Klinische und immunologische Auswirkungen der Vitamin-D-Supplementierung während der Pollensaison bei Kindern mit allergischer Rhinitis.

Vitamin D ist ein fettlösliches Sekosteroid, das in der Haut unter der Einwirkung ultravioletter Sonnenstrahlen (UV-B) synthetisiert wird. Vitamin D ist unter anderem essentiell für Wachstum und Entwicklung des Skeletts und des Immunsystems. Vitamin D wirkt immunregulatorisch, anti-inflammatorisch und stärkt die Muskulatur. Die Autoren haben in ihrer Studie die klinischen und immunologischen Auswirkungen einer Vitamin D-Supplementierung während der Pollensaison bei Kindern mit einer allergischen Rhinitis im Vergleich mit einem Placebo untersucht.

Fünfzig Kinder im Alter von 5-12 Jahren, die empfindlich auf Gräserpollen reagierten, nahmen an einer prospektiven, randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie über 5 Monate (zwischen März 2014 und Juli 2014) teil. Die Kinder erhielten wenigstens 8 Wochen vor Beginn der Pollensaison bis zu deren Ende entweder eine tägliche Vitamin D Supplementierung mit 1000 IE (n=50) oder ein Placebo (n=50). 38 Kinder beendeten die Studie. Mit der Studie wurde ein Medikationsscore erfasst und sowohl die Lungenfunktion als auch die ausgeatmete Stickstoffmonoxid-Konzentration (FENO) untersucht. Weiter wurden der 25(OH)D-Serumspiegel, die CD4+-, CD25+-, Foxp3+-Treg-Zellen (Treg-Zellen sind T-Zellen mit immunregulierender Wirkung), TLR4 (Toll-like receptor 4), IL-1 (Interleukin), IL-6, IL-10, der TNF-𝛼 (Tumor necrosis factor alpha) und der transformierende Wachstumsfaktor β1 (TGF-β1) in Zellkulturüberständen bestimmt.

Die Vitamin-D-Supplementierung führte in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer allgemeinen Reduktion der Symptome (Medikationsscore p = 0,0371), zur Erhöhung der CD4+-, CD25+-, Foxp3+-Treg-Zellen (7,06% vs 10,5%; p = 0,0013) und der 25(OH)D-Konzentration im Serum (49,6 vs 96,6 ng/ml; p = 0,0001). In der Kontrollgruppe stieg die ausgeatmete Stickstoffmonoxid-Konzentration (FENO-Konzentration 15,6 vs. 21 ppb; p = 0.0331) an. Die Messdaten zeigten in der Vitamin D-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe (p = 0,0058) gegenüber dem Ausgangswert einen höheren Anstieg der CD4+-, CD25+-, und Foxp3+-Treg-Zellen. Es konnte eine signifikante Korrelation zwischen der CD4+-, CD25+-, Foxp3+-Zellinduktion und der FENO-Reduktion in der Vitamin D-Gruppe nachgewiesen werden (p = 0,0217).

Die Supplementierung mit 1000 IE Vitamin D führt bei Kindern mit allergischer Rhinitis während der Pollensaison zu einer signifikanten Reduktion der Symptome und einem Anstieg regulatorischer Treg-Zellen.

Kommentar:

In den letzten Jahrzehnten haben die Prävalenz allergischer Erkrankungen und dir allergischen Rhinitis zugenommen. Die allergische Rhinitis beeinflusst die Lebensqualität und die berufliche Leistungsfähigkeit. Die zunehmenden Kenntnisse zur immunologischen Rolle von Vitamin D und die epidemiologischen Daten zum weltweit auftretenden Vitamin D-Mangel haben dazu angeregt, den möglichen Einfluss von Vitamin D auf allergische Erkrankungen zu untersuchen. Die Studie von Hyppönen et al. hat bereits gezeigt, dass es einen nicht linearen Zusammenhang zwischen der 25(OH)D-Serumkonzentration und IgE-Serumkonzentration sowohl für erhöhte als auch für erniedrigte IgE-Werte gibt. Mit einer weiteren Studie konnte ein Zusammenhang zwischen ansteigenden 25(OH)D-Serumkonzentrationen und abfallenden inflammatorischen Cytokinen nachgewiesen werden. Die CD4+-, CD25+- und Foxp3+-Treg-Zellen scheinen eine wichtige inhibitorische Rolle bei allergischen Erkrankungen zu spielen. Çoban et al. haben an 86 erwachsenen Patienten einen inversen negativen Zusammenhang zwischen IgE- und Vitamin D Serum-Spiegeln nachweisen können. Studien haben weiter gezeigt, dass sich unter Vitamin D tolerogene dendritische Zellen vermehren, was zur Induktion von Foxp3+ regulatorischen Zellen führt. Niedrige Vitamin D-Serumspiegel sind bei deutschen Kindern und Jugendlichen invers mit Ekzemen assoziiert. Mit ihrer aktuellen Studie konnten die Autoren experimentelle und klinische Studien bestätigen, die zeigen, dass Vitamin D zu einer signifikanten Besserung allergischer Symptome und damit zum allgemeinen Rückgang immunregulatorischer Störungen führt. Die epidemiologischen Daten zum Serum-Vitamin D-Status bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weisen für mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung nach den geltenden Kriterien einen suboptimalen bis mangelhaften Vitamin D-Status mit Werten <20 ng/ml (50 nmol/L) auf, wie die Zahlen des RKI belegen. Bei ca. 15% der bundesdeutschen Bevölkerung liegt die durchschnittliche 25-(OH)D-Serumkonzentration sogar unter 10 ng/ml (<25nmol/L) im rachitogenen Bereich (RKI 27.06.2014). Die Ergebnisse sollten zu Überlegungen Anlass geben, über eine bessere Vitamin D-Versorgung in allen Altersgruppen nachzudenken, nicht nur zur Verbesserung der Symptome einer allergischen Rhinitis während der Pollensaison.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Jerzyńska J et al. Clinical and immunologicial effects of vitamin D supplementation during the pollen season in children with allergic rhinitis. Arch Med Sci 2018 Jan; 14(1): 122-131
Hyppönen E et al. Serum 25-hydroxyvitamin D and IgE – a significant but nonlinear relationship. Allergy 2009 Apr; 64(4): 613-620
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Rabenberg M, Mensink GBM. Vitamin D-Status in Deutschland. Robert Koch-Institut, Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung. Journal of Health Monitoring 2016 1(2); DOI: 10.17886/rki-gbe-2016-036
Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen. Stellungnahme zu Vitamin-D-haltigen Produkten (01/2016) Revision 1.1 (2017). Download 23.12.2019

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