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Vitamin D-Mangel und Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Infektionen?

Die Rolle des Vitamin D für eine gesunde Knochenentwicklung gilt als gesichert. Mit einer gesunden Knochenentwicklung scheint, die gesundheitliche Bedeutung von Vitamin D aber noch nicht ausreichend erfasst zu werden. In vielen Studien wurde in den letzten Jahren die sich abzeichnende immunologische Rolle von Vitamin D im Rahmen der viralen, bakteriellen und fungalen Infektresistenz untersucht. Die einzelnen Autoren kamen dabei in klinischen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Hinweise überwiegen, dass ein gesundes Immunsystem Vitamin D benötigt. Jetzt haben Thomason et al. im Rahmen einer retrospektiven Studie die Frage untersucht, inwieweit ein Vitamin D-Mangel mit einer Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Infektion verbunden ist.

In die Studie wurden alle Patienten aufgenommen, bei denen im Atlanta Veterans Affairs Medical Center (AVMC) zwischen Januar 2007 und August 2010 der 25(OH)D- Serumspiegel bestimmt wurde. Während der Studienperiode wurde der Serum-Vitamin D-Spiegel bei allen HIV-Patienten bestimmt. Bei den 6.405 in die Studie aufgenommenen Patienten (mittleres Alter 64,2 Jahre, 89% Männer, 50% schwarz, 15% HIV-infiziert, 41% mit einem als Mangel definierten Vitamin D-Spiegel von <20 ng/mL) wurde während der Studienperiode mindestens eine Vitamin D-Bestimmung durchgeführt. Bei 401 Patienten konnten zwischen Oktober 2005 und Dezember 2010 eine oder mehrere MRSA-Infektionen (70% mit nur einer Infektion) nachgewiesen werden. Haut und Weichteile waren die häufigsten Infektionsherde (58%), gefolgt von Harnwegsinfekten (13%), kardiovaskulären und hämatogenen Infektionen (9%) und Atemwegsinfektionen (8%). Die Infektionsraten für weitere Organsysteme lagen bei etwa 5% und niedriger (Knochen und Gelenke, chirurgische Infektionen, HNO-Infektionen, Infektionen der Reproduktionsorgane und des Magen-Darmtraktes). In der multivariaten Analyse war das MRSA-Infektionsrisiko signifikant mit dem männlichen Geschlecht, einem niedrigen BMI, einer HIV-Infektion und einem Vitamin D-Mangel assoziiert. Der mittlere Serum- Vitamin D-Spiegel betrug für die MRSA-Patienten 19,6 ng/mL, für die nicht-MRSA-Patienten 24,0 ng/mL. Patienten mit einem Vitamin D-Mangel wiesen auch nach Berücksichtigung von anderen Variablen eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für eine MRSA-Infektion auf wie Patienten mit einem normalen Vitamin D-Spiegel (Odds Ratio 1,94, 95% KI 1,5-2,5, P=0,0025). Auch bei der Subgruppen-Analyse von MRSA-Patienten, deren Serum Vitamin D-Spiegel innerhalb von 150 Tagen nach dem MRSA-Nachweis gemessen wurde, zeigte sich, dass der 25(OH)D-Spiegel ein unabhängiger Risikofaktor für eine MRSA-Infektion ist.

Kommentar: Der Vitamin D-Mangel (25(OH)D <20 ng/mL) gilt als globales Problem, das die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen beeinflusst. Vitamin D-Mangel wird mit der Entstehung vieler chronischer Erkrankungen verbunden. Hierzu gehören Erkrankungen des Skelett-Systems, Auto-Immunerkrankungen und Infektionen. Kritisch erkrankte Patienten scheinen, bei Vitamin D-Mangel besonders anfällig für Infektionen zu sein. In ihrer retrospektiven Kohorten-Studie weisen die Autoren eine signifikante Assoziation zwischen einer MRSA-Besiedlung und dem Serum Vitamin D-Spiegel nach. Diese retrospektiv an einer amerikanischen Kohorte gewonnenen Ergebnisse dürften nicht nur für Infektionen mit Staphylococcus aureus gelten. Weitere observationale Studien lassen einen allgemeinen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und dem allgemeinen Infektionsrisiko vermuten. De Haan et al. haben mit einem aktuellen Review observationaler Kohortenstudien zeigen können, dass sich bei schwer erkrankten Patienten, die gleichzeitig unter einem Vitamin D-Mangel leiden, das Infektions-Risiko um das 1,49fache, das Sepsis-Risiko um das 1,46fache, die 30-Tage-Mortalität um das 1,42fache und die Krankenhaus-Mortalität um das 1,79fache erhöht. Obwohl die Folgen des Vitamin D-Mangels bei schwer kranken Patienten nach wie vor umstritten sind, lassen die Ergebnisse nicht nur bei schwer kranken Patienten, sondern auch bei gesunden Kindern und Erwachsenen einen kurz- und langfristigen Einfluss niedriger Vitamin D-Spiegel auf Morbidität und Mortalität erkennen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quelle: Thomason, J et al. Association between vitamin D deficiency and methicillin-resistant Staphylococcus aureus infection. Infection 2015 Jul 4 (epub)
Amrein, K et al. Understanding vitamin D deficiency in intensive care patients. Intensive Care Med 2015, 41: 1961-1964
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Gröber, U et al. Live Longer with Vitamin D. Nutrients 2015, 7: 1871-1880
Juonala, M et al. Childhood 25-OH vitamin D levels and carotid intima-media thickness in adulthood: the cardiovascular risk in young Finns study. J clin Endocrinol Metab 2015 Apr, 100(4): 1469-76

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