Erhöht ein Ungleichgewicht zwischen mehrfach ungesättigten Omega-3-PUFAs und Omega-6-PUFAs in der Frühschwangerschaft das postpartale mütterliche Depressionsrisiko?

Postpartale psychische Probleme von Müttern zeigen eine weltweit hohe Prävalenz. Postpartale psychische Erkrankungen belasten nicht nur Mütter, sondern auch ihre Neugeborenen. Sie greifen tief in das Zusammenleben der betroffenen Familien ein. Zwischen 10% und 20% der gebärenden Mütter erleben in den entwickelten Ländern eine postpartale Depression (PPD). Sie beeinflusst die Qualität der Mutter-Baby-Interaktion und die kurz- und langfristige Entwicklung der Neugeborenen. Einige Studien lassen vermuten, dass mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren (n-3-PUFA) an der Entstehung PPD beteiligt sein könnten. Die Autoren haben versucht, diesen möglichen Zusammenhang weiter aufzuklären.

Eine Kohorte von 122 gesunden schwangeren belgischen Frauen wurde für die Studie rekrutiert, mit der die Verbindung zwischen den mütterlichen Erythrozyten-Fettsäuren und dem Schwangerschafts- und Geburtsverlauf erfasst werden sollte. Die Studie wurde an der geburtshilflichen Abteilung des regionalen Krankenhauszentrums in Liège durchgeführt. Der Erythrozyten-Fettsäure-Gehalt wurde mittels Gaschromatographie analysiert. Die PPD wurde mit Hilfe der Bromley-Skala für postnatale Depressionen ein Jahr nach der Entbindung durch telefonische Befragung erfasst.

In den Ergebnissen zeigte sich eine signifikante Assoziation zwischen den gesamten n-3-PUFA-Werten, Docosahexaensäure (DHA)-Werten, dem Omega-3-Index, n-6/n-3 und AA/EPA Quotienten (Arachidonsäure/Eicosapentaeinsäure) und der mütterlichen Gesundheit. Ein höherer n-6/n-3-Quotient (Odds Ratio [OR] 2,31, 95% KI 1,20-4,45; p = 0,013) und ein höherer AA/EPA-Quotient (OR 1,05, 95% KI 1,00-1,11; p = 0,043) waren signifikant mit einer erhöhten PPD-Wahrscheinlichkeit assoziiert. Frauen mit einem Omega-3-Index <5% wiesen ein 5-fach erhöhtes Risiko für eine depressive Episode auf als Frauen mit einem Omega-3-Index ≥5% (OR 5,22, 95% KI 1,24-21,88). Ein niedriger n-3-PUFA-Status allein oder kombiniert mit einem hohen n-6-PUFA-Status in der Frühschwangerschaft war mit einem insgesamt höheren Risiko für eine PPD verbunden.

Das Management des mütterlichen n-3-PUFA-Mangels könnte eine einfache, sichere und kosteneffektive Strategie zur Prävention eines wichtigen öffentlichen Gesundheitsproblems sein.

Kommentar:

