Vitamin D-Mangel: subjektive Gedächtnisbeschwerden bei älteren Erwachsenen?

Ältere Erwachsene mit einem Serum-Vitamin D-Mangel [25(OH)D] berichten häufiger über kognitive Beschwerden, die vor allem das nachlassende Gedächtnis betreffen. Kann Vitamin D dazu beitragen, die Gedächtnisstörungen älterer Erwachsener zu verbessern? Hierzu haben die Autoren untersucht, ob höhere Vitamin D-Serumkonzentrationen zu einem Rückgang unterschiedlicher Arten von Gedächtnisbeschwerden beitragen können.

Einhundertachtzig selbständig lebende Studienteilnehmer mit Gedächtnisbeschwerden ohne Demenz (mittlere Standardabweichung 71,1 ±3,4 Jahre, 33,3% weiblich) aus der französischen "EVATEM-Studie" wurden in die Analyse einbezogen. Die Teilnehmer berichteten über zahlreiche subjektive Gedächtnisbeschwerden wie Gedächtnislücken, Probleme beim Erlernen neuer Informationen, Wortfindungen, Rechen- und Konzentrationsprobleme, die mit einem standardisierten Fragebogen erfasst und bewertet wurden. Die Teilnehmer wurden nach dem höchsten Tertil des Serumvitamin D-Spiegels kategorisiert (≥68nmol/L). Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Morbiditätsbelastung, Verwendung von Vitamin D-Supplementen, kognitive Leistung, Stimmung, Serumkonzentration von Kalzium, Nebenschilddrüsenhormon und Vitamin B12, Kreatinin-Clearance und Jahreszeit wurden als mögliche Störfaktoren berücksichtigt.

Im Vergleich zu Teilnehmern mit Serumvitamin D-Spiegeln <68nmol/L (n=121) hatten die Teilnehmer mit Serumvitamin D-Spiegeln ≥68nmol/L weniger Probleme, neue Informationen aufzunehmen (P=0,027). Für andere Gedächtnisbeschwerden zeigten sich keine Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. Das höchste Serum-Vitamin D-Tertil zeigte in der cross-sektionalen Auswertung weniger Probleme beim Erlernen neuer Informationen [Odds Ratio (OR)=0,48, P=0,029], die auch nach Anpassung an potenzielle Störfaktoren (OR=0,32, P=0,039) bestehen blieben.

Im Ergebnis war ein höherer Vitamin-D-Status mit geringeren Problemen beim Einprägen neuer Informationen bei älteren Studienteilnehmern verbunden. Diese Befunde liefern eine wissenschaftliche Grundlage für Vitamin-D-Supplementierungs-Studien, um den kognitiven Abbau älterer Menschen vielleicht aufzuhalten und zu verbessern.

Kommentar:

Weltweit leiden derzeit schätzungsweise 46 Millionen Menschen unter einer Demenz. Schätzungen gehen von einer Verdreifachung dieser Zahl bis 2050 aus. Da die pharmakologische Behandlung der Demenz bisher noch keine Erfolge gebracht hat, gewinnen evidenzbasierte präventive Lebensstrategien an Bedeutung, die zum Erhalt der kognitiven Gesundheit beitragen. Dazu gehören Verzicht auf Rauchen, eine gute kardiovaskuläre Gesundheit, körperliche Aktivität, geringer Alkoholkonsum und eine gesunde Ernährung. Neuere Erkenntnisse haben auch den Vitamin-D-Mangel mit kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz in Verbindung gebracht. Vitamin-D-Rezeptoren sind im Hirngewebe weit verbreitet, und die biologisch aktive Form von Vitamin D [1,25(OH)2D3] hat in Tiermodellen neuroprotektive Eigenschaften, einschließlich des Rückgangs von Amyloid-Plaques, einem Markenzeichen der Alzheimer-Krankheit, gezeigt. Es wurden Assoziationen zwischen niedrigen 25-Hydroxyvitamin D-Serumspiegeln, der Alzheimer-Krankheit und der Demenz in Europa und den USA nachgewiesen. Zusammenhänge zwischen niedrigen 25(OH)D-Konzentrationen und cerebro-vaskulären Ereignissen werden vermutet. Zwei große prospektive Studien haben kürzlich gezeigt, dass niedrige Vitamin-D-Konzentrationen das Risiko eines kognitiven Abbaus erhöhen können. Große, gut konzipierte, randomisierte und kontrollierte Studien sind nun erforderlich, um festzustellen, ob die Vitamin-D-Supplementierung bei der Prävention oder Behandlung der Alzheimer-Krankheit und der Demenz wirksam ist.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Annweiler C et al. Vitamin D and Subjective Memory Complaint in Community-Dwelling Older Adults. Curr Alzheimer Res 2018; 15(7): 664-670
Miller JW et al. Vitamin D Status and Rates of Cognitive Decline in a Multiethnic Cohort of Older Adults. JAMA Neurol 2015 Nov; 72(11): 1295-1303
Grimm MOW et al. Vitamin D and Its Analogues Decrease Amyloid-ß (Aß) and Increase Aß-Degradation. Int J Mol Sci 2017 Dec 19; 18(12) pii: E2764
Goodwill AM, Szoeke C. A Systematic Review and Meta-Analysis of The Effect of Low Vitamin D on Cognition. J Am Geriatr Soc 2017 Oct; 65(10): 2161-2168

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