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Ist eine fettarme oder kohlenhydratarme Diät besser zur Gewichtsabnahme geeignet?

Die zunehmende Adipositas in der Bevölkerung scheint eine der wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit zu sein. Eine Ernährungsumstellung könnte der Schlüssel zur erfolgreichen Gewichtsabnahme sein. Trotzdem konnte bisher noch keine überlegene Ernährungsstrategie für die allgemeine Bevölkerung definiert werden. Die Geister scheiden sich daran, ob eine gesunde fettarme und kohlenhydratreiche oder fettreiche kohlenhydratarme Ernährung bevorzugt werden sollte. Frühere Untersuchungen lassen vermuten, dass nicht nur die Ernährung, sondern auch der Genotyp und die Interaktion zwischen Glukose und Insulin eine wichtige Rolle bei der Gewichtsentwicklung spielen. Mit der aktuellen Studie wurde untersucht, wie sich eine gesunde fettarme (HLF) Ernährung im Vergleich zu einer gesunden kohlenhydratarmen (HLC) Ernährung auf die Gewichtsveränderung auswirkt und ob unterschiedliche Genotypen und die Insulinsekretion die Ergebnisse der Gewichtsabnahme in beiden Diäten beeinflussen.

In die randomisierte klinische Studie DIETFITS (Diet Intervention Examining The Factors Interacting with Treatment Success) wurden 609 Erwachsene im Alter zwischen 18 bis 50 Jahren ohne Diabetes mit einem Body-Mass-Index im Alter zwischen 28 und 40 Jahren aufgenommen. Die Rekrutierung erfolgte zwischen dem 29. Januar 2013 und dem 14. April 2015. Das Datum für die letzte Nachuntersuchung war der 16. Mai 2016. Alle Teilnehmer wurden auf eine 12-monatige HLF- oder HLC-Diät randomisiert. Mit der Studie wurde gleichzeitig untersucht, ob 3 Single-Nukleotid-Polymorphismen (SNP: PPARG, ADRB2, FABP2) den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel mit unterschiedlicher Empfindlichkeit (Niedriger-Fett-Genotyp; Niedriger-Kohlenhydrat-Genotyp) die Gewichtsabnahme beeinflussen. Zusätzlich wurde Insulin-Blutkonzentration 30 Minuten nach einer Glukose-Belastung gemessen, da sich hierfür zuvor eine Assoziation mit dem Gewichtsverlust gezeigt hatte.

Gesundheitspädagogen führten Beratungen zu Verhaltensänderungen bei HLF (n = 305) und bei HLC (n = 304) Teilnehmern in über 22 diätbezogenen Kleingruppensitzungen durch, die sich über einen Zeitraum von 12 Monaten erstreckten. In den Sitzungen wurden die Teilnehmer unterstützt, wie sie eine niedrige Fett- oder Kohlenhydrataufnahme erreichen können, um sie dann auch langfristig für eine gesunde Ernährung fortzuführen. Mit den beiden primären Ergebniszielen sollten die 12-monatigen Gewichtsveränderungen und eventuelle signifikante Wechselwirkungen zwischen den beiden Ernährungstypen, den Genotypen und der Insulinsekretion, erfasst werden.

Unter 609 randomisierten Teilnehmern (Durchschnittsalter 40 [SD ±7] Jahre; 57% Frauen; mittlerer Body-Mass-Index 33 [SD ±3]; 244 [40%] hatten einen fettarmen Genotyp; 180 [30%] hatten einen kohlenhydratarmen Genotyp; der mittlere Insulin Basiswert 30 Minuten nach einer Belastung mit 75 g Glucose betrug 93 μIU/mL. Insgesamt 481 (79%) Teilnehmer beendeten die Studie. Im Vergleich der HLF- gegenüber der HLC-Diät lagen die durchschnittlichen 12-Monats-Makronährstoffverteilungen bei 48% gegenüber 30% für Kohlenhydrate, 29% gegenüber 45% für Fett und 21% gegenüber 23% für Protein. Die Gewichtsveränderung nach 12 Monaten betrug -5,3 kg für die HLF-Diät gegenüber -6,0 kg für die HLC-Diät (mittlerer Unterschied zwischen den Gruppen 0,7 kg [95% KI -0,2 bis 1,6 kg]). Signifikante Interaktionen zwischen der Art der Diät oder zwischen Diät und Insulin konnten bei 12-monatiger Gewichtsabnahme nicht nachgewiesen werden.

In dieser Diätstudie zur Gewichtsabnahme zeigte sich kein signifikanter Unterschied in den Gewichtsveränderungen zwischen einer gesunden fettarmen Ernährung und einer gesunden kohlenhydratarmen Ernährung. Genotyp-Polymorphismen und die Insulinsekretion zeigten keinen Einfluss auf die Gewichtsabnahme.

Kommentar:

Die Prävalenz von Fettleibigkeit, gemessen am Body-Mass-Index, ist weltweit auf ein inakzeptables Niveau gestiegen. Genetische und verhaltensbedingte Faktoren beeinflussen ihre Entwicklung, die zu einer Vielzahl von Erkrankungen führt und die Lebensqualität und -dauer verkürzt. Der immer wieder Erwähnung findende Phänotyp der "medizinisch gesunden Adipositas" scheint ein vorübergehender Zustand zu sein, der sich mit der Zeit zu einem ungesunden Phänotyp, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, entwickelt. Zu den durch Fettleibigkeit verursachten Erkrankungen zählen der Typ-2-Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einige Krebsarten, Nierenerkrankungen, die obstruktive Schlafapnoe, Gicht, Osteoarthritis und Leberkrankheiten, um nur einige zu nennen. Durch eine Gewichtsabnahme können diese Krankheiten dosisabhängig zumindest gebessert, zum Teil sogar geheilt werden. Eine Gewichtsabnahme ist für die Gesundheit unerlässlich und kann über eine verminderte Energieaufnahme und/oder einen vermehrten Energieverbrauch erreicht werden. Der beste Weg zu einer Gewichtsabnahme scheint eine maximale Optimierung der Ernährung in Verbindung mit körperlicher Aktivität zu sein. Die Autoren haben in ihrer aktuellen Studie eine gesunde Niedrig-Fett-Diät mit einer Niedrig-Kohlenhydrat-Diät verglichen, um den besten Weg für eine Gewichtsabnahme zu definieren. Dabei haben sie bekannte genetische Faktoren berücksichtigt. Sie konnten mit dieser Studie erstmals zeigen, dass es zwischen den Ergebnissen einer Niedrig-Fett-Diät und einer Niedrig-Kohlenhydrat-Diät über einen Zeitraum von 12 Monaten keinen signifikanten Unterschied gibt. Dabei scheinen die untersuchten Single-Nucleotid-Polymorphismen und die Insulinbelastung keinen Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Gardner CD et al. Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association with Genotype Pattern or Insulin Secretion: The DIETFITS Randomized Clinical Trial. JAMA 2018 Feb 20; 319(7): 667-679
Bray GA et al. The Science of Obesity Management: An Endocrine Society Scientific Statement. Endocr Rev 2018 Apr 1; 39(2): 79-132

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