Ein höherer Schokoladenkonsum ist bei Jugendlichen mit längeren Telomeren verbunden

Schokolade wird von Menschen jeden Alters aus allen Bereichen der Gesellschaft weltweit konsumiert. Ihre Beliebtheit dürfte hauptsächlich auf den sensorischen Genuss und den damit verbundenen positiven Emotionen verbunden sein. Das in der Bevölkerung gestiegene Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und allgemeinem Wohlbefinden spiegelt sich zunehmend im Konsumverhalten der Verbraucher wider. Der Konsum von Schokolade (Kakao) wird in vielen Studien mit gesundheitlichen, vor allem aber kardiovaskulären Vorteilen verbunden. Ob Schokolade einen Einfluss auf die Zellalterung hat, ist bisher unbekannt. Die Autoren haben die Hypothese getestet, ob ein höherer Schokoladenkonsum mit einer längeren Leukozyten-Telomerlänge (LTL), einem Marker für Zellalterung, bei Jugendlichen verbunden ist.

Insgesamt wurden 660 Jugendliche (14-18 Jahre) in die Analyse einbezogen. Die Schokoladenzufuhr wurde über 7-Tage-, durch 24-Stunden-Diät-Rückrufe bewertet. Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt, kein Schokoladenkonsum, <2 Portionen/Woche und >2 Portionen/Woche. Die Bestimmung der LTL (T/S-Verhältnis) wurde mit einer modifizierten quantitativen Polymerase-Kettenreaktions-Untersuchung (PCR - Polymerase chain reaction) durchgeführt. Von den 660 Jugendlichen nahmen 58% keine Schokolade zu sich, 25% konsumierten <2 Portionen/Woche und 17% nahmen 2 oder mehr Portionen/Woche zu sich. Im Vergleich zu Nicht-Konsumenten wiesen Jugendliche mit 2 oder mehr Portionen Schokolade/Woche längere Leukozyten-Telomere auf (p =0,014). Ein höherer Schokoladenkonsum war auch mit einem erhöhten Serum-Apolipoprotein A1 (ApoA1) (p=0,038) und Serum-ApoA1/high-density lipoprotein (HDL) (p = 0,046) verbunden. Höhere Serum-ApoA1/HDL-Werte waren positiv mit längeren LTL (p = 0,026) korreliert.
Jugendliche, die 2 Portionen/Woche oder mehr Schokoladenbonbons konsumieren, haben im Vergleich zu Nicht-Konsumenten eine längere LTL.

Kommentar:

Telomere sind spezielle heterochromatische Strukturen, die das Ende linearer Chromosomen bilden und aus GC-reichen (guanosin-cytosin) wiederholten DNA-Sequenzen bestehen. Sie dienen der chromosomalen Genomstabilität. Sie werden bei jedem Zellzyklus verkürzt und spiegeln die Geschichte der Replikationshäufigkeit wider. Da die Länge der Telomere in einer umgekehrten Beziehung zum chronologischen Alter steht, werden sie als Marker für die Zellalterung betrachtet. Eine Vielzahl von Lifestyle- und Umgebungsfaktoren, wie zum Beispiel Stress in der Familie, Rauchen, körperliche Inaktivität und Adipositas verkürzen die Länge der Leukozyten-Telomere (LTL – Leukozyten-Telomerlänge). Der Konsum von Schokolade wurde in neueren Studien mit der Verbesserung kognitiver Funktionen, kardiovaskulären Vorteilen wie Blutdrucksenkung und Verbesserung des Lipidprofils assoziiert. Wie sich der Schokoladenkonsum auf den zellulären Alterungsprozess und damit die Telomerenlänge (TL) auswirkt, haben Chen et al. jetzt erstmals untersucht. Sie konnten zeigen, dass ein höherer Schokoladenkonsum bei gesunden Jugendlichen mit einer größeren TL (Telomerlänge) und einem höheren Serum-Apolipoprotein A1- und Serum-ApoA1/high-density lipoprotein(HDL)-Wert verbunden ist. Welche einzelnen Inhaltsstoffe der Schokolade (Kakao) die nachgewiesenen positiven Auswirkungen im Einzelnen auf die TL ausüben, wurde von Chen et al. nicht untersucht. García-Calzón et al. konnten zeigen, dass längere Telomere mit einem höheren Anti-Oxidantiengehalt in der Nahrung assoziiert sind. Eine schnellere Abnahme der TL im Adoleszentenalter scheint mit reduzierten kognitiven Funktionen im mittleren Erwachsenenalter einherzugehen. Hierzu sind jedoch weitere Studien zur Bestätigung erforderlich. Vielleicht ist der mäßige Schokoladenkonsum nicht nur mit einem sensorischen Lustempfinden über die endogen aus Omega-3- und Omega-6 Fettsäuren im Gehirn synthetisierten Endocannabinoide, sondern auch wegen des hohen Gehalts an Anti-Oxidantien mit einer Verlangsamung des zellulären Alterns verbunden? Dies muss in zukünftigen Studien geklärt werden.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Chen, L et al. Higher chocolate intake is associated with longer telomere length among adolescents. Pediatr Res 2019 Oct 1 [epub ahead of print]
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