Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Schokoladenkonsum und Depressionen?

Die Möglichkeit, depressive Symptome durch Änderungen des Lebensstils und vielleicht durch Supplemente zu kontrollieren, könnte eine attraktive Option für Personen mit subklinischen depressiven Symptomen sein, die nicht für eine formale Behandlung in Frage kommen oder solche, die herkömmliche Behandlungen ablehnen. Die Vorteile körperlicher Aktivität bei Depressionen sind gut dokumentiert. Darüber hinaus hat eine wachsende Zahl von Studien Hinweise auf saisonale Faktoren (Sommer gegenüber Winter) und den Einfluss der Ernährung auf das allgemeine Wohlbefinden und die Symptome einer Depression gezeigt. Patienten mit einer Depression leiden, so die Hypothese, unter einem zentralen Serotoninmangel. Das zu 90% über die Sonne in der Haut generierte Vitamin D ist über die Tryptophan-hydroxylase 2 an der Serotoninsynthese im Zentralnervensystem als Kofaktor beteiligt. Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) scheinen zur Aktivierung der Serotonin-Synthese beizutragen. Einem häufig konsumierten Genussmittel, der Schokolade, wird ebenfalls eine stimmungsaufhellende Eigenschaft zugeschrieben. Mit dieser Studie haben die Autoren deshalb mögliche Zusammenhänge zwischen dem Schokoladenkonsum und depressiven Symptomen an einer großen repräsentativen Stichprobe untersucht.

Die Daten stammen von 13.626 Erwachsenen (≥20 Jahre), die zwischen 2007-08 und 2013-14 an dem amerikanischen „National Health and Nutrition Examination Survey“ teilgenommen hatten. Der tägliche Schokoladenkonsum wurde über zwei 24-Stunden-Rückrufaktionen ermittelt. Depressive Symptome wurden mit Hilfe eines Gesundheitsfragebogens (PHQ-9) untersucht. Ein Ergebnis ≥10 Punkten zeigt klinische Symptome an. Mit Hilfe einer multivariablen logistischen Regression wurde der mögliche Zusammenhang zwischen dem Schokoladenkonsum (Kategorien: keine Schokolade, helle Schokolade, dunkle Schokolade) und dem gesamten Schokoladenkonsum (Gramm/Tag) mit depressiven Symptomen untersucht. Erwachsene mit Diabetes wurden ausgeschlossen. Mit statistischen Modellen wurden soziodemographische, lebensstil-, gesundheitsbezogene und diätetische Kovariable berücksichtigt.

Insgesamt 11,1% der befragten Bevölkerung berichteten über ihren Schokoladenkonsum, 1,4% über den von dunkler Schokolade. Der Konsum heller Schokolade war nicht signifikant mit klinisch erkennbaren depressiven Symptomen verbunden. Ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich erst bei dem Konsum dunkler Schokolade. Hierbei konnte ein signifikant niedrigerer Wahrscheinlichkeitsquotient (Odds Ratio OR) von 0,30 für klinisch relevante depressive Symptome nachgewiesen werden (95% KI [Konfidenzintervall] 0,21-0,72). Bei der nach der gesamten Menge des Schokoladenkonsums aufgeschlüsselten Analyse wiesen die Studienteilnehmer im höchsten Quartil (104-454 g/Tag) eine um 57% erniedrigte OR von 0,43 (95% KI 0,19-0,96) für depressive Symptome als die Teilnehmer ohne Schokoladenkonsum auf.

Die Ergebnisse lassen einen Zusammenhang zwischen Schokoladen-Konsum und klinisch relevanten depressiven Symptomen erkennen. Weitere langfristige, longitudinale Untersuchungen zum Schokoladenkonsum sind zur Bestätigung der vorhandenen Ergebnisse und ihrer Kausalität erforderlich.

Kommentar:

Die Ergebnisse der Studie von Jackson et al. weisen einen Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und dem Schokoladenkonsum auf, vor allem für die Wirksamkeit dunkler Schokolade, die einen höheren Kakaogehalt aufweist. Die Ergebnisse entsprechen der Mehrzahl der berichteten Studien, aber nicht aller. Rose et al. konnten z.B. mit ihrer Querschnittstudie an 1.018 Erwachsenen ohne antidepressive Medikation, Diabetes und koronare Erkrankungen keinen Einfluss von Schokolade auf depressive Symptome nachweisen. Im Gegenteil gaben Studienteilnehmer, die in einem Fragebogen (CES-D Center for Epidemiologic Studies Depression Scale) hohe Depressionswerte zeigten, einen höheren Schokoladenkonsum an. Der möglicherweise wechselseitige Einfluss der Schokolade auf Depressionen bleibt in dieser Studie unklar. Löst ein hoher Schokoladenkonsum eine Depression aus oder führt die Depression zu einem erhöhten Konsum? Aber wie kann Schokolade das Auftreten von depressiven Symptomen beeinflussen? Schokolade enthält eine Reihe von psychoaktiven Inhaltsstoffen. Hierzu gehören Tyramine und 2-Phenyläthylamin-Verbindungen als Neuromodulatoren von Hirnsynapsen, die in der chemischen und pharmakologischen Struktur mit Katecholaminen und Amphetaminen verwandt sind und in die Stimmungsregulation eingreifen. Darüber hinaus konnten in der Schokolade Anandamin-Analoge (Äthanolamin-Derivate der Arachidonsäure) nachgewiesen werden, die Cannabis-Rezeptoren im Nervensystem aktivieren. Die in der Schokolade vorhandenen psychoaktiven Inhaltsstoffe mögen als indirekte oder direkte Stimmungsmodulatoren dazu führen, dass der Schokoladen-Konsum über den Geschmack hinaus als angenehme Erfahrung wahrgenommen wird. Parker und Crawford berichten, dass etwa die Hälfte der Patienten (44,9%) mit einer Behandlungs-bedürftigen Depression nach Schokolade verlangen. Viele scheinen zu erleben, dass Schokolade zur Regulierung ihrer Angst- und Unruhe-Gefühle beiträgt. Welchen Anteil die einzelnen in der Schokolade vorhandenen Inhaltsstoffe an der beobachteten Wirkung haben, muss in zukünftigen Untersuchungen weiter geklärt werden.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Jackson SE et al. Is there a relationship between chocolate consumption and symptoms of depression? A cross-sectional survey of 13,626 US adults. Depress Anxiety 2019 Oct; 36(10): 987-995. Epub 2019 Jul 29
Rose N et al. Mood food: chocolate and depressive symptoms in a cross-sectional analysis. Arch Intern Med 2010 Apr 26; 170(8): 699-703
Bruinsma K, Taren DL. Chocolate: food or drug? J Am Diet Assoc 1999 Oct; 99(10): 1249-1256
Sabelli H, Javaid JI. Phenylethylamine modulation of affect: therapeutic and diagnostic implications. J Neuropsychiatry Clin Neurosci 1995 Winter; 7(1): 6-14
Parker G, Crawford J. Chocolate craving when depressed: a personality marker. Br J Psychiatry 2007 Oct; 191: 351-352

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