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Modifiziert der Vitamin D-Status die Statin-Toleranz?

Statine sind mit einem erhöhten Nebenwirkungs-Risiko assoziiert. Sie können Myalgien, Myositiden und Myopathien bis zur Muskelnekrose verursachen. Beobachtungen lassen vermuten, dass ein optimaler Vitamin D-Status das Nebenwirkungs-Risiko reduziert. Es fehlen bisher aber randomisierte, kontrollierte Doppelblind-Studien, die diese Beobachtungen bestätigen.

Moroika et al. haben jetzt in einer cross-sectionalen Studie die vorhandenen Daten aus den Jahren 2001-2004 der zur Zeit fortgeführten amerikanischen NHANES-Studie (National Health and Nutrition Survey) analysiert.

Von den 5907 Studienteilnehmern ≥40 Jahre nahmen 1057 Teilnehmer Statine ein. Der mittlere Vitamin 25(OH)D-Serumspiegel der gesamten Studienpopulation betrug 23,6 ng/ml (95% KI 22,9-24,3 ng/ml) und unterschied sich nicht von den Vitamin D-Serumspiegeln der Studienteilnehmer (23,4 ng/ml, 95% KI 22,3-24,4 ng/ml). Vor der Stratifizierung nach Vitamin D-Status betrug die Prävalenz der Muskelschmerzen für Statin-Nutzer 30,5% (95% KI 25,9-35,6 ng/ml), für nicht-Statin-Nutzer 26,3% (95% KI 24,4-28,3 ng/ml). Nach Stratifizierung in Gruppen für Vitamin D-Serumspiegel <15 ng/ml, 15-30 ng/ml und ≥30ng/ml zeigte sich, dass das Risiko für Muskelschmerzen bei den Probanden mit Vitamin D-Serumspiegeln <15 ng/ml signifikant erhöht war. Im Vergleich von Vitamin D-Serumspiegeln <15 ng/ml zu Serumspiegeln ≥15 ng/ml war das Muskelschmerz-Risiko um 43,8% erhöht. Studienteilnehmer mit Vitamin D-Serumspiegeln <15 ng/ml wiesen im Vergleich zu Nicht-Statin-Nutzern einen Wahrscheinlichkeitsquotienten (Odds Ratio) von 2,15 (95% KI 1,36-3,41) auf. Klinisch befanden sich diese Patienten auch in einem schlechteren Gesundheitszustand, der mit jüngerem Alter, Rauchen, Arthritis, Narkotika- und NSAR-Gebrauch assoziiert war. Die Muskelschmerz-Inzdidenz bei den Nicht-Statin-Nutzern betrug 27,0% (P=0,005).

Die Analyse der Daten stützt die Vorstellung, dass der Vitamin D-Status das Risiko von Muskelschmerzen unter der Gabe von Statinen moduliert.

Kommentar: Statine gelten als Mittel der Wahl bei Fettstoffwechsel-Störungen. Sie senken das erhöhte LDL-C und mindern das kardiovaskuläre Risiko. Nicht nur die Studie von Moroika et al. stützt die Hypothese, dass Vitamin D-Mangel das Nebenwirkungs-Risiko der Statine beeinflusst. Zwei weitere aktuelle Studien lassen ebenfalls einen Zusammenhang erkennen. Im Juni 2011 gab die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine Warnung zum Myopathie-Risiko bei einer Hochdosis-Therapie (80 mg) von Simvastatin heraus. In einer retrospektiven Analyse haben Mergenhagen et al. die Akten von 450 Patienten (Veteran Affairs Western New York Healthcare System), die zwischen dem 1. August 2006 und dem 31. Juli 2011 80 mg Simvastatin verschrieben bekommen hatten, analysiert. Sie haben nach Hinweisen für eine Myalgie, Myopathie (beginnend, sicher) und Rhabdomyolyse gesucht. Myalgien traten eher bei jüngeren Patienten und bei Patienten mit einem Vitamin D-Mangel auf. Auch die Ergebnisse einer Meta-Analyse von Michalska-Kasiczak et al. weisen auf eine Verbindung zwischen Vitamin D-Serumspiegeln und Myalgien unter Statinen hin. Wenn auch noch keine randomisierten, kontrollierten Doppelblind-Studien vorliegen, so dürfte es doch sinnvoll sein, vor der Einleitung einer Statin-Therapie den Vitamin D-Spiegel zu überprüfen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Moroika, TY et al. Vitamin D status modifies the association between statin use and musculoskeletal pain: A population based study. Atherosclerosis 2015 Jan, 238(1): 77-82.
Mergenhagen, K et al. Low vitamin d as a risk factor for the development of myalgia in patients taking high-dose simvastatin: a retrospective review. Clin Ther 2014 May, 36(5): 770-777.
Michalska-Kasiczak, M et al. Analysis of vitamin D levels in patients with and without statin-associated myalgia – a systematic review and meta-analysis of 7 studies with 2420 patients. In J Cardiol 2015 Jan 15, 178: 111-116

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