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Sind ein niedriger Vitamin D- und Vitamin K-Status mit einem erhöhten Blutdruck verbunden?

Vitamin D und Vitamin K sind am Knochenstoffwechsel und über Vitamin K-abhängige Proteine an Kalzium-Einlagerungen in die nicht-knöchernen Gewebe beteiligt. Hier scheint besonders das Gefäßsystem betroffen zu sein, bei dem Kalzium-Einlagerungen zum Elastizitätsverlust und zu einem erhöhten Blutdruck, einem Prädiktor für die Arteriosklerose und für koronare Herzkrankheiten, führen. In prospektiven Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein niedriger Vitamin D-Status, gemessen als 25-hydroxyvitamin D [25(OH)D], und ein niedriger Vitamin K-Status, gemessen als erhöhtes dp-ucMGP (dephosphoryliertes uncarboxyliertes Matrix-Gla-Protein), mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden ist. In einer aktuellen, prospektiven Studie haben die Autoren untersucht, inwieweit ein niedriger Vitamin D- und Vitamin K-Status mit einem erhöhten Blutdruck verbunden ist.

Hierzu bedienten sich die Autoren einer Unterstichprobe (Subsample) der Daten der „Longitudinal Aging Study Amsterdam“, einer Bevölkerungskohorte von 55- bis 65-jährigen. In die Studie wurden 402 Probanden mit einem erhöhten diastolischen und systolischen Blutdruck und 231 ohne erhöhten Blutdruck eingeschlossen. Der Vitamin D-Status wurde über 25(OH)D und der Vitamin K-Status über dp-ucMGP in den zwischen 2002 bis 2003 eingefrorenen Serumproben bestimmt. Ein hoher dp-ucMGP-Status (nicht aktiviertes Matrix Gla Protein) gilt als Nachweis für einen Vitamin K-Mangel. Der Vitamin D- und Vitamin K-Status wurden jeweils in zwei Kategorien eingeteilt: 25(OH)D <50/≥50nmol/L und dp-ucMGP <323/≥323 pmol/L.

Die Plasma 25(OH)D und dp-ucMGP Spiegel waren mit einer mittleren Konzentration von entsprechend 59±21 nm/L und 349 ±209 pmol/L normal verteilt. Die Anzahl der Studienteilnehmer mit einem niedrigen Vitamin D- und Vitamin K-Status 25(OH)D <50 nmol/L und dp-ucMGP ³323 pmol/L betrug 19%. Diese Probanden wiesen einen höheren BMI (Body-Mass-Index), einen größeren Taillenumfang und eine höhere Parathormon-Konzentration im Vergleich zur Referenzgruppe (25(OH)D ³50 nmol/L und dp-ucMGP <323pmol/L) auf.

Zum Studienbeginn waren der mittlere systolische (137±23 mmHg) und der mittlere diastolische Blutdruck (83 ±12 mmHg) normal verteilt. Sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck waren in ihrer Höhe eng mit einem niedrigen Vitamin D- und Vitamin K-Status verbunden. Während einer medianen Nachverfolgungszeit von 6,4 Jahren entwickelten 62% (n=143) der Studienteilnehmer einen Bluthochdruck. Waren sowohl Vitamin D als auch Vitamin K (hohe Werte für dp-ucMGP) erniedrigt, stieg der mittlere systolische Blutdruck um 4,8 mmHg (95% KI 0,1-9,5) und diastolisch um 3,1 mmHg (95% KI 0,5-5,7) im Vergleich zu Probanden mit normalen Vitamin D- und Vitamin K-Spiegeln. Die Interaktion zwischen Vitamin D und Vitamin K war statistisch signifikant. Das Risiko (Hazard Ratio) für eine Blutdruckerhöhung betrug für Vitamin D- und Vitamin K-Mangel 1,69 (95% KI 1,06-2,68). Nach Berücksichtigung einiger möglicher Störvariablen ging die Hazard Ratio auf 1,62 (95% KI 0,96-2,73) zurück und verlor die Signifikanz.

Die Kombination eines niedrigen Vitamin D- und Vitamin K-Status scheint, mit einem erhöhten Blutdruck-Risiko verbunden zu sein.

Kommentar:

Die Autoren konnten mir ihrer Studie zeigen, dass ein niedriger Vitamin D-Status in Kombination mit einem niedrigen Vitamin K-Status das Blutdruck-Risiko erhöht. Die Ergebnisse sind plausibel. Vitamin K ist an der Verkalkung von Gefäßen über seine Funktion als Co-Faktor bei der Carboxylierung Vitamin K abhängiger Gefäß-Proteine (MGP-Matrix Gla Proteine) beteiligt. Eine „loss-of-function“ Mutation des MGP-Gens führt im Mäuse-Experiment zu einer rapiden Gefäßverkalkung und kurzfristigem, anschließendem Tod. Weitere Studien haben bestätigt, dass ein über Vitamin K-Antagonisten induzierter Vitamin K-Mangel zu unter-carboxylierten MGP und zu einer erhöhten Gefäßverkalkung führt. Vitamin D kann die MGP-Expression steigern, was zu einem erhöhten Vitamin K-Bedarf führt. In früheren Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass auch Vitamin D-Mangel zu einem erhöhten Blutdruck führt. Die bisherigen experimentellen und klinischen Ergebnisse lassen erkennen, dass ausreichende Vitamin D- und Vitamin K-Spiegel für die Gefäßgesundheit eine wichtige Rolle spielen. Dies wird durch die Studie von van Ballegooijen et al. bestätigt.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Van Ballegooijen, AJ et al. Joint Association of Low Vitamin D and Vitamin K Status With Blood Pressure and Hypertension. Hypertension 2017 Jun; 69(6): 1165-1172
Luo, G et al. Spontaneous calcification of arteries and cartilage in mich Lackier matrix GLA protein. Nature 1997; 386: 78-81
Caluwé, R et al. The effects of vitamin K supplementation and vitamin K antagonists in progression of vascular calcification: ongoing randomized controlled trials. Clin Kidney J 2016; 9: 273-279
Ke, L et al. Vitamin D-status and hypertension: a Review. Integr Blood Press Control 2015; 8: 13-35

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