Gibt es Auswirkungen einer Intensiv-Blutdruckkontrolle im Vergleich zu einer Standard-Blutdruckkontrolle auf eine mögliche Demenzentwicklung?

Es gibt derzeit keine evidenzbasierten Behandlungen, die dazu beitragen könnten, das Risiko einer kognitiven Beeinträchtigung und einer Demenz zu reduzieren. Die Autoren haben mit ihrer Studie versucht, die Auswirkung einer intensiven im Vergleich zu einer standardisierten Blutdruckkontrolle auf das Risiko einer Demenz zu untersuchen.

Die aktuelle randomisierte, klinische Studie wurde mit Erwachsenen im Alter von ≥50 Jahren mit Bluthochdruck an 102 Standorten in den USA und Puerto Rico durchgeführt. Patienten mit Demenz, Diabetes oder Schlaganfall in der Vorgeschichte wurden ausgeschlossen. Die Teilnehmer wurden entweder auf ein systolisches Blutdruckziel von <120 mmHg (Intensivtherapiegruppe; n=4678) oder <140 mmHg (Standardtherapiegruppe; n = 4683) randomisiert. Primäres Ergebnisziel war die Erfassung einer Demenz, sekundäres Ergebnisziel die Erfassung einer leichten kognitiven Beeinträchtigung oder eines kombinierten Ergebnisses aus einer leichten kognitiven Beeinträchtigung mit einer wahrscheinlich beginnenden Demenz. Die Studie wurde vorzeitig wegen des sich abzeichnenden Nutzens des kompositen Ausgangs abgebrochen.

Unter 9361 randomisierten Teilnehmern (Durchschnittsalter 67,9 Jahre; 3.332 Frauen [35,6%]; systolischer Blutdruck zu Studienbeginn zwischen 130-180 mmHg) absolvierten 8563 (91,5%) mindestens eine Follow-up-Kognitionsanalyse. Die mediane Interventionszeit betrug 3 Jahre. Während des gesamten medianen Follow-up über 5 Jahre traten bei 149 Teilnehmern in der Intensivbehandlungsgruppe gegenüber 176 in der Standardbehandlungsgruppe eine wahrscheinliche Demenz auf (7,2 gegenüber 8,6 Fällen pro 1000 Personenjahre; Hazard Ratio [HR] 0,83; 95% KI [Konfidenzintervall] 0,67-1,04). Eine intensive Blutdruckkontrolle reduzierte das Risiko einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (14,6 versus 18,3 Fälle pro 1000 Personenjahre; HR 0,81; 95% KI 0,69-0,95) und die kombinierte Rate einer leichten kognitiven Beeinträchtigung mit einer wahrscheinlich beginnenden Demenz (20,2 versus 24,1 Fälle pro 1000 Personenjahre; HR 0,85; 95% KI 0,74-0,97).

Bei ambulanten Erwachsenen mit Bluthochdruck führt die Behandlung bei einem systolischen Blutdruckziel von <120 mmHg im Vergleich zu einem Ziel <140 mm Hg nicht zu einer signifikanten Verringerung des Risikos einer wahrscheinlichen Demenz. Aufgrund des vorzeitigen Abbruchs der Studie und der weniger als erwarteten Fälle an Demenz könnte die Studie für den Endpunkt unterbesetzt gewesen und damit in ihrer Aussagekraft begrenzt sein.

Kommentar:

Der mögliche Zusammenhang zwischen Blutdruck, kognitiven Funktionen und Demenz hat in den letzten Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit in epidemiologischen Untersuchungen erfahren. Observationale und randomisierte klinische Studien lassen vermuten, dass eine anti-hypertensive Therapie vor Demenz und Schlaganfall schützt. Williamson et al. haben mit ihrer randomisierten klinischen Studie an Erwachsenen im Alter von ≥ 75 Jahren zeigen können, dass bei einem systolischen Blutdruck < 120 mmHg im Vergleich zu <149 mmHg das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse signifikant abnimmt. Xie et al. bestätigen mit ihrer Meta-Analyse den Nutzen der systolischen Blutdrucksenkung auf Werte <140 mmHg. Die aktuellen Ergebnisse einer Cochrane Meta-Anaylse von Saiz et al. lassen erkennen, dass es keine hinreichenden Gründe gibt, das Blutdruckziel auf ≤135/85 mmHg zu senken. Die Arteriosklerose als Ergebnis eines langjährigen hohen Blutdrucks in der Lebensmitte führt zu Gefäßveränderungen und mangelnder cerebralen Durchblutung im Alter und Kognitions- und Wahrnehmungsverlust. Die aktuelle Sprint-Studie hat gezeigt, dass die Blutdrucksenkung auf <120 mmHg im Vergleich zu <140 mmHg keinen erkennbaren zusätzlichen Einfluss auf die Inzidenz der Demenz besitzt. Die in ihrer Aussagekraft begrenzten Ergebnisse lassen vermuten, dass ein systolischer Blutdruck <140 mmHg vielleicht zur Sicherung der kardiovaskulären Risiken und  der kognitiven Funktionen weitestgehend ausreicht.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: SPRINT MIND Investigators for the SPRINT Research Group. Williamson JD et al. Effect of Intensive vs Standard Blood Pressure Control on Probable Dementia: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2019 Jan 28 [epub ahead of print]
Williamson JD et al. Intensive vs Standard Blood Pressure Control and Cardiovascular Disease Outcomes in Adults Aged ≥75 Years: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2016 Jun 28; 315(24): 2673-2682
Xie X et al. Effects of intensive blood pressure lowering on cardiovascular and renal outcomes: updated systematic review and meta-analysis. Lacncet 2016 Jan 30; 387(10017): 435-443
Saiz LC et al. Blood pressure targets for the treatment of people with hypertension and cardiovascular disease. Cochrane Database Syst. Rev. 2018 Jul 20; 7:CD010315
Qiu C et al. The age-dependent relation of blood pressure to cognitive function and dementia. Lancet Neurol 2005 Aug; 4((): 487-499

Kontakt

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Services oder allgemeine Anmerkungen?

ALIUD PHARMA GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 19
89150 Laichingen

Fon +49 7333 9651-0
Fax +49 7333 9651-4000

> zum Kontaktformular

Ihr Login in die ALIUD FACHWELT

Die ALIUD FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.