Neuigkeiten

Hat der Vitamin D-Status einen Einfluss auf die Wahrnehmung im Alter?

Vitamin D-Mangelzustände (absoluter Vitamin D-Mangel <12 ng/ml, relativer Vitamin D-Mangel zwischen 12 bis 20 ng/ml) besitzen in den westlichen Ländern eine hohe Prävalenz. Etwas mehr als die Hälfte aller weißen Erwachsenen in Deutschland weisen vor allem im Winter Vitamin D-Serumspiegel <20 ng/ml auf, was allgemein als Mangel definiert wird. Bei Migranten, vor allem solchen mit einer dunklen Hautfarbe und solchen, die ihren Körper verhüllen (im wesentlichen Frauen), dürften die Vitamin D-Serumspiegel noch niedriger ausfallen. Vitamin D trägt nicht nur zur Calcium-Resorption und damit zur Knochengesundheit bei, sondern beeinflusst über Vitamin D-Rezeptoren (VDR) die Funktionen aller Organsysteme. Sowohl der VDR als auch das Enzym 25-Hydroxyvitamin D3-1-alpha-hydroxylase, das 25-Hydroxy-Vitamin D in die aktivierte Form (1,25-Hydroxy-Vitamin D) konvertiert, wird in allen Organsystemen, einschließlich des Gehirns, exprimiert. Aus diesem Grunde interessiert sich die Vitamin D-Forschung auch für den Zusammenhang zwischen Vitamin D-Status und der abnehmenden Wahrnehmung im Alter. Die Antwort auf die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der Vitamin D-Hypovitaminose im Alter und dem kognitiven Abbau besteht, ist insofern von besonderer Bedeutung, da zwischen 70% und 90% der Erwachsenen im Alter von 65 und mehr Jahren mit kognitiven Einschränkungen auch einen Vitamin D-Mangel aufweisen. Bisherige Ergebnisse an einer überwiegend weißen Bevölkerung lassen einen Zusammenhang erkennen. Ob dieser Zusammenhang auch für eine ethnisch diverse Bevölkerung gilt, wurde jetzt in einer aktuellen Studie untersucht.

An der Studie nahmen 382 Probanden im mittleren Alter von 75,5 (SD 7,0) Jahren (61,8% weiblich; 41,4% weiß, 29,6% Afro-Amerikaner, 25,1% Hispano-Amerikaner und 3,9% andere Ethnien) teil. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 4,8 Jahre (SD 2,5). Zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie waren 17,5% der Teilnehmer dement, 32,7% wiesen eine leichte kognitive Beeinträchtigung auf, 49,5% wurden als kognitiv normal eingestuft. Der mittlere 25(OH)-Vitamin D-Spiegel betrug 19,2 ng/ml (SD11,7), wobei 26,2% der Studienteilnehmer einen relativen Vitamin D-Mangel und 35,1% einen absoluten Vitamin D-Mangel aufwiesen. Der mittlere 25(OH)-Vitamin D-Spiegel der afro-amerikanischen und hispano-amerikanischen Studienteilnehmer war niedriger als der mittlere Vitamin D-Spiegel der weißen Studienteilnehmer 17,9 (SD 15,8) und 17,2 (SD 8,4) gegenüber 21,7 (SD 10,0) ng/ml. Die Demenz wies einen Einfluss auf den mittleren 25(OH)-Vitamin D-Spiegel bei den Betroffenen auf. Der Spiegel war bei den dementen Studienteilnehmern niedriger als bei denen mit einer leichten Einschränkung der Wahrnehmung, und beide waren im Vergleich zu den gesunden Teilnehmern erniedrigt (Demenz 16,2 (SD 9,4) ng/ml versus leichte Wahrnehmungsstörung 20,0 (SD10,3) ng/ml versus normale Kognition 19,7 (SD 13,1) ng/ml). Zusammengefasst betrug der Mittelwert für Demenz und leichte Kognitionsstörung 18,1 ng/ml und lag unter dem Wert bei einer normalen Kognition. Die Abnahme des episodischen Gedächtnisses und der Exekutivfunktionen war bei den Studienteilnehmern mit einem relativen und absoluten Vitamin D-Mangel höher als bei denen mit einem ausreichenden Vitamin D-Status, wenn der Zeitpunkt der Blutentnahme, Alter, Geschlecht und Ausbildung, das vaskuläre Risiko, der Apolipoprotein ε4-Genstatus, der Body-Mass-Index und die Ethnie berücksichtigt wurden. Zwischen dem semantischen Gedächtnis und der räumlichen Wahrnehmung konnte keine Verbindung zum Vitamin D-Status nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse lassen auch bei ethnisch unterschiedlichen Gruppen vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin D-Status und einer schnelleren Abnahme der kognitiven Funktionen besteht.

