Neuigkeiten

Sollten alle Patienten mit leichten kognitiven Einschränkungen Vitamin D erhalten?

Der kognitive Verfall im Verlauf dementieller Erkrankungen führt zum Verlust von Autonomie und Unabhängigkeit und betrifft vor allem ältere Menschen. Die Ursachen sind vielfältig. Die häufigste Ursache für eine Demenz ist die Alzheimer‘sche Erkrankung (AD). Es gibt noch keine wirksamen pharmakologischen Interventionen, die den Beginn oder das Fortschreiten der AD aufhalten können. Eine leichte kognitive Einschränkung (Mild Cognitive Impairment - MCI) ist das früheste Stadium einer möglichen, beginnenden Demenz und könnte deshalb der optimale Zeitpunkt für eine Intervention sein. Eine wachsende Zahl epidemiologischer Studien lässt vermuten, dass ein Mangel an Mikro- und Makronährstoffen, vor allem ein Vitamin D-Mangel, mit einem kognitiven Rückgang verbunden sein könnte. Für keine Prävention konnte bisher zweifelsfrei eine Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Mit einer randomisierten, kontrollierten Doppelblind-Studie haben die Studienautoren über 12 Monate den Einfluss einer Gabe von 400 IE Vitamin D3 auf die Kognition und den Serum-Lipid-Status an 181 Patienten (mittleres Alter 67; 45% männlich), die den Peterson’s Kriterien für eine MCI (mild cognitive impairment - leichte Einschränkung mentaler Funktionen) entsprachen, untersucht. Die beiden Behandlungsgruppen (Interventionsgruppe N=93; Kontrollgruppe N=88) unterschieden sich zu Studienbeginn nicht hinsichtlich Rauchverhalten, Diabetes, Blutdruck, Kognition und Vitamin D-Serumspiegel.

Die tägliche Gabe von 400 IE Vitamin D über 12 Monate (Auswertung von 163/181 Studienteilnehmern) führte zu einer signifikanten Besserung der kognitiven Funktionen und einem Abfall der Triglyceride, des Gesamt-Cholesterins, des HDL-C und des LDL-C im Vergleich zu Placebo. Die Ergebnisse lassen einen positiven Einfluss der kontinuierlichen Vitamin D-Gabe auf die kognitiven Funktionen, fluide, verbale und non-verbale Intelligenz erkennen.

Kommentar:

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der allgemeinen Gesundheit und der Hirnfunktionen. Als leichte kognitive Einschränkung (MCI - mild cognitive impairment) wird eine Einschränkung der Kognition definiert, die noch nicht zu einer entscheidenden Begrenzung der persönlichen Autonomie führt. Sie wird unterschiedlich verursacht und ist bei älteren Menschen mit einem verminderten Hippocampus-Volumen und verminderten Hippocampus-Verbindungen assoziiert. Eine von Annweiler et al. durchgeführte Populations-Querschnittstudie und Meta-Analyse asiatischer Bevölkerungsgruppen in Singapur zeigt, dass ein Serum-Vitamin D-Mangel mit Werten ≤20 ng/ml mit einer allgemeinen kognitiven Einschränkung des semantischen Gedächtnisses und der Zeitorientierung korreliert. Diese Assoziation konnte bereits für Serum-Vitamin D-Spiegel <30 ng/ml in einer kanadischen Studie bei älteren Personen mit einer MCI nachgewiesen werden. Die Ergebnisse von Hu et al. bestätigen, dass schon eine tägliche Gabe von 400 IE Vitamin D3 zu einer Besserung der kognitiven Funktionen im chinesischen Wechsler-Intelligenztest und zu einem Abfall der Serum-Lipidspiegel über 12 Monate führt. Wenn es auch noch keinen allgemeinen Konsensus für die präventive Gabe von Vitamin D gibt, so scheint der Vitamin D-Supplementation, die bereits in einigen Ländern über angereicherte Lebensmittel durchgeführt wird, eine größere präventive Bedeutung zu besitzen als allgemein angenommen wird. Sie ist darüber hinaus nicht teuer und nebenwirkungsfrei.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Hu, J et al. Effects of vitamin D3 supplementation on cognition and blood lipids: a 12-month randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2018 Oct 2 [epub ahead of print]
Fujishiro, H. Vitamin D3 as a potentially modifiable factor in mild cognitive impairment. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2018 Oct 2 [epub ahead of print]
Annweiler, C et al. Vitamin D insufficiency and cognitive impairment in Asians: a multi-ethnic population-based study and meta-analysis. J Intern Med 2016 Sep; 280(3): 300-311
Al-Amin, M et al. Vitamin D deficiency is associated with reduced hippocampal volume and disrupted structural connectivity in patients with mild cognitive impairment. Hum Branin Mapp 2018 Sep 25 [epub ahead of print]
Pavlovic, A et al. The association between serum vitamin d level and cognitive function in older adults: Cooper Center Longitudinal Study. Prev med 2018 Aug; 113: 57-61 [epub 2018 May 16]
Lerner, PP et al. Association between mental disorders, cognitive disturbances and vitamin D serum level: Current state. Clin Nutr ESPEN 2018 Feb; 23: 89-102

Kontakt

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Services oder allgemeine Anmerkungen?

ALIUD PHARMA GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 19
89150 Laichingen

Fon +49 7333 9651-0
Fax +49 7333 9651-4000

> zum Kontaktformular

Ihr Login in die ALIUD FACHWELT

Die ALIUD FACHWELT bietet Onlineshop und vielfältige Serviceleistungen für Ärzte und Apothekenteams. Wenn Sie zum Fachkreis gehören können Sie sich direkt mit ALIUD PHARMA- oder DocCheck®-Zugangsdaten einloggen.

> Login
> Zugangsdaten vergessen?

Wenn Sie zum Fachkreis gehören und noch keine Zugangsdaten besitzen können Sie sich hier registrieren.