Gibt es eine Verbindung zwischen Neurodermitis, Angststörungen und Depressionen?

Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die mit einer Vielzahl von Komorbiditäten (Hautjucken, Schmerzen, Schlafstörungen, psychischem Stress, Störungen der geistigen Gesundheit) in Verbindung gebracht wird. Der Zusammenhang zwischen der Schwere der AD und ihren Komorbiditäten ist komplex und wird noch nicht voll verstanden. Die Autoren der aktuellen Studie haben versucht, den Zusammenhang im Rahmen einer Querschnittstudie an amerikanischen Erwachsenen aufzuzeigen und zu bestimmen.

An der Studie, die mit Hilfe eines strukturierten Fragebogens durchgeführt wurde, nahmen 8.217 Erwachsene eines national repräsentativen Internet-Gesundheitspanels (GfK- Growth from Knowledge) teil. Die Diagnose einer AD (n = 602) wurde nach den modifizierten Kriterien einer britischen Arbeitsgruppe (United Kingdom Working Party Criteria for AD) gestellt. Der Schweregrad der AD wurde mit AD-Scoring-Massen (Eczema-Measure, Dermatology Life Quality Index, self-reported global AD severity) definiert. Mit logistischen Regressions- und Strukturgleichungsmodellen wurden die Assoziationen von AD mit selbstberichteten allergischen und kardiometabolischen Erkrankungen, Angst- und Depressionen, sowie Autoimmunerkrankungen analysiert.

Unter Berücksichtigung sozio-demographischer Variablen war die AD im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten (P <0,01 für alle) für Asthma (Odds Ratio [OR] 2,09, 95% Konfidenzintervall [KI] 1,71-2,55), Heuschnupfen (OR 4,31, 95% KI 3,27-5,69), Nahrungsmittelallergie (OR 2,07, 95% KI 1,54-2,77), Angst und Depressionen (OR 2,34, 95% KI 1,91-2,87), Autoimmunerkrankungen (OR 3,05, 95% KI 2,31-4,03), Fettleibigkeit (OR 1,37, 95% KI 1,13-1,67), Diabetes (OR 1,52, 95% KI 1,16-1,99), Bluthochdruck (OR 1,46, 95% KI 1,18-1,80) und Herzkrankheiten (OR 1,94, 95% KI 1,40-2,70) verbunden. Alle diese Assoziationen waren bereits bei leichten und mittelschweren Erkrankungen signifikant, noch stärkere Assoziationen wurden bei schwerer AD beobachtet. Die Ergebnisse der Gleichungsmodelle zeigten direkte Auswirkungen von mittelschwerer bis schwerer AD auf Nahrungsmittelallergien, Angstzustände, Depressionen und Diabetes, direkte und indirekte Auswirkungen auf Fettleibigkeit sowie indirekte Auswirkungen auf Bluthochdruck und Herzerkrankungen.

Die Ergebnisse lassen einen engen Zusammenhang zwischen der Schwere der AD und allergischen, autoimmunen und kardiovaskulären Komorbiditäten erkennen.

Kommentar:

Bevölkerungsbasierte Schätzungen zur Prävalenz der Neurodermitis bei Erwachsenen weisen erhebliche Schwankungen auf. Chiesa Fuxench et al. haben in einer aktuellen Studie die Prävalenz der atopischen Dermatitis (AD) in der Bevölkerung der Vereinigten Staaten, die Krankheitsbelastung und ihre Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität untersucht. Bei 1.278 Studienteilnehmern betrug die Prävalenz der AD 7,3% (95% Konfidenzintervall [KI] 5,9-8,8). Insgesamt wurden 60,1% (95% KI 56,1-64,1) der erkrankten Teilnehmer als leicht, 28,9% (95% KI 25,3-32,7) als mittelschwer und 11% als schwer (95% KI 8,6-13,7) klassifiziert. Alle Patienten mit einer AD und vor allem schwerer erkrankte Patienten gaben einen schlechteren Lebensqualitätsindex an als Kontrollpersonen. Diese Ergebnisse wie die aktuelle Studie von Silverberg et al. lassen erkennen, dass AD-Patienten ein erhöhtes Risiko für eine schlechtere Lebensqualität, Angstzustände und Depressionen aufweisen. Weitere Studien bestätigen diese Zusammenhänge und das höhere allgemeine Komorbiditäts-Risiko.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Silverberg JI et al. Association of atopic dermatitis with allergic, autoimmune, and cardiovascular comorbidities in US adults. Ann Allergy Asthma Immunol 2018 Nov; 121(5): 604-612
Chiesa Fuxench ZC et al. Atopic Dermatitis in America Study: A Cross-Sectional Study Examining the Prevalence and Disease Burden of Atopic Dermatitis in the US Adult Population. J Invest Dermatol 2019 Mar; 139(3): 583-590

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