzten eine Corticosteroid-Phobie. Irgendetwas scheint in der Versorgung falsch zu laufen, wenn 75% der Betreuungspersonen und Patienten angeben, dass eine wirksame Ekzemkontrolle die wichtigste Voraussetzung für eine Verbesserung der Lebensqualität sei, die Behandlung aber überwiegend unzureichend ist.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Lundin, S et al. Use of Emollients and Topical Glucococorticoids Among Adolescents with Eczema. Br J Dermatol 2018; 179(3): 709-716
Zuberbier, T et al. Patient perspectives on the management of atopic dermatitis. J Allergy Clin Immunol 2006 Jul; 118(1): 226-232
Bos, B et al. Corticosteroid phobia (corticophobia) in parents of Young children with atopic dermatitis and their health care providers. Pediatr Dermatol 2018 Oct 18 [epub ahead of print]

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