Ist das Vermeiden von Sonnen so gefährlich wie Rauchen?

Die Debatte, ob die Vermeidung des Sonnenlichtes und des damit verbundenen Vitamin D-Mangels ein Gesundheitsrisiko darstellt, wird immer noch ergebnisoffen und kontrovers diskutiert. Im Rahmen epidemiologischer Untersuchungen wurde ein Zusammenhang zwischen einem verringerten Blutdruck, einer verminderten kardiovaskulären Mortalität und einer vermehrten Sonnen-Exposition nachgewiesen. Obwohl Personen mit einem hohen Vitamin D-Spiegel ein geringeres Risiko für einen hohen Blutdruck und für kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen, scheint die therapeutische Gabe von Vitamin D, keinen Einfluss auf die jeweiligen Erkrankungen aufzuweisen. Es wird vermutet, dass Sonnenlicht noch weitere positive Einflüsse auf den menschlichen Organismus ausübt, als nur die Synthese von Vitamin D zu stimulieren. In der Haut werden Stickoxide gespeichert, die durch UV-Licht zu NO (Nitritoxid) umgewandelt werden und in den Kreislauf abgegeben werden können. In tierexperimentellen und klinischen Studien konnte über diesen biologischen Pfad eine Gefäßerweiterung und ein verminderter Blutdruck nachgewiesen werden.

Die Sonne wird allgemein als Risikofaktor in der Genese des Hautkrebses gesehen, was jedoch nicht das allgemeine Mortalitätsrisiko zu erhöhen scheint. Im Gegenteil haben skandinavische Studien gezeigt, dass eine erhöhte Sonnen-Exposition mit einem von der solaren Exposition abhängigen Abfall der Mortalität einhergeht. Die Autoren der aktuellen Studie (Teil der Melanoma in Southern Sweden Studie, MISS) haben in einer prospektiven 20-jährigen Follow-up-Studie an einer Kohorte von 25.518 schwedischen Frauen die Abhängigkeit der Mortalität von der solaren Exposition untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen, die sich regelmäßig der Sonne aussetzen, im Vergleich zu Frauen, die sich nicht regelmäßig der Sonne aussetzen, nicht nur ein niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, sondern auch ein verringertes allgemeines Mortalitäts-Risiko aufweisen. Die Sonne meidende Nicht-Raucherinnen wiesen das gleiche Mortalitäts-Risiko auf wie Raucherinnen in der Gruppe mit der höchsten solaren Exposition. Im Vergleich zur Gruppe mit der höchsten Sonnen-Exposition wiesen Sonnen-vermeidende Frauen eine zwischen 0,6-2,1 Jahre reduzierte Lebenserwartung auf.

Kommentar:

Die ultraviolette solare Strahlung variiert in ihrer Intensität nach Breitengrad und Jahreszeit. Sie nützt und sie schadet. Die solare Strahlung ist der wichtigste, vermeidbare Risikofaktor in der Genese des Hautkrebses. Dem Sonnenschutz wird deshalb eine hohe Priorität eingeräumt. Frauen mit einer regelmäßigen Sonnen-Exposition wiesen in der Studie von Lindqvist et al. einerseits ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, aber auch andere Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose und Lungenerkrankungen, auf. Andererseits stiegen in dieser Gruppe Hautkrebserkrankungen, hauptsächlich Basalzell- und Plattenepithel-Karzinome, an, was wegen der guten Prognose keinen wesentlichen Einfluss auf das Mortalitäts-Risiko hatte. Ob der positive Einfluss der Sonne über die vermehrte Synthese von Vitamin D oder andere bisher nicht bekannte Faktoren gesteuert wird, kann mit dieser Studie nicht beantwortet werden. Die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen lassen vermuten, dass zumindest bei der europäischen Bevölkerung sowohl Vitamin D-Rezeptor-Polymorphismen (bms1; Fok1), als auch ein Vitamin D-Mangel zu einer gesteigerten Empfänglichkeit für Hautkrebs-Erkrankungen führen können. In der aktuellen Studie hatten die Frauen die schlechteste Melanom-Prognose, die sich nicht der Sonne ausgesetzt hatten.

Die Vermeidung der Sonne scheint, ein mit dem Rauchen partiell vergleichbares Mortalitäts-Risiko zu besitzen. Ein verträgliches Maß an Sonne dürfte mehr nutzen als schaden. Diese Ergebnisse lassen Zweifel an den Sonnenschutz-Empfehlungen, zumindest für ein sonnenarmes Land wie Schweden, aufkommen. Bei hoher solarer Intensität sollten wir uns jedoch weiter vor zu viel Sonne schützen.

Zu den bekannten, die Gesundheit beeinträchtigenden Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Inaktivität muss wahrscheinlich ein weiterer Risikofaktor hinzugefügt werden: die Vermeidung der Sonne.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Lindqvist, PG et al. Avoidance of sun exposure as a risk factor for major causes of death: a competing risk analysis oft he Melanoma in Southern Sweden cohort
Weller, B. Sunlight Has Cardiovascular Benefits Independently of Vitamin D. Blood Purif 2016; 41:130-134
Saiag, P et al. Prognostic value of 25-hydroxyvitamin D3 Levels at Diagnosis and During Follow-up in Melanoma Patients. J Natl Cancer Inst 2015 Sept 15; 107(12): Print 2015 Dec
Hou, W et al. Variants Fok1 and Bsm1 on VDR are associated with the melanoma risk: evidence from the published epidemiological studies. BMC Genet 2015 Feb 11, 16:14

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