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Können wir auch zu viel Milch trinken?

Milch enthält für den Körper wichtige Nährstoffe, essentielle Aminosäuren, Kalzium, Phosphor und, wenn wie in den USA und Kanada per Gesetz angereichert, auch Vitamin D. Wir gehen bei einer Nahrung, die reich an Milchprodukten ist, davon aus, dass sie uns vor einer Osteoporose schützt und das Frakturrisiko senkt. Das Frakturrisiko hängt von der mit der Pubertät erreichten Knochenmasse, von der Geometrie und Mikrostruktur des Knochens ab. Milchprodukte erhöhen die Knochengesundheit. Ein zu hoher Milch-Konsum besitzt aber auch unerwünschte Auswirkungen, wie die aktuelle Untersuchung von Michaelsson et al. vermuten lässt. Milch ist die wichtigste Quelle für Laktose (Milchzucker). Im Darm wird Laktose durch die Lactase in D-Glucose und D-Galactose gespalten. Experimentelle Daten aus Tierversuchen lassen erkennen, dass sich D-Galactose negativ auf die Gesundheit auswirkt. D-Galactose oral oder injiziert ist ein etabliertes experimentelles Modell, um im Tierversuch das Altern zu beschleunigen. Bereits geringe Dosen von D-Galactose führen zu Veränderungen, die dem natürlichen Alterungsprozess ähnlich sind. Dazu gehört im Tiermodell eine durch oxidativen Stress verkürzte Lebensspanne, eine chronische Entzündung, eine Neurodegeneration, eine verminderte Immunantwort und genetische Veränderungen.

Schwedische Autoren haben in einer Kohorten-Studie an 45.339 Männern (im Alter zwischen 45-79 Jahren zu Studienbeginn 1997) und 61.433 Frauen (im Alter zwischen 39-74 Jahren zu Studienbeginn 1987-1990) das Nahrungsverhalten an Hand von Fragebögen untersucht. Dabei wurde als Ergebnisziel die Zeit bis zum Auftreten einer Fraktur oder bis zum Tod ermittelt. Während einer Beobachtungszeit von 20 Jahren wiesen Frauen, die ≥ 3 Gläser Milch pro Tag tranken (im Vergleich zu denen, die < 1 Glas tranken) ein höheres allgemeines Mortalitätsrisiko (Hazard Ratio (HR) 1,9), ein höheres kardio-vaskuläres Mortalitätsrisiko (HR 1,9), ein höheres Krebsrisiko (HR1,4), ein höheres allgemeines Frakturrisiko (HR1,2) und ein höheres Hüft-Frakturrisiko (HR1,6) auf. Während des 11-jährigen Follow-up der männlichen Kohorte zeigte sich für Männer, die ≥ 3 Gläser Milch pro Tag tranken, ein erhöhtes allgemeines Mortalitätsrisiko (HR 1,1) und ein erhöhtes kardio-vaskuläres Risiko (HR 1,2). Der Milch-Konsum war außerdem mit erhöhten Biomarkern für oxidativen Stress und Entzündung in beiden Gruppen verbunden. Interessanterweise zeigten sich bei Käse und fermentierten Milchprodukten (z.B. Jogurt) diese Auswirkungen nicht. 

Studien haben gezeigt, dass das Knochenwachstum in der Kindheit und der Adoleszenz mit einer ausreichenden Kalzium- und Proteinaufnahme verbunden ist. Studien sprechen für einen positiven Einfluss von Milchprodukten auf die Knochengesundheit im Kindes- und Jugendalter. Kinder mit einer IgE vermittelten Kuhmilchallergie weisen eine geringere Knochendichte und eine frühe Osteoporose auf. Der positive Einfluss der Milch mag im Erwachsenenalter abnehmen und, wie die Studie von Michaelsson et al. zeigt, bei ≥ 3 Gläsern Milch pro Tag eher negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Hier scheint die Menge des Milchkonsums eine entscheidende Rolle für die negativen Auswirkungen zu spielen, wobei dies wahrscheinlich für fermentierte Milchen nicht gilt.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Heaney, RP. Dairy and bone health. J Am Coll Nutr 2009, 28(Suppl 1): 82S-90S 
Michaelsson, K et al. Milk intake and risik of mortality and fractures in women and men: Cohort studies. BMJ 2014 Oct 28, 349: g6015
Nachshon, L et al. Decreased bone mineral density in young adult IgE-mediated cow’s milk-allergic patients. J Allergy Clin Immunol 2014 Nov, 134(5): 1108-1113

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