Kommentar: Die Verbindung zwischen niedrigen Vitamin D-Serum-Konzentrationen, kognitiven Einschränkungen bis hin zu den Demenzerkrankungen im Alter wurde bereits von mehreren Autoren untersucht. Die über einen Beobachtungszeitraum von mehreren Jahren erzielten Ergebnisse haben eine Verbindung zwischen dem Vitamin D-Status und abnehmenden kognitiven Funktionen aufgezeigt. Vitamin D-Mangel scheint, mit einem erhöhten Risiko für alle Formen der kognitiven Einschränkungen verbunden zu sein. Die Studie von Miller et al. hat jetzt diesen statistischen Zusammenhang für eine multiethnische Gruppe bestätigt, wenn auch die Unterschiede gering sind (18,1 ng/ml versus 19,7 ng/ml). Eine hohe Vitamin D-Aufnahme scheint, auch das Risiko für eine Alzheimersche Erkrankung bei älteren Frauen zu mindern. Die bisherigen Untersuchungen lassen einen kausalen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin D-Spiegel und eingeschränkten kognitiven Funktionen vermuten. Bisher konnte jedoch nicht geklärt werden, ob vielleicht eine umgekehrte Kausalität vorliegt. Es bleibt noch unklar, ob ein Kognitionsverlust zu niedrigen Vitamin D-Spiegeln oder niedrige Vitamin D-Spiegel zu einem Kognitionsverlust führen.   

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Miller, JW et al. Vitamin D Status and Rates of Cognitive Decline in a Multiethnic Cohort of Older Adults. JAMA Neurol 2015 Nov 1; 72(11): 1295-1303
Annweiler, C et al. Vitamin D and cognition in older adults: updated international recommendations. J Intern Med 2015 Jan; 277(1): 45-57
Annweiler, C et al. Vitamin D insufficiency and mild cognitive impairment: cross-sectional association. Eur J Neurol 2012 Jul; 19(7): 1023-9
Llewellyn, DJ et al. Vitamin D and cognitive impairment in the elderly U.S. population. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2011 Jan; 66(1): 59-65
Llewellyn, DJ et al. Vitamin D and risk of cognitive decline in elderly persons. Arch Intern Med 2010 Jul 12; 170(13): 1135-41
Toffanello, ED et al. Vitamin D deficiency predicts cognitive decline in older men and women: The Pro. V.A. Study. Neurology 2014 Dec 9; 83(24): 2292-8
Littlejohns, TJ et al. Vitamin D and the risk of dementia and Alzheimer disease. Neurology 2014 Sep 2; 83(10): 920-8
Rabenberg, M et al. Vitamin D status among adults in Germany – results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). BMC Public Health 2015 Jul 11; 15: 641

Kontakt

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Services oder allgemeine Anmerkungen?

ALIUD PHARMA® GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 19
89150 Laichingen

Fon +49 7333 9651-0
Fax +49 7333 9651-4000

> zum Kontaktformular

Ihr Login in die ALIUD® FACHWELT

Die ALIUD® FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA®- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.