Neuigkeiten

Gibt es eine Verbindung zwischen Vitamin D-Status und Karies bei gesunden schwedischen Kindern?

Vitamin D wird mit einem breiten Spektrum gesundheitlicher Auswirkungen assoziiert, von denen aber bisher nicht alle gesichert werden konnten. Kinder und Jugendliche befinden sich in der Entwicklung und sind besonders empfindlich gegenüber Vitamin D-Mangelzuständen. Die EFSA (European Food Safety Authority) bestätigt bisher zwei Gesundheitsansprüche (Health Claims) zu Vitamin D: Vitamin D beeinflusst die Mineralisation des Knochens und die Regulation des Immunsystems. Besonders im Kindes- und Jugendalter leidet die Mineralisation der Knochen unter einem unzureichenden Vitamin D-Status. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass bei mehr als der Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland Vitamin D-Mangelzustände (allgemein akzeptierte Definition von 20 ng/ml, entsprechend 50 nmol/L) auftreten. Eine gestörte Mineralisation der Knochen lässt auf Grund einiger Studien vermuten, dass auch die Zähne in ihrer Entwicklung beeinträchtigt sein können. Mit der aktuellen Studie haben die Autoren für gesunde schwedische Kinder versucht, einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status im Alter von 6 Jahren und dem Zahnstatus 2 Jahre später nachzuweisen.

Acht Jahre alte Kinder, die im Alter von 6 Jahren an einem Vitamin-D-Interventionsprojekt teilgenommen hatten, wurden zwei Jahre später zur Teilnahme zu einer zahnärztlichen Untersuchung eingeladen. Die Studienteilnehmer (n=206) kamen aus unterschiedlichen Regionen Schwedens und wurden in Gruppen mit heller (n=108) und dunklerer Hautfarbe (n=98) aufgeteilt. Nur Kinder, die regelmäßig Milch (in Schweden mit Vitamin D angereichert) tranken, wurden in die Studie aufgenommen. Der 25-Hydroxy-Vitamin D-Serumspiegel wurde im Alter von 6 Jahren nach einer 3-monatigen randomisierten Intervention mit 25 μg, 10 μg oder 2 μg (Placebo-Gruppe) Vitamin D3 pro Tag gemessen. Zwei Jahre später wurden die Kinder auf Karies- und Schmelzdefekte untersucht. Selbstberichtete Informationen über orale Gewohnheiten, Ernährungsmuster und Vitamin-D-Supplemente wurden erfasst. Cathelicidin-Spiegel (LL37) im Speichel und kariogene Streptokokken im dentogenen Biofilm wurden bestimmt.

Der zahnärztliche Status konnte bei 85 der 206 Kinder in der Interventionsstudie untersucht werden. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wurde bei 28% zu Studienbeginn festgestellt, verglichen mit 11% nach der Intervention, und 34% gaben an, weiterhin Vitamin-D-Supplemente zu sich zu nehmen. Die logistische Regression unterstützt eine schwache inverse Assoziation zwischen Vitamin-D-Status im Alter von 6 Jahren und Karies 2 Jahre später (Odds Ratio 0,96; p = 0,024) mit geringer Abschwächung nach Berücksichtigung potenzieller Störfaktoren. Die multivariate Regressionsanalyse bestätigt, dass unzureichende Vitamin-D-Werte mit Karies korrelieren und höhere Vitamin-D-Werte eher mit Kariesfreiheit verbunden sind. Der Vitamin-D-Status im Alter von 6 Jahren stand in keinem Zusammenhang mit der Entwicklung von Schmelzdefekten, war aber positiv mit dem LL37-Spiegel im Speichel verbunden.

Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass ein inverser Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status und einem Karies-Befall, nicht aber mit Schmelzdefekten, besteht. Der Vitamin-D-Status im Alter von 6 Jahren war darüber hinaus positiv mit der Expression von LL37 verbunden.

Kommentar:

Vitamin D-Mangel ist ein globales Problem und betrifft mehr als eine Milliarde Kinder und Erwachsene und wird mit einer Vielzahl akuter und chronischer Erkrankungen assoziiert. Die Rolle der solaren Exposition für die Knochen- und Zahngesundheit ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Beobachtungen zwischen 1929 und 1930 haben bereits auf die Bedeutung der solaren UVB-Exposition zur Karies-Prävention verwiesen. Kinder mit Rachitis, der extremen Form des Vitamin D-Mangels, leiden unter Karies und Zahnverlust. Schroth et al. haben mit ihrer Studie (Canadian Health Measures Survey) zeigen können, dass vor allem bei Serum-Konzentrationen <75 nmol/L (entsprechend <30 ng/ml) eine inverse Beziehung zwischen dem Vitamin D-Status und der Karies-Inzidenz besteht. Dies ist vereinbar mit den Ergebnissen von Priemel et al., die bei Vitamin D-Serumwerten <30ng/ml in Beckenkamm-Biopsien noch Mineralisationsstörungen im Knochen nachweisen konnten. Kühnisch et al. konnten für deutsche, Tanaka et al. für japanische Kinder zeigen, dass ein höherer Vitamin D-Serumstatus mit einem geringeren Kariesbefall assoziiert ist. Diese Ergebnisse sind in Anbetracht der vorhandenen Studienergebnisse plausibel und werden jetzt mit der aktuellen Studie von Gyll et al. auch für schwedische Kinder bestätigt.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Davit-Béal, T et al. Dental complications of rickets in early childhood: case report on 2 young girls. Pediatrics 2014 Apr; 133(4): e1077-1081
Priemel, M et al. Bone mineralization defects and vitamin D deficiency: histomorphometric analysis of iliac crestbone biopsies and circulating 25-hydroxyvitamin D in 675 patients. J Bone Miner Res Feb; 25(2): 305-312
Kühnisch, J et al. Elevated serum 25(OH)-vitamin D levels are negatively correlated with molar-incisor hypomineralization. J Dent Res 2015 Feb; 94(2): 381-387
Tanaka, K et al. Higher vitamin D intake during pregnancy is associated with reduced risk of dental caries in young Japanese children. Ann Epidemiol 2015 Aug; 25(8): 620-625
Gyll, J et al. Vitamin D status and dental caries in healthy Swedish children. Nutr J 2018 Jan 16; 17(1):11

Kontakt

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Services oder allgemeine Anmerkungen?

ALIUD PHARMA® GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 19
89150 Laichingen

Fon +49 7333 9651-0
Fax +49 7333 9651-4000

> zum Kontaktformular

Ihr Login in die ALIUD® FACHWELT

Die ALIUD® FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA®- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.