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Ein höherer Milchkonsum ist bei Erwachsenen mit ausreichendem Vitamin-D-Serum-Status mit einer höheren Knochendichte verbunden: Ergebnisse der Boston-Puerto Rico-Osteoporose-Studie

Mit vielen Studien konnte bisher gezeigt werden, dass Milchprodukte die Knochendichte (BMD – bone mineral density) bei Personen, die nicht hispanischen Ursprungs sind, verbessern. Erwachsene in Puerto Rico weisen im Vergleich zur nicht-hispanischen Bevölkerung eine höhere Prävalenz an Osteoporose und Vitamin-D-Mangel auf. Warum das so ist, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Das Ergebnisziel der aktuellen Studie war die Erfassung einer möglichen Verbindung zwischen dem Konsum von Milchprodukten und der BMD bei ausreichendem und nicht ausreichendem Vitamin D-Serumstatus.

Insgesamt 904 Teilnehmer wurden in die Querschnittsstudie aufgenommen und lieferten über einen Ernährungsfragebogen Daten zu ihrer Nahrungsaufnahme. Gruppen von Milchprodukten wurden erfasst und berechnet [Gesamtmilchprodukte, modifizierte Milchprodukte (ohne Sahne und Milchdesserts), flüssige Milchprodukte (Milch und Joghurt), Käse, Joghurt sowie Sahne und Desserts]. Die BMD wurde als Gramm pro Quadratzentimeter mit Hilfe der Dual-Röntgen-Absorptiometrie gemessen. Der Vitamin-D-Status wurde bei Serum 25-Hydroxyvitamin D-Werten [25(OH)D] ≥20 ng/ml als ausreichend, bei 25(OH)D-Werten <20 ng/ml als unzureichend definiert. Mit linearen Modellen wurden der Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Milchprodukten und der BMD für den stratifizierten Vitamin D-Status untersucht.

In der gesamten Stichprobe waren 73% Frauen (87% postmenopausal). Das mittlere Alter betrug 60,0 ± 7,6 Jahre und der mittlere Body Mass Index (BMI kg/m2) 32,3 ± 6,6. Der mittlere Serum 25(OH)D-Spiegel (Bereich: 4-48 ng/ml) betrug bei Teilnehmern mit einem Vitamin D-Mangel 14,3 ± 3,6 ng/ml und bei Teilnehmern mit einem ausreichenden Vitamin D-Status 26,0 ± 5,5 ng/ml. In der gesamten Stichprobe war eine höhere Zufuhr von modifizierten Milchprodukten (β = 0,0015, P = 0,02) und Milch (β = 0,0018, P = 0,04) mit einer höheren Oberschenkelhals-Dichte (BMD) verbunden. Unter denen, die einen ausreichenden Vitamin D-Status aufwiesen, war eine höhere Zufuhr von Gesamtmilchprodukten (P = 0,03-0,07), Flüssigmilchprodukten (P = 0,01-0,05) und Milch (P = 0,02-0,09) signifikant mit einer höheren Dichte des Oberschenkelhalses und der Lendenwirbelsäule verbunden. Bei den Teilnehmern mit einem Vitamin D-Mangel war die Aufnahme von Milchprodukten nicht mit einer höheren BMD verbunden (P-Bereich = 0,11-0,94).

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Aufnahme von Milchprodukten hauptsächlich bei Erwachsenen mit einer höheren BMD verbunden ist, die einen ausreichenden Vitamin D-Status besitzen. Diese Ergebnisse sollten in Longitudinalstudien bestätigt werden.

Kommentar:

Die im Alter einsetzende Osteoporose erhöht das allgemeine Frakturrisiko und ist mit einer verminderten Lebensqualität, einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Zur Prävention der Osteoporose werden körperliche Aktivität und der Konsum einer ausreichenden Menge an Calcium und Vitamin D empfohlen. Milchprodukte sind, mehr als alle anderen Nahrungsmittel, eine reiche Quelle von Calcium, Phosphor, Magnesium und Vitamin D. Letzteres gilt nur, wenn Vitamin D wie zum Beispiel in den USA und Kanada per Gesetz angereichert werden muss. Mehrere Studien lassen eine positive Verbindung zwischen dem Konsum von Milchprodukten und der Knochendichte vermuten, was auf Grund der anerkannten Bedeutung von Calcium für die Knochenmineralisation auch plausibel ist. Etwa 30-40% des Calciums in Milch und Käse werden im Zwölffingerdarm (Duodenum) über Vitamin D-abhängige und Vitamin D-unabhängige Transportwege zur Bildung von Knochen aufgenommen. Vitamin D scheint, die Calcium-Aufnahme dosisabhängig zu stimulieren. Es ist auf Grund zum Teil widersprechender Daten noch nicht endgültig gesichert, ob der Einfluss von Vitamin D auf die Calcium-Resorption sich auch in einer höheren Knochendichte (BMD) niederschlägt. Eine über das ganze Jahr ausreichende Vitamin D-Versorgung ist auf den gemäßigten und höheren Breitengraden ohne Vitamin D-Supplementierung von Nahrungsmitteln kaum zu erzielen. Eine mit Calcium und Vitamin D angereicherte Milch vermindert den Knochenumsatz und verbessert die Knochendichte im Schenkelhals. Mit der aktuellen Querschnittstudie konnten Mangano et al. zeigen, dass der Konsum von mit Vitamin D angereicherten Milchprodukten zu einem höheren BMD bei älteren Menschen in Puerto Rico führt. Damit werden auch die Ergebnisse der Framingham Studie bestätigt.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Mangano KM et al. Higher Dairy Intakes Are Associated with Higher Bone Mineral Density among Adults with Sufficient Vitamin D Status: Results from the Boston Puerto Rican Osteoporosis Study. J Nutr 2019 Jan 1; 149(1):139-148
Van Dongen LH et al. Higher Dairy Food Intake Is Associated with Higher Spine Quantitative Computed Tomography (QCT) Bone Measures in the Framingham Study for Men But Not Women. J Bone Miner Res 2018; 33(7): 1283-1290
Rizzoli R. Dairy products, yogurts, and bone health. Am J Clin Nutr 2014; 99(suppl): 1256S-1262S
Sato Y et al. Greater milk intake is associated with lower bone turnover, higher bone density, and higher bone microarchitecture index in a population of elderly Japanese men with relatively low dietary calcium intake: Fujiwara-kyo Osteoporosis Risk in Men (FORMEN) Study. Osteoporos Int 2015 May; 26(5): 1585-94
Sahni S et al. Dairy Intake is Protective against Bone Loss in Older Vitamin D Supplement Users: The Framingham Study. J Nutr 2017 Apr; 147(4): 645-652
Kruger MC et al. Calcium and vitamin D fortified milk reduces bone turnover and improves bone density in postmenopausal women over 1 year. Eur J Nutr 2018; 57: 2785-2794

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