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Aktuelle Theorien lassen vermuten, dass chronische Schmerzen zumindest teilweise durch maladaptive physiologische Reaktionen des Organismus auf einen rezidivierenden Stressor entstehen. In dieser Studie haben die Autoren - bei 16 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und 18 gesunden Kontrollpersonen - die Verbindungen zwischen dem basalen Cortisol-Spiegel, der jeweils an sieben aufeinanderfolgenden Tagen bestimmt wurde, dem Hippocampus-Volumen und der Aktivierung des Gehirns mit thermischer Stimulation, untersucht und daraus ein Stress-Modell entwickelt. 

Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit chronischen Rückenschmerzen höhere Cortisol-Spiegel als Kontrollpersonen aufweisen. Höhere Cortisol-Spiegel sind mit einem kleineren Hippocampus-Volumen und stärkeren, durch thermischen Schmerz induzierten Aktivitäten im vorderen Parahippocampus verbunden. Diese Region wird durch Wahrnehmung (z.B. Schmerz), episodisches Gedächtnis und assoziatives Lernen aktiviert. 

Die Ergebnisse stützen ein Stressmodell für chronische Schmerzen, das nahelegt, dass eine endokrine Stressantwort (z.B. Rückenschmerzen) bei Personen mit einem kleineren Hippocampus zu funktionellen Veränderungen mit anhaltenden Schmerz- und Angstzuständen beitragen kann. 

Kommentar:

Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen ein Medikament einnehmen oder einen Arzt mit dem Ziel aufsuchen, die Schmerzen loszuwerden. Schmerzpatienten leiden meist unter mehr als nur Schmerzen. Chronische Schmerzen sind häufig mit Depressionen, Angst- und Schlaf-Störungen verbunden, die einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität ausüben. Die vorhandenen Studien lassen einen Zusammenhang zwischen chronischem Stress und Schmerzen erkennen. Der menschliche Organismus reagiert auf Stress mit einer Ausschüttung von Katecholaminen (Adrenalin und Noradrenalin) und neuro-endokrinen Hormonen (Cortisol). Dies ist eine physiologische Anpassung (Alarmreaktion) an eine subjektiv wahrgenommene, vorübergehende Gefahrensituation (Kampf-oder Flucht-Reaktion) bei der zur Abwehr Energie mobilisiert wird. So nützlich die kurzfristige Anpassung an Stress sein mag, so schädlich ist dauerhafter Stress, der zu Regulationsstörungen und damit zu sich dauerhaft manifestierenden, psychischen und somatischen Funktionsstörungen führt. Wie wir mit Stress umgehen, hängt teilweise von unserem molekularbiologischen Make-up, dem Ausmaß unserer biologischen Belastbarkeit und der Stärke des Stressors (allostatische Belastung) ab. Freude, Ärger, seelische Erregung, körperliche und berufliche Belastung, erzeugen Stress. Was für den einen Eustress (guter Stress), ein positiver Antrieb ist, bedeutet für den anderen Distress (Belastung). Die Studie von Vachon-Presseau et al. und anderen zeigt, dass die Schmerzwahrnehmung unseres Körpers bei chronischem Stress (einer zu hohen allostatischen Belastung, wie z.B. bei chronischen Rückenschmerzen) bei Patienten mit einem reduzierten regionalen Volumen der grauen Substanz im Hippocampus und Para-Hippocampus zu funktionellen Veränderungen führt, die zum Krankheitsbild eines persistierenden Schmerz-Syndroms beitragen.

 

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Vachon-Presseau, E et al. The stress model of chronic pain: evidence from basal cortisol and hippocampal structure and function in humans. Brain 2013 Mar; 136: 815-827
Wei, D et al. Regional gray matter volume and anxiety-related traits interact to predict somatic complaints in a non-clinical sample. Soc Cogn Affect Neurosi 2015 Jan; 10(1): 122-128
Zhang, M et al. Neural basis of uncertain cue processing in trait anxiety. Sci Rep 2016 Feb 19; 6: 21298
Hannibal, KE, Bishop, MD. Chronic stress, cortisol dysfunction, and pain: a psychoneuroendocrine rationale for stress management in pain rehabilitation. Phys ther 2014 Dec; 94(12): 1816-1825

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