Was hat der Zigaretten-Preis mit der Säuglingssterblichkeit in 23 Europäischen Ländern zu tun?

Weltweit rauchen über eine Milliarde Menschen regelmäßig und geschätzte 6 Millionen sterben an den Folgen. Zwischen 10 und 20 Prozent der Frauen in Ländern mit hohem Einkommen rauchen während der Schwangerschaft und erhöhen damit das Risiko für Fehl- und Mangelgeburten. Rauchen führt zu langfristigen epigenetischen Veränderungen, die auch noch nachfolgende Generationen betreffen. Der direkte und indirekte Zigaretten-Konsum (second-Hand-Smoke) ist Gift für Kinder und Erwachsene. Die Erhöhung des Zigarettenpreises über eine höhere Besteuerung war in den USA mit einem Rückgang des Zigarettenkonsums und einer geringeren Säuglingsmortalität verbunden.

Europäische Autoren haben aktuell eine longitudinale Studie zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2014 zum Zusammenhang zwischen den durchschnittlichen Zigarettenpreisen, den Zigarettenpreis-Unterschieden und der Kindersterblichkeit in 23 Ländern der Europäischen Union durchgeführt.

Die durchschnittlichen Zigarettenpreise, die Preisdifferenzen zwischen den einzelnen Ländern und die Mindestpreise wurden von Euromonitor International ermittelt. Die Preisdifferenzen wurden berechnet als die Anteile (%), die sich aus der Division der Differenz zwischen dem mittleren und dem minimalen Zigarettenpreis durch den mittleren Preis ergeben. Die Preise wurden um die Inflation bereinigt. Zu den Ergebniszielen gehörten die Erfassung der jährlichen Säuglingssterblichkeit und die Verbindungen zur Rauchfreiheitspolitik, dem Bruttoinlandsprodukt, der Arbeitslosenquote, des Bildungsgrades und des Alters.

Im Untersuchungszeitraum konnten 53.704.641 Lebendgeburten erfasst werden. Der Anstieg des durchschnittlichen Zigarettenpreises um 1 € pro Packung war mit einem Rückgang von 0,23 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten im selben Jahr (95% KI, -0,37 bis -0,09) und einem Rückgang von 0,16 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten im folgenden Jahr (95% KI, -0,30 bis -0,03) verbunden. Eine Erhöhung der Preisdifferenz zwischen preisgünstigen und preisgünstigen Zigaretten um 10% war mit einem Anstieg von 0,07 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (95% KI, 0,01-0,13) im folgenden Jahr verbunden. Insgesamt waren die Preiserhöhungen bei Zigaretten in 23 europäischen Ländern zwischen 2004 und 2014 mit 9208 weniger Todesfällen bei Säuglingen (95% KI 8601-9814) verbunden, 3195 (95% KI 3017-3372) Todesfälle hätten vermieden werden können, wenn es in diesem Zeitraum keinen Kostenunterschied zwischen den preisgünstigen und den preisgünstigsten Zigaretten gegeben hätte.

Höhere Zigarettenpreise waren insgesamt mit einer geringeren Säuglingssterblichkeit verbunden. Dies galt auch für die hohen Unterschiede bei Zigarettenpreisen. Die Autoren empfehlen den Gesetzgebern, Maßnahmen zur Erhöhung der Tabaksteuer und gleichzeitiger Preiskontrolle zu ergreifen, um den Zigaretten-Konsum einzuschränken.

Kommentar:

Trotz der Tatsache, dass die negativen Auswirkungen des Tabak-Konsums seit etwa 50 Jahren bekannt sind, bleibt aktives Rauchen der häufigste Grund für einen vermeidbaren Tod. Auch die sekundäre Zigarettenrauch-Exposition (second-hand-smoke - SHS) schädigt die Gesundheit und führt jährlich weltweit zu geschätzten 600.000 Todesfällen, davon betreffen 166.000 der geschätzten Todesfälle Kinder. Die Schaffung rauchfreier öffentlicher Räume hat neben einer Preiserhöhung für Zigaretten zu einer Abnahme des Konsums und zu einer Verbesserung der allgemeinen und kindlichen Gesundheit sowie zu einer Verringerung der Säuglingssterblichkeit geführt. Dies haben Patrick et al. mit ihrer 2016 veröffentlichten US-amerikanischen Studie für die Säuglingsmortalität zeigen können. Zu diesem Ergebnis kommt auch die von Filippides et al. aktuell in 23 europäischen Ländern durchgeführte Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Säuglingssterblichkeit. Die europäischen Autoren haben erstmals auch den Einfluss von Preisunterschieden bei Zigaretten auf das Mortalitätsrisiko untersucht. Wie zu erwarten, spielen Preisdifferenzen in den einzelnen Ländern für das Ausmaß des Zigaretten-Konsums eine große Rolle. Wer billige Zigaretten weiterhin kaufen kann, wird sich wesentlich schwerer von seinem Laster trennen als wenn er höhere Preise zahlen muss. Der Zigaretten-Konsum beeinflusst die perinatale und die allgemeine Säuglingsmortalität. Es mag deshalb nicht verwundern, dass die Möglichkeit, preisgünstigere Zigaretten zu erwerben, sich in einer höheren Säuglingsmortalität widerspiegelt. Es dürfte deshalb politisch vernünftig sein, Preisunterschiede bei Tabakprodukten auf einem hohen Niveau zu egalisieren, um den Konsum besonders preisgünstiger Tabakprodukte im allgemeinen gesundheitspolitischen Interesse der aktuellen und der nachwachsenden Generation einzugrenzen.

Text: Dr. med. Jürgen Hower, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Quellen: Filippidis, FT et al. Association of Cigarette Price Differentials with Infant Mortality in 23 European Union countries. JAMA Pediatr 2017 Nov 1; 171(11): 1100-1106
Patrick, SW et al. Cigarette Tax Increase and Infant Mortality. Pediatrics 2016 Jan; 137(1); 137(1)
Faber, T et al. Smoke-free legislation and child health. NPJ Prim Care Respir Med 2016 Nov 17; 26: 16067

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