Die Bestimmung der langkettigen ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (LC n-3 PUFAs) und des Omega-3-Index finden zunehmendes Interesse. Es wird vermutet, dass langkettige ungesättigte Fettsäuren durch Veränderungen in der Expression von Genen, Proteinen und neuronalen Membranen die Signalübertragung im zentralen Nervensystem beeinflussen können. Den anti-inflammatorischen Eigenschaften der LC n-3 PUFA werden positive Einflüsse auf mentale Funktionen bei einigen psychischen Erkrankungen (z.B. Depressionen, Schizophrenien) zugeschrieben. Eine kürzlich durchgeführte Meta-Analyse von Palta et al. mit 23 Studien und 4.980 eingeschlossenen Teilnehmern zeigt, dass der oxidative Stress bei Personen mit depressiven Symptomen höher und die antioxidative Kapazität niedriger ist. Bei Ratten wurde durch chronischen Stress erzeugtes Depressions-ähnliches Verhalten durch eine Omega-3-Supplementierung abgeschwächt. In einer norwegischen Studie konnten Markhus et al. einen signifikanten inversen Zusammenhang zwischen dem DHA-Gehalt der Erythrozyten, dem Omega-3-Index und der „Edinburg Postnatal Depression Scale“ bei niedrigen Omega-3-FS-Spiegeln in der Spätschwangerschaft nachweisen. In einer weiteren Studie wiesen schwangere Frauen mit einem niedrigeren Gehalt an n-3-PUFA und einem hohen Gehalt an n-6-PUFA ein höheres Risiko für eine postpartale Depression auf. Ob ein niedriger Omega-3-Index zu psychischen Störungen führt oder ein höherer Omega-3-Index vor psychischen Störungen schützt, konnte bisher nicht geklärt werden. In der aktuellen Studie berichten von Hoge et al., dass bei einer von vier Müttern im Jahr nach der Geburt im Bromley Fragebogen eine depressive Episode nachgewiesen werden kann. Eine andere belgische Studie hat mit der „Edinburgh Postnatal Depression Scale“ zu einer vergleichbaren Prävalenz in den ersten drei postpartalen Monaten geführt. Frauen mit einem Omega-3-Index <5% weisen etwa fünfmal häufiger postpartale Depressionen (PPD) auf als Frauen mit einem Omega-3-Index >5%. Diese Ergebnisse stimmen auch mit früheren Untersuchungen überein, die einen Knick in der nichtlinearen inversen Omega-3-Index-PPD-Beziehung auf einem Niveau von 5,1% zeigten. Solche Cut-off-Werte mögen gerechtfertigt sein, um schwangere Frauen mit einem erhöhten PPD-Risiko oder anderen psychiatrischen Risiken zu identifizieren. Vielleicht können die Cut-off-Werte für PUFAs mit einer standardisierten Erfassung PPD dazu beitragen, den präventiven oder therapeutischen Beitrag des n-3-PUFA-Status zur postpartalen psychischen Gesundheit von Müttern in weiteren Studien zu sichern.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Hoge A et al. Imbalance between Omega-6 and Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids in Early Pregnancy is Predictive of Postpartum Depression in a Belgian Cohort. Nutrients 2019 Apr 18; 11(4). Pii: E876
Milte CM et al. Polyunsaturated fatty acid status in attention deficit hyperactivity disorder, depression, and Alzheimer´s disease: toward an omega-3 index for mental health? Nutr Rev 2009 Oct; 67(10): 573-590
Palta P et al. Depression and oxidative stress: results from a meta-analysis of observational studies. Psychosom Med Jan; 76(1): 12-19
Ferraz AC et al. Chronic ω-3 fatty acids supplementation promotes beneficial effects on anxiety, cognitive and depressive-like behaviors in rats subjected to a restraint stress protocol. Behav Brain Res 2011 May 16; 219(1): 116-122
Van der Wurff ISM et al. Exploring the association between whole blood Omega-3 Index, DHA, EPA, DPA, AA and n-n-6 DPA, and depression and self-esteem in adolescents of lower general secondary education. Eur J Nutr 2019 Jun; 58(4) :1429-1439
Amaru D, Le Bon O. [Postpartum depression: correlations and predictive factors]. Rev Med Brux 2014 Jan-Feb; 35(1): 10-16 [Originalartikel französisch]
Markhus MW et al. Low omega-3 index in pregnancy is a possible biological risk factor for postpartum depression. PLoS One 2013 Jul 3; 8(7): e67617
Parker G et al. Is essential fatty acid status in late pregnancy predictive of post-natal depression? Acta Psychiatr Scand 2015; 131: 148-156

Kontakt

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Services oder allgemeine Anmerkungen?

ALIUD PHARMA GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 19
89150 Laichingen

Fon +49 7333 9651-0
Fax +49 7333 9651-4000

> zum Kontaktformular

Ihr Login in die ALIUD FACHWELT

Die ALIUD FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.