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Die sozialen Beziehungen von extrem Frühgeborenen in der Schule

Prämatur geborene Kinder tragen mit zunehmender Frühgeburtlichkeit ein hohes Entwicklungs-Risiko. Die Risiken betreffen die Kognition, die Motorik und das Verhalten. Bisher ist wenig über die soziale Entwicklung dieser Kinder und die Beziehung zu ihren Altersgenossen bekannt. Die Bildung von Freundschaften und funktionierende Beziehungen zur Altersgruppe tragen zur Persönlichkeitsentwicklung, zum Wohlbefinden und nicht zuletzt zum schulischen und späteren Lebenserfolg bei.

Mit ihrer Studie haben die Autoren die Freundschaftsnetzwerke, sozialen Beziehungen und Mobbing-Erfahrungen von 12-jährigen Kindern, die extrem früh (EPT; 23-27 Schwangerschaftswochen) und sehr früh (VPT; 28-32 Schwangerschaftswochen) geboren waren im Vergleich zu reifgeborenen Kindern (FT- full term; 38-41 Schwangerschaftswochen) untersucht. Hierbei sollten Verhaltensmerkmale identifiziert werden, die diese Kinder anfälliger für Interaktionsprobleme mit ihren Altersgenossen machen. Hierzu wurde eine regionale Kohorte von 44 EPT-, 60 VPT- und 109 FT-geborenen Kindern prospektiv bis zum Alter von 12 Jahren verfolgt. Die Art der engen Freundschaften, der Beziehungen zu Gleichaltrigen und der Mobbing-Erfahrungen der Kinder wurde mit Hilfe eines multimethodischen Ansatzes bewertet, der Eltern-, Lehrer- und Kinderberichte einschloss.

Insgesamt wiesen Kinder, die als EPT geboren wurden, mehr soziale Schwierigkeiten auf als Kinder, die als VPT und FT geboren wurden. Sie berichteten über weniger enge Freundschaften (5%-14% EPT versus 0%-3% VPT/FT), über mehr Unzufriedenheit mit ihren Altersgenossen (16% versus 1%-2%) und weniger Zeit für persönliche Interaktionen mit Freunden (16%-23% versus 5%-8%). Sie wurden auch dreimal häufiger von ihren Eltern und Lehrern als problematisch im Umgang mit Gleichaltrigen bewertet (P ≤ .001). Die Mobbing-Raten (≥2mal/Woche) waren bei EPT- und VPT-Kindern ähnlich (12%-14% versus 4% FT). Emotionale Probleme, Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und motorische Einschränkungen waren mit einem erhöhten Risiko für gestörte Beziehungen verbunden. Ein höherer Body-Mass-Index, eine verzögerte Pubertätsentwicklung, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität waren mit einer erhöhten Mobbing-Rate assoziiert. Die sozialen Schwierigkeiten betrafen mit Ausnahme des Mobbings vor allem Kinder, die als EPT geboren wurden. Die Entwicklung der sozialen Beziehungen sollten als Teil einer längerfristigen Entwicklungskontrolle und -unterstützung berücksichtigt werden.

Kommentar:

Die Ergebnisse zeigen, dass extrem Frühgeborene (EPT) besonders anfällig für kognitive und soziale Entwicklungsstörungen sind und, je nach Ausmaß ihrer Frühgeburtlichkeit, häufig Probleme mit dem Kontakt zu ihrer Altersgruppe haben. Sie gehen weniger Freundschaften ein und besitzen ein eingeschränktes soziales Netzwerk. Die Breite der freundschaftlichen Beziehungen scheint vor allem bei den EPT und nur gering bei den sehr früh Geborenen (VPT) eingeschränkt zu sein. Die Daten lassen erkennen, dass EPT-Kinder weniger am sozialen Leben ihrer Altersgruppe beteiligt und damit auch mangels hinreichender Kontakte in ihrer Sozialisation und Kognitionsentwicklung benachteiligt sind. Auf Grund ihrer Außenseiter-Rolle werden sie von ihrer Altersgruppe auch häufiger gemobbt, was zur Isolation und zu psychischen Störungen führen kann. Die Ergebnisse entsprechen denen früherer Untersuchungen, die zeigen konnten, dass EPT-Kinder, besonders Jungen, wegen ihrer geringen Einbindung in ihr soziales Umfeld besonders häufig Mobbing-Opfer sind. Die Erkennung dieses Problems und die Begleitung dieser Patienten ist eine pädiatrische und soziale Herausforderung.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Ritchie, K et al. Peer Relationship Outcomes of School-Age Children Born Very Preterm. J Pediatr 2018 Jun 26; pii: S0022-3476(18)30747-30749
Yau, G et al. Bullying of extremely low birth weight children: associated risk factors during adolescence. Early Hum Dev 2013 May; 89(5): 333-338
Wolke, D et al. Bullying of preterm children and emotional problems at school age: cross-culturally invariant effects. J Pediatr 2015 Jun; 166(6); 1417-1422

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